Kompakte CO2-Zwerge im Test

Golf GT 1.4 TSI – A3 Sportback 1.8 TFSI – BMW 120i Golf GT 1.4 TSI – A3 Sportback 1.8 TFSI – BMW 120i

Kompakte CO2-Zwerge im Test

— 11.06.2007

Sparen mit Spaß

Das CO2 muss runter – da sind sich alle einig. Aber der Fahrspaß soll bitte bleiben. Audi A3, BMW 1er und VW Golf stellen sich dieser schwierigen Aufgabe. Drei sparsame Spaßmacher im AUTO BILD-Vergleich.

Der Weg ist das Ziel. Klingt klug, bringt uns im realen Leben aber nicht wirklich weiter. Denn selbst wenn das Ziel immer das gleiche bleibt, gibt es meist mehr als einen Weg, es zu erreichen. Bestes Beispiel: das Bemühen der Automobilbauer um sauberen Fahrspaß, also minimalen CO2-Ausstoß bei maximalem Vergnügen. In der Kompaktklasse schickte VW schon Ende 2005 den Golf GT auf Geiz-ist-geil-Tour. Sein Rezept: bescheidene 1,4 Liter Hubraum, dank Kompressor und Turbolader aber mit munteren 170 PS. So soll uns der Bestseller sparsam, aber nicht spaßarm durchs Land chauffieren. VW verspricht dabei einen CO2-Ausstoß von 174 g/km.

Dreimal Fahrspaß mit gutem Öko-Gewissen: Audi A3, BMW 1er und VW Golf.

BMW legt die Schadstoff-Latte noch deutlich tiefer. Der gerade frisch frisierte und ebenfalls 170 PS starke 120i soll pro Kilometer nur 152 Gramm CO2 in die Umwelt pusten. Die Mittel hierfür: volle zwei Liter Hubraum ohne Zwangsbeatmung, dafür aber viele schlaue Sparideen. Audi wählt den – vielleicht goldenen – Mittelweg. Wie ihre Mitstreiter vertrauen auch die Ingolstädter auf moderne Benzindirekteinspritzung, dazu abgespeckte 1,8 Liter Hubraum plus Turbolader. Ergibt im A3 hellwache 160 PS, zusammen mit dem optimierten Lader und einer neuen Motorelektronik soll der Audi so auf 176 g CO2/km kommen. Soweit die blumenreichen Öko-Versprechen der Hersteller, die aber erst mal graue Theorie sind. Welches Spar-&-Spaß-Konzept sich tatsächlich als Königsweg herausstellt, klärt dieser Vergleich.

Karosserie: Audi A3 und 1er fehlt es an innerer Größe

Innen nicht zu schlagen: Der Golf bietet mehr Platz als die Konkurrenz.

Mit Golf, A3 und 1er treffen sich hier drei gute alte Bekannte, Überraschungen bleiben entsprechend aus. Obwohl auf der gleichen Basis aufbauend wie der Golf, bietet der A3 deutlich weniger Platz als der Kompaktkönig aus Wolfsburg. Vorn, hinten, im Kofferraum – überall gibt es im VW ein paar Handbreit mehr Luft. Sein Trick: Er überragt A3 und 120i in der Höhe um jeweils sechs Zentimeter – und das kann man spüren. Die Piloten genießen die perfekte Sitzposition auf angenehm ausgeformten Sportpolstern. In der zweiten Reihe bleibt immer noch genug Freiraum, um tatsächlich zu viert auf Wochenendtour zu gehen. Der Audi wird im direkten Vergleich zwar nicht gleich zum kneifenden Knauserer. Familien werden mit dem schicken und fein eingerichteten Ringkämpfer aber nicht so richtig glücklich. Besonders das nach hinten abfallende Dach bereitet Kopfschmerzen: Einerseits sieht der Sportback wirklich wie ein Lifestyle-Laster vom Designer aus, andererseits stoßen groß gewachsene Passagiere schnell mal an den Dachhimmel. Von einem Fünftürer erwarten wir mehr Großzügigkeit.

Gleiches gilt für den BMW 1er, der auch als Fünftürer eindeutig ein Fall für zwei bleibt. Das routiniert verarbeitete und wertige Cockpit sowie die sportlichen Sitze gehen ja ohne weitere Diskussion als körpernah geschnitten und perfekt passend durch. Im Fond ist trotz des größeren Radstands von 2,66 Metern (acht Zentimeter mehr als VW und Audi) aber definitiv Schluss mit lustig. Sowohl den Schwiegereltern als auch dem kindersitzgebundenen Nachwuchs fehlt es an Beinraum. Nimmt vorn ein großer Chauffeur Platz, gibt es hinten Aua. Und der dritte Platz auf der Rückbank erweist sich auch eher als theoretische Größe.

Antrieb/Fahrwerk: Der Golf hat das beste Konzept

Kräftig: Der 1.8 TFSI hinterlässt im Audi A3 einen guten Eindruck.

Was in Le Mans erfolgreich war, kann auf der Straße nicht so schlecht sein. Also schickte uns Audi im September 2004 den 2.0 TFSI, der wie seine Renn-Vorbilder moderne Benzindirekteinspritzung mit klassischer Turbobeatmung kombiniert. Inzwischen reicht das Leistungsspektrum von 170 bis 265 PS im S3. Doch der Markt verlangt im Moment weniger nach Granaten wie dem S3, sondern eher nach Sparmobilen mit Spaßgarantie. Eine Lücke, die der neue 1.8 TFSI mit 160 PS schließen soll. In unserem knallroten A3 Sportback hinterlässt der Vierzylinder einen putzmunteren Eindruck. Mit dezent sportlichem Unterton, dank zweier Ausgleichswellen aber alles andere als krawallig klingend, erwacht der Vierventiler zum Leben und bittet uns zur Ausfahrt. Leicht und exakt rastet der erste Gang ein, ein forsches Laderpfeifen begleitet den Start. Nach 8,5 Sekunden liegt Tempo 100 an. Nicht schlecht, der 1er kommt kaum schneller aus der Startaufstellung.

Zwei wollen Super Plus

Allerdings grummelt der A3 bei untertouriger Fahrweise schon mal etwas lustlos durch den Drehzahlkeller. Nicht schlimm, im Vergleich zum Golf aber doch spürbar. Genau wie das recht ungestüme Ansprechen auf Querfugen – als "Ambition" mit 17-Zoll-Rädern und Sportfahrwerk tut der A3 hier niemandem einen Gefallen. Zur Versöhnung belohnt uns der Graugussmotor mit Drehfreude bis an den Begrenzer. Oben raus hinterlässt der 1.8 TFSI einen aufgeweckten Eindruck und verführt seinen Piloten öfter mal zum leicht verspäteten Hochschalten. Die Quittung für solche Drehorgien und das spritzige Temperament erhalten A3-Fahrer dann an der Tankstelle. Mit 8,8 Litern mutiert der 1.8 TFSI wahrlich nicht zum Säufer, die Kollegen können es aber eben doch sparsamer. Der Golf ein wenig, der 1er sogar recht deutlich.

Spart mit pfiffigen Tricks: BMW 120i.

Als Trost bleibt uns aber, dass nur der Audi sich mit Super begnügt – VW und BMW wollen für die volle Leistung schon mit Super plus gefüttert werden. Der 120i lässt den edlen Kraftstoff dafür wirklich wohldosiert durch seine Piezo-Injektoren rauschen. Die bayerischen Motoren-Werker haben ihren Zweiliter-Sauger mit vielen raffinierten Details tatsächlich zum Sparen erzogen. An der Ampel stellt der Motor im Leerlauf automatisch die Arbeit ein, um sie beim Treten des Kupplungspedals spontan wieder aufzunehmen. Funktioniert prächtig und fällt nach kurzer Eingewöhnung eigentlich gar nicht mehr auf. Dazu noch abschaltbare Nebenaggregate, verschließbare Luftklappen vor dem Kühler, Leichtlaufreifen, Schaltanzeige, Bremsenergie-Rückgewinnung und natürlich die Direkteinspritzung mit bis zu 200 Bar – alles zusammen ergibt einen beeindruckenden Testverbrauch von 7,7 Litern pro 100 Kilometer.

Hinterradantrieb macht den Spar-Spaß am BMW perfekt

Wer den 120i jetzt für einen zahnlosen Öko-Tiger hält, kann aufatmen. Die 170 PS aus München können verdammt gut mithalten. Zwar wirkt der Zweiliter insgesamt gehemmter als der VW, beschleunigt auch schlechter und verfehlt seine Werksangabe um 0,6 Sekunden – dennoch kommt kaum Langeweile auf. Leicht knurrig schiebt der 1er gleichmäßig kraftvoll an und gibt uns nie das Gefühl des Leistungsmangels. Hinterradantrieb und direkte Lenkung machen den Spaß am Gas perfekt.

Aus 1,4 Litern zaubert der Golf GT mehr als ordentliche Fahrleistungen.

Der Golf begeistert nach dem Motto "Klein, aber oho". Was die Wolfsburger aus 1,4 Liter Hubraum zaubern, beeindruckt immer wieder. Die 170 PS beißen vom Start weg mächtig zu, verschaffen dem GT die besten Sprintwerte und lassen sich auch bei der Elastizität nicht lumpen. Das Kompressor-Turbo-Duo verleiht dem 1.4 TSI Kraft in jeder Lebenslage, glänzt mit spontanen Reaktionen und setzt auch noch die Bestmarke beim Minimalverbrauch. Mit dem entsprechenden Gefühl im rechten Fuß schaffen Golf-GT-Fahrer locker eine Fünf vor dem Komma – selbst der BMW braucht auf Schleichfahrt einen halben Liter mehr. Für Golfer echt entspannend. Genau wie der trotz 17-Zoll-Bereifung noch ordentliche Komfort und das souveräne Handling.

Kosten: VW bietet das größte Sparpotenzial

Die Wolfsburger sehen sich in diesem Vergleich in einer eher ungewohnten Rolle. Anders als beim Kampf mit Ford, Opel und anderen Massenherstellern stellen sie im Vergleich mit den Premiumanbietern Audi und BMW plötzlich das günstigste Angebot auf die Räder. Für 24.031 Euro fährt der Golf GT 1.4 TSI vor – und das auch noch mit der besten Ausstattung. Sogar eine Klimaanlage sorgt dann schon für unser Wohlbefinden. Für den ebenfalls nett eingerichteten BMW 120i, der als Einziger ein Radio ohne Aufpreis besitzt, müssen immerhin schon 25.850 Euro überwiesen werden. Viel Geld für die Freude am Fahren und für den in dieser Klasse exklusiven Hinterradantrieb. Für den A3 Sportback 1.8 TFSI, der als schickes, im Vergleich aber am schlechtesten ausgestattetes Ambition-Modell vorfährt, verlangt Audi noch mal 300 Euro mehr. Stattliche 26.150 Euro stehen auf seinem Preisschild.

Audi glänzt mit dem besten Wiederverkaufswert

Auch sonst scheint Audi den Schwerpunkt etwas mehr auf den Spaß als aufs Sparen zu legen. Zwar reicht dem 1.8 TFSI als Einzigem in diesem Vergleich Super-Benzin, davon laufen alle 100 Kilometer aber 8,8 Liter durch die Einspritzdüsen. Mehr als bei 1er und Golf. Und umgerechnet immerhin 209 Gramm CO2/km. Im Testmix mit Stadtverkehr, Landstraße und Autobahn (teilweise Vollgas) kann der Golf diesen Wert kaum unterbieten. Pro Kilometer pustet der TSI 203 Gramm CO2 in die Umwelt. Dafür bleibt dem Fahrer bei VW aber die größte Einflussmöglichkeit auf Verbrauch und Schadstoffausstoß. Bei unserer Sparfahrt ließen sich durch behutsamen Umgang mit dem Gaspedal mal eben 2,6 Liter pro 100 Kilometer einsparen – das entspricht immerhin gut 30 Prozent, reduziert die CO2-Emission bis auf 141 g/km.

Gleichauf: Die drei Kompakten verursachen sehr ähnliche Kosten.

Einen derartigen Minimalverbrauch schafft nicht mal der 120i, der mit wirklich schlauen Spartricks vollgestopft ist. Dafür schaffen Start-Stop-Automatik und Co aber den günstigsten Alltagsverbrauch, und die CO2-Belastung liegt auch ohne jegliche Sparambition seitens des Fahrers bei 183 g/km. Ansonsten verursachen die drei Kompakten sehr ähnliche Kosten, die Unterschiede fallen vergleichsweise gering aus. Der BMW-Fahrer zahlt bei den Versicherern etwas mehr und bietet nur fünf Jahre Mobilitätsgarantie (Audi/VW unbegrenzt), der Golf spart wegen des kleineren Hubraums ein wenig Steuer und hat die günstigsten Aufpreise, Audi glänzt nach der Prognose unserer Experten von Bähr & Fess mit dem besten Wiederverkauf. Einigkeit herrscht bei den drei Kandidaten in puncto Wartung. Die Werkstatt ruft entweder nach Anzeige im Display oder spätestens alle zwei Jahre zum Check.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Der neue 1.8 TFSI von Audi erweist sich als tolles Triebwerk – gegen den beinahe schon genialen 1.4 TSI von VW kann er sich aber nicht durchsetzen. Der Golf GT ist geräumig, schnell, bei entsprechender Fahrweise sparsamer als seine Mitstreiter und auch noch der Günstigste. Der BMW 120i bietet viel pfiffige Sparideen, aber leider zu wenig Platz.

Autor: Gerald Czajka

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