Klimadebatte

Autobosse widersprechen Köhlers Kritik

Klimadebatte

— 05.03.2007

Autobosse widersprechen Köhler

Martin Winterkorn und Wendelin Wiedeking haben die Industrie gegen die Kritik des Bundespräsidenten in Schutz genommen.

VW-Chef Martin Winterkorn hat die jüngste Kritik von Bundespräsident Horst Köhler an der deutschen Autoindustrie zurückgewiesen. "Politiker kritisieren gern andere. Für uns verbietet es sich aber meist, mit gleicher Schärfe zurückzuschießen", sagte Winterkorn dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Denn Politiker zählen zu unseren besten Kunden. Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle." Köhler hatte in der Debatte um den Klimaschutz der deutschen Autoindustrie Versäumnisse vorgeworfen. Es stehe trotz aller großen Erfolge der Automobilindustrie fest, dass sie "mit Blick auf die ökologische Entwicklung dieser Erde kein Ruhmesblatt geschrieben hat", hatte der Bundespräsident gesagt.

Scharfe Vorwürfe richtete Winterkorn auch an die EU-Kommission. "Die Europäische Kommission war drauf und dran, die Zukunft einer ganzen Industrie zu gefährden", sagte er dem Nachrichtenmagazin. Wenn sich deren ursprüngliche Pläne durchgesetzt hätten und der Durchschnittsausstoß von Kohlendioxid ab 2012 bei 120 Gramm liegen würde, "dann gäbe es bald keine großen Autos mehr, keinen Audi A8, keine Mercedes S-Klasse und keinen BMW 7er". Profitieren würden die Produzenten aus Italien und Frankreich, die fast nur noch Kleinwagen anbieten. "Da betreiben einige knallharte Industriepolitik zu Lasten Deutschlands."

Porsche-Chef Wiedeking erklärte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", keiner seiner Kunden müsse sich dafür entschuldigen, dass er einen Porsche fahre. Wie Winterkorn sprach sich auch der Porsche-Chef gegen einheitliche Grenzwerte von 130 Gramm CO2 für alle Modelle aus: "Diesen Wert wird Porsche, wie auch andere Oberklasse-Hersteller, niemals erreichen. Würden die 130 Gramm generell für jeden Hersteller Pflicht, könnten wir die Produktion einstellen und unsere Werkstore schließen." Deutsche Hersteller könnten dann allenfalls Kleinwagen produzieren, warnte Wiedeking und fügte an: "Die Trabi-Dominanz hatten wir doch schon einmal in einem Teil Deutschlands; der Sozialismus würde dann auf unseren Straßen wieder fröhliche Urständ feiern."

Wiedeking: "Kein Porschefahrer muss sich entschuldigen."

Porsche erfülle weltweit alle Umweltgesetze, bekräftigte Wiedeking. "Schon im nächsten Jahr werden wir vorzeitig die erst ab September 2009 geltenden EU-5-Emissionsgrenzwerte erfüllen und damit auch gleichzeitig die EU 6-Standards, die erst am 1. September 2014 in Kraft treten." Auch beim Biosprit sei Porsche am Puls der Zeit, sagte Wiedeking. In scharfen Worten kritisierte er außerdem die Grünen-Politikerin Renate Künast, die zum Kauf von Toyota-Hybridautos aufgerufen hatte. "Schlauer wäre es gewesen, Frau Künast hätte für den VW Polo Blue Motion geworben, der ist noch sauberer als der Hybrid von Toyota. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß der VW-Modelle liegt unter dem der Toyota-Flotte."

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