Kleinwagen-Vergleich

Kleinwagen-Vergleich

— 29.07.2004

Flotte Diesel

Jetzt kommt Bewegung in die kleine Diesel-Szene. Dem Bestseller Peugeot 206 rcken Hyundai Getz und Smart forfour dicht ans Blech.

Fortschritt zum Anfassen

Kleinwagen mit krftigem Diesel: Das kostete bislang immer ein kleines Vermgen. Wie jetzt auch beim neuen Smart forfour (ab 15.850 Euro). Dass es auch anders geht, beweist Hyundai. Deren Diesel-Getz ist fr 13.390 Euro (fnftrig) zu haben. Ein billiges Lockangebot oder echte Aldi-Qualitt? Zum Vergleich der beiden Neulinge baten wir den meistverkauften Diesel dieser Klasse an den Start: den bereits sechs Jahre alten Peugeot 206+ Prmium HDi 90 fr 16.800 Euro.

Als modischer Hingucker glnzt der Smart forfour. Er macht auf den ersten Blick deutlich, wie sich die Kleinwagen vor allem in den letzten zehn Jahren verndert haben: weg vom reinen Lustlos-Kleintransporter mit schlapper Maschine, hin zum erwachsenen Vollwertmodell. In keiner Klasse wurde diese Trendwende sichtbarer als hier.

Fortschritt zum Anfassen. Elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung (teils mit Fernbedienung), Servolenkung (beim Smart sogar elektrisch) sind hufig schon Serie, mindestens aber auf Wunsch zu haben. Lediglich der Koreaner macht seinen Kunden die Entscheidung einfacher: Aufpreis kosten nur Metalliclack, ein elektrisches Faltschiebedach sowie das Klimapaket, das noch einen Pollenfilter enthlt, eine Fernbedienung fr die Zentralverriegelung sowie eine Alarmanlage.

Kraftprotz Smart forfour

Auch der Blick unter die Motorhauben verspricht Vergngen: 60 bis 70 kW (82 bis 95 PS) sorgen fr sehr erwachsene Fahrleistungen. Schwingen wir uns deshalb zuerst in den Kraftprotz dieses Vergleichs, den forfour, der jetzt gerade frisch zum Hndler rollt. 95 PS aus drei turbogeladenen Zylindern lassen bei 1165 Kilo Leergewicht die Tempo-100-Marke schon in 11,1 Sekunden erreichen. Der 1,5-Liter ist recht elastisch beim berholen, im Stadtverkehr will er aber geschaltet werden, mag noch keinen fnften Gang. Der darf erst so ab Tacho 70 eingelegt werden, bei 80 erreicht der Motor mit 1800 Touren bereits sein hchstes Drehmoment von 210 Nm.

Top: Er ist als Einziger sauber nach Euro 4. Einzig ein etwas brummeliges Gerusch erinnert vor allem im Leerlauf daran, dass da vorn ein Dreizylinder arbeitet; bei hheren Drehzahlen gesellt sich das Singen der Ausgleichswelle hinzu. Bis Tacho 190 lsst sich die zittrige Nadel auf dem unbersichtlichen Tacho treiben. Bei den im Halbkreis verteilten Tempozahlen vermissen wir die 50, 100 und 130 rote Striche wrden schon gengen, aber selbst die fehlen.

Doch vor diese Fahr-Erfahrungen hat Smart ein "Autsch!" gesetzt. So hrt es sich an, wenn jemand erstmals die Lenkradhhenverstellung bettigt und sich dabei garantiert die Finger klemmt. Doch aus Schaden wird man ja klug, im Smart dann aber oft erst nach dem Studium der Betriebsanleitung. Scheinwerfer-Hhenverstellung? Ach, die befindet sich im Lichtschalter? Tacho nullen, Uhr einstellen? Oberhalb des Tachos mit zwei winzigen Knpfchen. Huch, ber dem Drehzahlmesser lsst sich ja noch ein Mini-Knopf ertasten. Und die ber 250 Seiten dicke Betriebsanleitung verrt nach langem Blttern: Damit wird die Instrumentenbeleuchtung reguliert. Genial daneben.

Preisknller Hyundai Getz

Solchermaen erleuchtet, wenden wir uns dem Preisknller dieses Trios zu. Hyundai Getz heit er, kommt uerlich bescheiden daher und ist auf Anhieb zu begreifen. Klare Instrumente und Bedienteile, schlichte Ausstattung. Die Kunststoffe allerdings lassen sehen und fhlen, wo der gnstige Preis herkommt.

Den Vortrieb bernimmt im Getz ein 1,5-Liter-Dreizylinder, der es aber "nur" auf 60 kW/82 PS bringt. Aufgrund des lang abgestuften Getriebes will auch er im Stadtverkehr viel geschaltet werden, den fnften Gang mag er erst ab Tacho 80. Recht unspektakulr erreicht er Tempo 175 und bleibt selbst dann noch relativ leise.

Bescheiden war schon immer der Auftritt von Senior Peugeot 206. Jetzt wuchert er erst mal mit seinen Hubraum-Pfunden. Zwei Liter und vier Zylinder sind ein Wort. Nur zwei Ventile je Zylinder, keine Ausgleichswellen aber auch keinen Rufilter. Das wre zu schn gewesen, doch Getz und forfour besitzen ihn schlielich auch nicht. Immerhin bietet ihn Peugeot jetzt fr den starken 109-PS-Diesel im 206 an.

Fahrverhalten und Sicherheit

Beim Einstieg wirkt der kleine 206 immer noch am grten: ppige Frontscheibe, edle Materialien (in Prmium-Version), bequemes Gesthl, klare Instrumente. Der Zweiliter kann im Leerlauf das Selbstznder-Prinzip nicht verleugnen, ist elastisch wie der Smart, dank seines groen Hubraums aber schaltfauler zu fahren.

Schon ab Tempo 50 zieht er (unbeladen) im fnften Gang los, ab Tacho 60 (zirka 1250 Touren) nimmt er willig Gas an, die Nadel wandert zgig bis 190 km/h. Flotter Fahrstil will dann aber auch gefttert werden: Mit 6,2 Litern zeigt sich der 206 von der durstigsten Seite in diesem Vergleich.

Im Fahrverhalten hneln sich die drei Fronttriebler. Recht unspektakulr und weitgehend neutral umrunden sie Kurven. Der Smart bereitet hier den meisten Fahrspa. Seine handlich-direkte Lenkung lsst in Verbindung mit dem straffen Fahrwerk Sportwagen-Gefhl aufkommen. Freaks nennen so was kurvengierig. Unter der Straffheit leidet natrlich der Komfort, aber die jungen forfour-Fans wird das sicher nicht stren. Bei der Sicherheit hrt dann aber der Spa auf: Mit rund 43 Meter Bremsweg aus Tempo 100 zeigt der Peugeot 206, dass er trotz Bremsassistent und elektronischer Bremskraft-Verteilung Schlusslicht ist. Schwacher Trost, dass auch die beiden Konkurrenten mit rund 40 Metern das heute technisch Machbare nicht erreichen.

Kosten und Ausstattung

Immerhin gewinnt der 206 das Kapitel "Sicherheitsausstattung" unter anderem deshalb, weil seine Prmium-Ausstattung bereits so praktische Luxusklasse-Extras wie Regensensor und Licht-Einschaltautomatik bietet.

Whrend der kleine Hyundai in den ersten zwei Kapiteln nicht so richtig punkten kann, holt er bei den Kosten die Keule raus. Sein Preis von 13.390 Euro bringt den Sieg. ber 3000 Euro weniger als der Peugeot 206 sind in dieser Klasse kaum diskutierbar. Da lsst sich die einfachere Ausstattung gut verschmerzen. Was er frs Geld bietet, ist wirklich ein guter Gegenwert. Wer mehr will, der muss auch deutlich mehr bezahlen.

Technische Daten und Testwerte

Mit kalter Anlage schafft der Hyundai den krzesten Bremsweg, warm liegt er gleichauf mit dem Smart. Mit etwa 43 Metern fhrt der Peugeot hoffnungslos hinterher.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz Frher wre es undenkbar gewesen, dass kleine Wagen sich bis hin zur Satelliten-Peilung aufrsten lassen. Heute ist das fast die Regel. Was sich natrlich in den Preisen niederschlgt: Mit Ausnahme des Getz erreichen sie bereits das Niveau der Golf-Klasse. Weil der Koreaner so preiswert ist, gewinnt er diesen Vergleich deutlich. Auch optisch passt er gut in unser Straenbild.

Der Peugeot 206, obwohl schon in die Jahre gekommen, behauptet trotz des hohen Preises den zweiten Platz. Er sammelt ordentlich Punkte dank bester Zuladung, des hubraumstarken Motors und der guten Ausstattung. Der modische Smart forfour ist flatterhaft wie die erste Liebe. Er begeistert zum Teil mit besten Eigenschaften, dann zeigt er extreme (Charakter-)Schwchen. Klar ist trotzdem: Diese Wagen eignen sich perfekt fr Solisten, junge Paare und natrlich auch als Zweitwagen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten fr Hyundai Getz, Peugeot 206 und Smart forfour. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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