Klimaanlagen im Verbrauchstest

Was kostet ein kühler Kopf? Was kostet ein kühler Kopf?

Klimaanlagen im Verbrauchstest

— 25.07.2006

Was kostet ein kühler Kopf?

Eine coole Atmosphäre bezahlen Autofahrer mit deutlich höherem Spritkonsum. Je nach Modell geht er um bis zu 26 Prozent hoch! Dazu: Tipps zur Wartung.

Vier Modelle aus vier Klassen in zwölf Tests

Schwüle. Wie oft musste der Taxi-Fahrer in New York wohl schon die Luft anhalten, wenn seine Gäste auf der Rückbank schwitzten wie in einem Acryl-Pulli? Wenn sie nach Sauerstoff japsten, um Geld zu sparen. Zehn Kilometer vorher hatte er noch mit ihnen gefeilscht. Um einen Dollar oder zwei. Seitdem der Liter Sprit in den USA teurer ist als eine Cola, kostet das Einschalten der Klimaanlage in vielen Taxen extra. Weil die V8-Motoren der Yellow Cabs bei eingeschalteter Aircondition noch mehr saufen als sonst.

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Das gilt nicht nur für hubraumstarke Ford-Taxen in New York, sondern für alle Autos. Mit dem Unterschied, dass wir beim privaten Pkw nicht so genau wissen, wie hoch der Zuschlag wirklich ausfällt, den wir für die Klimaanlage zahlen. Über den Daumen gepeilt, rechneten Experten bislang mit einem Mehrverbrauch von 0,5 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Bis das ARD-Verbrauchermagazin "Plusminus" bei einem Ford Fiesta in der Stadt 5,7 Liter mehr ermittelte. Rummms!

AUTO BILD wollte es genau wissen und rollte vier weitverbreitete Automobile in die Klimakammer des DEKRA in Klettwitz. Auf dem Prüfstand kamen: ein Fiat Panda 1.1 (54 PS), ein VW Golf 1.4 (75 PS), ein Mercedes C 220 CDI (150 PS) und ein Opel Zafira 1.9 CDTI (150 PS). Vier aktuelle Modelle aus vier verschiedenen Klassen, die jeweils zwölf Versuche durchliefen.

Verschiedene Faktoren zählen

Jeder Test dauerte 20 Minuten, gefahren unter Laborbedingungen, mit und ohne Klimaanlage. Bei 20, 28 und 33 Grad Außentemperatur. Geschwindigkeiten: 50 und 100 km/h. Im Wageninneren herrschte bei eingeschalteter Kühlung konstant 20 Grad. Den Fahrtwind simulierte der Prüfstand, die sogenannte Wetterstation regelte die Luftfeuchtigkeit. Alle Scheiben waren geschlossen. Perfekte Bedingungen also, die zu Spritverbräuchen führten, so unfassbar niedrig wie die eines Motorrollers.

Im Alltag schafft das keiner. Trotzdem lässt sich das Ergebnis in die Praxis übertragen. Weil auch hier das Klimasystem den Motor jede Menge Kraft kostet und damit auch Sprit. Am geringsten fiel der Mehrverbrauch mit eingeschalteter Klimaanlage bei konstant Tempo 100 aus. Ausnahme: der Panda. Erklären lässt sich das mit dem kleinen 1,1-Liter Vierzylinder, der bei extremer Anstrengung viel Energie für die Kühlung abgeben muss. Einen 150 PS starken Diesel wie den der C-Klasse belastet das kaum.

Neben der Motorleistung spielen Fahrzeuggröße und Funktionsweise der Kühl-Systeme eine Rolle. Opel Zafira und Fiat Panda arbeiten nach dem sogenannten Reheat-Prinzip, übersetzt: Wiedererhitzungs-System. Die Luft wird zunächst runtergekühlt, um sie dann neu aufzuheizen. Energieverschwendung, die sich auch in Zahlen niederschlägt. Der Zafira konsumiert in der Stadt bei laufender Klimaanlage annähernd 26 Prozent mehr. Was natürlich auch an seinem großen Innenraum liegt, schließlich läßt sich ein Ballsaal schwerer lüften als eine Abstellkammer.

Auch der Golf funktioniert nach diesem Prinzip, setzt aber zusätzlich einen geregelten Kompressor ein, der die Luft nicht ständig bis zum Tiefpunkt kühlt. Ähnlich funktioniert die Klimaautomatik im Mercedes, nur noch variabler. Wählt der Fahrer Zimmertemperatur, dann läuft der C-Klasse-Kompressor mit verringerter Verdichtung und somit deutlich leichter. Und, nicht zu vergessen: sparsamer. Die Taxifahrer in New York sollten doch einfach die Marke ihres Vertrauens wechseln.

Fazit und Übersicht Mehrverbrauch

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko: "Ein kühler Kopf kostet, das war uns von Anfang an klar. Dass der Spritverbrauch bei laufender Klimaanlage um bis zu 26 Prozent steigt, das überrascht selbst uns. Und widerlegt nebenbei die Pi-mal-Daumen-Formel von etwa 0,5 Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilometer. Daraus können im Stadtverkehr auch zwei und noch mehr Liter werden. Tipp: Auf kurzen Strecken Fenster auf, das reicht. Trotzdem wäre es falsch, die Klimaanlage generell auszuschalten. Mit steigender Innenraumtemperatur klettert auch das Risiko, einen Unfall zu bauen. Und die eigene Sicherheit sollte uns auf jeden Fall etwas Sprit wert sein.

Versagen durch Kühlmittel-Verlust

Jeder will gutes Klima. Auch im Auto. Rund 80 Prozent aller Mittelklasse-Autos und sechs von zehn Kleinwagen fahren mit Aircondition an Bord. Und wer sie nicht serienmäßig ab Werk bekommt, kauft sie gern als Extra dazu. Doch viele der unsichtbaren Helfer laufen nur noch mit halber Kraft oder stinken zum Auto-Himmel. Denn sie sind nicht ganz dicht.

Grund: Auto-Klimaanlagen arbeiten wie Kühlschränke. Doch sind bei der Kühlung im Auto die Bauteile beweglich aufgehängt und mit flexiblen Leitungen verbunden. Durch winzige Löcher und die Dichtungen entweicht ständig unbemerkt Kühlmittel. Fünf bis zehn Prozent pro Auto im Jahr. 1200 Tonnen jährlich allein bei uns. Die Folge außer Umweltschäden: Erst kühlen die Geräte schlecht, dann stellen sie den Dienst ein.

Wie beim AUTO BILD-Test 2002 ignorieren noch immer einige Autohersteller das Problem, drücken sich weiter um die Klima-Inspektion. "Eine Wartung ist nicht nötig", heißt es etwa bei BMW. VW und Audi reden sich mit der sogenannten "Lifetime-Befüllung" heraus. Zwar prüfen mehr Hersteller als vor vier Jahren die Klimaanlage während der Inspektion, aber außer An- und Ausschalten passiert dabei oft nicht viel.

Dabei dauert ein Klima-Check nur 20 Minuten. Macht rund 20 Euro mehr pro Inspektion. Das ist tragbar im Vergleich zu einer teuren Reparatur. Die schlägt schon mal leicht mit 1500 bis 2000 Euro zu Buche. Warum also die Weigerung? Unser Verdacht: Die Autobauer wollen Kosten für Testgeräte und Mitarbeiter-Schulungen sparen. Zu Lasten der Kunden und der Umwelt.

So viel Wartung muss sein

Damit die Klimaanlage möglichst lange hält, sollten Sie einige Grundregeln beachten: • Wartung: alle zwei Jahre, bei Neuwagen nach drei bis vier Jahren. Und: Klimaanlage ganzjährig betreiben. • Defekte: Ist die Anlage kaputt und die Vertragswerkstatt nicht in der Lage zu helfen, auf zum Spezialisten (www.behr.de, www.delphi.com, www.valeo.de, www.waeco.de).

• Ältere Klimaanlagen, Baujahr vor 1992, mindestens einmal pro Monat zehn Minuten laufen lassen. Das schmiert Dichtungen und Kompressor, sie bleiben dicht. • Gerüche entstehen vor allem, wenn die Klimaanlage nur selten läuft. Verdampfer und Kompressor werden nicht abgespült und gereinigt. Pilze und Bakterien machen sich breit. Abhilfe: Klimaanlage eine Stunde lang laufen lassen, fünf Minuten vor Ende jeder Fahrt abschalten. Dann trocknet der Verdampfer ab. Stinkt es trotzdem weiter, Verdampfer in der Werkstatt reinigen lassen.

• Gebrauchtwagen mit Klimaanlagen: Beim Kauf fragen, ob die Kühlung regelmäßig in Betrieb war. Wenn nicht, kann das Einschalten der Anlage wegen zuwenig Kühlmittel und fehlender Kompressorschmierung das Aus bedeuten.

Autoren: Stefan Szych, Margret Hucko

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