Tomas Hirschberger im Daihatsu Deca Deca

Kommentar zur Tokyo Motor Show 2009

— 23.10.2009

Spontan unspontan

AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger hat auf der Tokyo Motor Show 2009 die Spontaneität der Japaner kennengelernt. Ein Kulturschock der besonderen Art. Der aktuelle Kommentar aus Tokio!

Dem Japaner an sich ist Spontaneität fremd. Er mag sie nicht. Sie macht ihm Angst. Worauf er nicht vorbereitet ist, das findet nicht statt. Basta. So ist das hier. Reine Erziehungssache. Der kann nicht anders, der Japaner. Gestern Abend vor Eröffnung der Tokyo Motor Show zum Beispiel wollten wir an der Hotelbar – ganz spontan – schnell noch einen Absacker nehmen. Der riesige, schummrige Raum im 22. Stock des Westin Tokyo war eher leer als voll. Ich meine, da war wirklich Platz. Ein paar Versprengte, die nicht schlafen konnten, sonst tote Hose. Und was fragt uns der Ober? Ob wir reserviert hätten? Um kurz vor Zwölf. Kann man ja mal fragen. Nein haben wir nicht. Jetzt hatte er ein Problem, der gute Mann. Wohin mit den zehn Langnasen, wo doch nur geschätzte 50 freie Plätze da waren. Wir setzten uns einfach hin und ich nahm mir einen Stuhl von der Bar. Fehler! Böser Fehler. Blöder Deutscher. Barstühle gehören an die Bar, nicht an die Bartische. Hätt ich wissen müssen. Barstühle an die Bar, Loungsessel an die Bartische.

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Heute dann wieder so ein dummer Anfängerfehler von mir. Ein Foto am Land Glider, an dieser witzigen Nissan-Studie, das würde gut in unsere Geschichte passen. Geht ganz schnell. Zehn Sekunden und wir sind wieder weg. Von wegen. Zehn Sekunden in Frankfurt, okay, in Detroit, vielleicht auch in Genf – nicht aber in Tokio. Denn, das war ja nicht geplant. Das fällt unter spontane Idee. Und das ... ja man ahnt es schon, das mag der Japaner gar nicht. Also, als ich gerade keiner Schuld bewusst, leichten Fußes zur Studie gehe, hält mich eine kleine Hand fest. An diesem weiblichen Mini-Greifer hängen 1,50 resolute Japan-Meter mit einer Frisur oben drauf, die sie bei uns zuhause als Wischmopp verkaufen. Das ginge ja nun gar nicht. Ob ich reserviert hätte? Wie reserviert? Ein Foto und wir sind wieder weg. No big deal. Solly Mistel und noch mal sorry – da müsse Mrs. Wischmopp erstmal bei ihrem Chef nachfragen, was da geht und ob da überhaupt was geht.

Zum Messerundgang Tokyo Motor Show

Ich solle mich jetzt mal nicht vom Fleck rühren, gerade so, als hätte ich gerade den Rückspiegel vom Glider abgerupft und in der Hosentasche verschwinden lassen. Nun kommt es, wie es kommen muss: Der Boss von Mrs. Wischmopp entpuppt sich a) als völlig humorlos und b) für Spontanität jeglicher Art nicht zu haben. Es täte Wischmopp-Boss furchtbar leid, aber heute geht da rein gar nichts mehr. Kein Foto, keine Glider-Story, nichts zu machen. Morgen, so um 11:45 Uhr, da wäre noch ein Slot frei. Großzügiges Angebot. Aber leider muss ich es ablehnen. Denn da sitze ich bereits im Flieger nach Hause. Also gehe ich rüber zu Daihatsu und mache mein Foto in so 'nem modernen Wohnkasten auf Rädern. Ganz spontan. Das mag ich.

Autor: Tomas Hirschberger

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