Zwei Sportler im Test

Mini Cooper S – Suzuki Swift Sport Mini Cooper S – Suzuki Swift Sport

Kleine Sportler im Test

— 14.09.2006

Mini-Mode aus zwei Welten

Trotz Globalisierung gibt es noch Unterschiede im Geschmack: zwei Frauen, zwei Autos, zwei Kulturen – Mini Cooper S und Suzuki Swift Sport im Vergleich.

Japaner verbringen viel Zeit im Stau

Kei Takeoka bekommt täglich Besuch von Männern. Von unzähligen Männern, die sie bewundern und Nachrichten hinterlassen auf ihrer Homepage. Zustimmende Briefe. Briefe, in denen Freundschaft zwischen den Zeilen steht. Kei Takeokas Fanseite im Internet zählt immer weiter, gerade besucht sie Nummer 6127. Die 37-jährige Japanerin ist freie Journalistin. Die bekannteste in der Autobranche ihres Heimatlandes. Und wahrscheinlich auch die beliebteste. "Ich bekomme von Lesern Geschenke geschickt." Hermes-Tücher aus feinster Seide, kitschige Hello-Kitty-Amulette, Gutscheine zum Tee-Trinken. Kei Takeoka ist eine erfolgreiche Frau, und das hat nichts Aufgesetztes.

Heute ist Kei in München und blickt mit ihren braunen Augen in den grauen, bewölkten Himmel. In ihrer Heimatstadt Tokio schwitzen die Menschen derzeit bei 32 Grad, während es in Deutschland langsam Herbst wird. Unterschiede zwischen den beiden Ländern lassen sich einfach feststellen. Nicht nur in Temperaturen, sondern viel offensichtlicher: im Geschmack, zum Beispiel im Automobilbau. Da wäre Suzuki. Die stellen in der bayrischen Landeshauptstadt gerade eine Motorvariante des wichtigsten Modells für Deutschland vor. Den Swift Sport. Eine leistungsstärkere Version, die optisch und technisch gut zum Mini Cooper passt. Privat fährt Kei Takeoka so einen englischen Mini in Tokio, weil sie das Design liebt – innen wie außen. Der Nachfolger des aktuellen Cooper kommt in Deutschland wie das Top-Modell Cooper S Ende des Jahres, der Swift Sport (125 PS) erst im Januar. Trennen beide Mini-Mobile Welten?

Ein Dachspoiler drückt den kleinen Suzuki auf die Straße, wenn auch nur optisch. Er steht auf 17-Zoll-Alus, ESP wacht in schnellen Kurven, Sportsitze geben den Frontpassagieren Halt. Die Ausstattungsliste liest sich wie eine Urlaubskarte: voller schöner Dinge. "In Japan fahren junge Menschen lieber Mini-Vans, weil sie mit ihren Freunden die Freizeit verbringen wollen." Freizeit in Japan spielt sich im Auto ab. Meistens im Stau. Deshalb sehnen sich Japaner mehr nach Unterhaltung als nach dicken Motoren. Kein Wunder also, dass im Swift Sport ein Navigationssystem Serie ist. In Pausen bietet es Spiele an: ein Puzzle, "Dayton gewinnt" oder "Reversi", alle drei funktionieren der Sicherheit wegen nur im Stand.

Ein Tacho groß wie eine Pizza

Kei Takeokas privater Mini will nicht mit ihr spielen, zumindest nicht im Stau. Trotzdem liebt die Japanerin ihren europäischen Kleinwagen mit stufenloser Automatik, der in Japan eher eine Kundschaft Ende 30 anspricht. Für Kei hat der Mini die Anziehungskraft einer Röhrenjeans. "Auch in Japan kleiden sich Frauen sehr konservativ, je älter sie werden. Ich möchte jung und frisch bleiben, deshalb fahre ich Mini." Ein Wunsch. Ein Wahn? Auch der Nachfolger des Mini, den wir zu diesem Treffen bereits dabeihaben, trifft voll Keis Nerv. "Es ist beruhigend, dass er sich optisch nur wenig verändert hat. Sonst käme einem der Vorgänger direkt alt vor." Mit dem Altern hat es Kei nicht so, auch nicht bei Autos. In der Pinakothek der Moderne steht sie achselzuckend vor einem Citroën DS, der legendären Göttin. "DS – kenne ich nicht". Woher auch? Schließlich fand die französische Limousine nie den offiziellen Weg nach Japan.

Die zweite Mini-Generation bislang auch noch nicht, denn die sieht sie in München zum ersten Mal. Spontaner Eindruck: Der gewachsene Mittel-Tacho gefällt ihr gut, obwohl er die Größe einer Pizza hat. Auch mit den Kippschaltern für die Innenbeleuchtung am Dachhimmel kommt sie besser klar als mit den bislang verbauten, einfachen Knöpfen. Beim Sitzen stellen sich aber die alten Probleme ein. "Ich muss den Sitz in die höchste Position bringen, die Pedale erreiche ich trotzdem schlecht." Auch das Lenkrad findet Kei zu dick und schwergängig. "Japanische Hände sind eben winzig."

Der Swift fährt eher gegen den Cooper

Deshalb fällt der zierlichen 1,60-Meter-Frau auch die unsportlich hohe Sitzposition im Swift nicht weiter auf. Leichter als im Mini lässt sich das Lederlenkrad bewegen, die Pedale einfacher treten. Beim Wechseln der kurz übersetzten Gänge quält Kei den Kleinwagen mit Gasstößen. Auf der A8 Richtung Salzburg vermisst die Journalistin den sechsten Gang, nicht aber die fehlende Geschwindigkeitsbegrenzung. "Und das alles, ohne Mautgebühr zu zahlen". Die Autobahn besitzt in Japan etwa den gleichen Mythos wie in Deutschland der giftige Kugelfisch Fugu. Probieren möchte man gern, mit dem Leben spielen nicht.

Bei 7000 Touren im Begrenzer: der 1,6-Liter-Vierzylinder im Swift Sport.

Bis zum Begrenzer dreht Kei den 1,6-Benziner (125 PS), der ab etwa 7000 Umdrehungen abregelt – es reicht. Der Wagen fängt bei über 200 km/h an zu stottern, der Motor dröhnt wie eine Stereoanlage mit verstellten Klangreglern. Wo bleibt der Bass? "Ein Alfa klingt besser." Ein Mini auch. "In Japan steht Alfa für Erotik pur." Das Gegenteil davon ist der schwarze Drehknopf im Swift zum Starten des Vierzylinders. Der Knubbel fühlt sich an wie die gelbe Kunststoffblase im Überraschungsei: billig gemacht. Auch der neue Mini startet auf Knopfdruck, allerdings mit einer Taste ohne komplizierten Drehmechanismus. Anschließend erwachen 175 PS im Top-Modell Cooper S, ein Turbolader zwitschert beim Gaswegnehmen. Kein Vergleich zum Swift, in keiner Hinsicht.

Denn der neue Cooper S kostet 21.050 Euro, der Swift Sport voraussichtlich 4000 Euro weniger. Und damit etwa so viel wie ein Cooper, dem eigentlichen Konkurrenten. Gegen den könnte der Swift eine reelle Chance haben. Kei ist mittlerweile wieder in Tokio angekommen. Und freut sich über Besuch unter http://cbbrunch.hp.infoseek.co.jp aus Deutschland.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko: Mit dem Swift Sport erhält der Mini Cooper einen ernsten Konkurrenten. Am Swift gefällt mir das sachliche Interieur, am Mini nach wie vor die niedrige Sitzposition, die einen engen Kontakt zur Straße herstellt. Im Swift Sport hockt man wie im Van – das mag kleineren Menschen wie Kei gefallen, mir ist das zu unsportlich.

Fazit von Kei Takeoka, freie Journalistin aus Tokio: Das Fahrwerk des Suzuki Swift Sport ist deutlich straffer abgestimmt als in Japan. Obwohl die Sitzposition im Swift höher ist als im Mini, muss ich den Sportsitz ganz nach oben pumpen. Die Beschleunigung ist super, Lenkung und Bremse auch. Beim neuen Mini Mk II beruhigt mich, dass er aussieht wie der alte.

Autor: Margret Hucko

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