Lärm macht krank. Erwiesenermaßen. 65 Dezibel (dB) an den Ohren genügen auf Dauer, um den Menschen zügig in den Herzinfarkt zu treiben. Unsere Autos schaffen das spielend. Der neue Dacia Duster etwa dröhnt mit immerhin 75 dB über die Autobahn. Ein Audi A8 dagegen begnügt sich mit 66 dB. Gefühlt ist das nur halb so laut. Gefährdet sind besonders die Fondpassagiere, denn hinten lärmt es meist noch mehr als vorn. Wir haben die Geräuschpegel deshalb auf beiden Sitzen gemessen. Doch der Pegel ist eine Sache, der Geräuscheindruck oft eine ganz andere. Einzelne Lärmquellen, der zischende Fahrtwind etwa oder das Rumpeln der Räder, können enorm stören, auch wenn sie objektiv gar nicht so laut sind. So erleben wir’s im Audi: Er zeigt den niedrigsten Innengeräuschpegel, aber die Abrollgeräusche treten in den Vordergrund – nicht störend, aber auffällig.
Deshalb fühlen wir uns im Mercedes S 600, der ohne prominente Einzelgeräusche dahinflüstert, entspannter, obgleich die Messwerte dagegen sprechen. Ein BMW X5, gemessen lauter als der 5er, wirkt im Fond deutlich angenehmer, weil hinten die Reifen nicht so wummern und die Achsen weniger poltern. Solche tieffrequenten Töne, hochfrequentes Pfeifen oder Nageln erfasst das Messgerät weniger stark, als es der Mensch empfindet. Auch nicht zu vergessen: Die Geräuschwerte wurden bei konstanter Fahrt ermittelt (bei 50, 100 und 160 km/h). Da ist die Welt meist noch in Ordnung. Aber gibt man etwa dem Citroën C5 die Sporen, dann ist es vorbei mit der Ruhe. Beim Hochdrehen dröhnt er, dass einem die Augen flackern. Und im Fond stehen die Ohren der Mitfahrer ohnehin unter Dauerfeuer. Dass seine Urgroßmutter, die DS, das Messgerät viel mehr beansprucht, kann nicht überraschen. Eher, dass ihr Rauschen auf hohem Pegel weniger nervt, als es die Zahlen erwarten lassen.

Im Familien-Van Opel Meriva herrscht ein hoher Geräuschpegel

Als Störenfried entpuppt sich neben dem Dacia vor allem der Opel Meriva. Auch hier liegt es am Motor, dass keine Ruhe einkehren will. Beim Gasgeben krakeelt vorn der Vierzylinder, und auf schlechten Straßen poltert hinten die Achse, während durch die Dichtungen der Heckklappe jede Menge Fahrgeräusche dringen. Ein VW Golf schont das Gehör schon eher. Gemessen ist er vorn kaum lauter als etwa ein BMW X5, auf den Rücksitzen stören freilich verstärkt die Abroll- und Windgeräusche. Ein Genuss dagegen der nur 1,4 Liter große TSI-Motor im Golf, der selbst unter Stress akustisch dezent bleibt. Der dieselbefeuerte VW Sharan kann in diesem Punkt nicht mithalten. Grundsätzlich dringen hier mehr Geräusche nach innen, hauptsächlich durch den Fahrtwind. Hinten rauscht es zudem an den Schiebetüren. Kein lautes Auto, diese Familienpackung, aber auch kein Leisetreter.

Fazit

von Wolfgang König
Auf den Lärmpegel kommt es an, aber auch auf die Qualität des Geräuschs. Rauschen ist angenehmer als Dröhnen, ein einsames Pfeifen kann einem den Nerv töten. Den Stand der Technik demonstrieren Audi und Mercedes. Aber unterhalb der Luxusklasse gibt es noch immer zu viel auf die Ohren.