Le Mans 2016: Die besten Bilder

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Kolumne aus Le Mans: Toyotas Aus

— 20.06.2016

Brutalster Motorsport

Für Toyota nahmen die 24h von Le Mans 2016 ein bitteres Ende: ABMS-Reporterin Bianca Garloff schildert in ihrer Kolumne, wie sie das Ausfalldrama erlebte.

Eine Garage voller weinender Männer: Mechaniker schluchzen hemmungslos. Fahrer Anthony Davidson sitzt zusammengekauert in einer Ecke. Selbst die Konkurrenz hat Tränen in den Augen. „Das ist so brutal und nur schwer zu verdauen“, sagt Audis Sportchef Wolfgang Ulrich, nachdem er Toyota-Berater Hugues de Chaunac in die Arme genommen hat. Noch nicht einmal Porsche-Motorsportchef Fritz Enzinger will sich über seinen Sieg freuen.
So liefen die 24h von Le Mans 2016: Porsche siegt erneut

Die Zuschauer konnten das Drama kaum glauben

Motorsport kann brutal sein. Da führt der Toyota mit der Startnummer fünf überlegen nach 23 Stunden und fast 58 Minuten und fährt dem ersten Sieg der Japaner bei den 24 Stunden von Le Mans entgegen. Dann plötzlich funkt Fahrer Kazuki Nakajima: „No power, no power!“ Zunächst denken sie bei Toyota, dass der Pilot sie auf den Arm nehmen will. Doch weit gefehlt. Ausgerechnet gegenüber der Garage kommt der Toyota mit Motorschaden zum Stehen.

Stille. Im Pressezentrum. In der Boxengasse. Am Toyota-Kommandostand. Keiner kann glauben, was da gerade passiert. Nur in der Porsche-Box lassen Marc Lieb und Romain Dumas, die neuen Sieger der 84. Auflage der 24 Stunden von Le Mans, ihren Emotionen freien Lauf.

Schluss-Pilot Nakajima musste getröstet werden

Für mich war es die brutalste Motorsportentscheidung meiner Karriere als Reporterin. Seit 12 Jahren reise ich von Rennstrecke zu Rennstrecke. Bislang habe ich erst einmal erlebt, wie Freude in Trauer umschlug. Als Felipe Massa 2008 in Brasilien 600 Meter lang Weltmeister war, habe ich mit ihm mitgefühlt. Doch dieser Tiefschlag gestern in Le Mans traf das Team von Toyota gefühlt noch härter.

Zweimal schon (1998 und 2014) sind die Japaner in Führung liegend ausgefallen. Dieses Jahr kamen sie mit einem völlig neu aufgebauten Auto nach Le Mans. Der VG6-Biturbo-Hybrid absolvierte erst im Oktober letzten Jahres seinen ersten Prüfstandstest. Die Blamage des Vorjahres galt es auszubügeln.

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Und alles lief perfekt. Während Porsche und Audi sich gegenseitig an die Grenze ihrer Zuverlässigkeit getrieben hatten, schnurrte der TS050 Hybrid wie ein Uhrwerk durch Le Mans. Er führte, als ich am Samstagabend ins Bett ging. Und er führte immer noch, als ich morgens den Fernseher in meinem Hotelzimmer anknipste. Für mich war klar, wer hier gewinnt.

Die Freude über Platz des zweiten Autos war verhalten

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, versuchte Technikchef Pascal Vasselon, der schon in der Formel 1 dem Sieg vergeblich hinterher entwickelte, gar nicht erst seine Gefühle in Worte zu fassen. „Seit dem Moment, als unser Auto vor der Boxenmauer zum Stehen kam, habe ich keine weitere Erinnerung mehr. Wir hatten Kazuki gerade gesagt, dass er das Auto langsam nach Hause tragen soll, da passierte es.“

Okay, ich gebe zu: Ein 24-Stunden-Rennen heißt so, weil die Autos 24 Stunden durchhalten müssen. Immer am Limit. Der Toyota hat es eben nicht geschafft.  Punkt, Aus. Der Porsche mit Marc Lieb, Neel Jani und Romain Dumas am Steuer fuhr ein ebenso starkes Rennen - wenn bis 14.58 Uhr auch nicht ganz so schnell.

Das wirklich Brutale am gestrigen Tag aber war, dass Nakajima den Toyota wieder zum Laufen brachte. Nur mit Elektropower fuhr er die fehlende 384. Runde zu Ende. Aber: Er war zu langsam. Gewertet wird nur, wer den letzten Umlauf in unter sechs Minuten schafft. Ein Relikt aus der Zeit der Audi-Dominanz, als der Sieger gestrandete Fahrer Huckepack nahm. Das sollte unterbunden werden.

Allein: Verhindert wurde nun, dass die Piloten des Tragik-Toyota auf dem Podest standen. Zumindest das hätten sie verdient gehabt. Auch wenn es nur ein kleiner Trost gewesen wäre.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Getty Images

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