Diesel-Kombis im Vergleich

Renault Mégane Grandtour, Toyota Corolla Combi, Opel Astra Caravan Renault Mégane Grandtour, Toyota Corolla Combi, Opel Astra Caravan

Kompakte Diesel-Kombis im Vergleich

— 08.11.2004

Die richtige Kombination

Opel will mit dem neuen Astra Caravan wieder an die Spitze der Kompakt-Kombis fahren. Können Renault und Toyota ihn stoppen?

Dieselmotor und Kombiheck – das paßt

Kurzarmhemd mit Krawatte. Im Sinne des Kleider-Knigge genauso verwerflich wie weiße Socken zu Nadelstreifen. Schlicht die falsche Kombination. Ganz im Gegensatz zu Kompakten mit sparsamen Dieselmotoren. Das paßt einfach. Am besten kombiniert mit einem Kombiheck. Egal ob Familie oder Freizeit, ob die Tischkreissäge vom Baumarkt, das Zweier-Sofa von Ikea oder die Torfballen aus dem Gartencenter – Kombis können vom Einladen selten genug kriegen.

Gilt das auch für den neuen Astra Caravan? Seine Vorgänger waren ja über Jahre die beliebtesten Kompakt-Kombis im Lande. Der Opel trifft im ersten Vergleich auf den Renault Mégane Grandtour. Ein Meister seines Fachs mit riesigem Schlund. Allerdings haben sich die Franzosen nicht wirklich Mühe im Detail gegeben. Von einem Kombi verlange ich einen waagerechten Ladeboden. Die vorgeklappten Lehnen im Mégane liegen aber leicht schräge, bilden zudem noch eine kleine Stufe. Die stört, wenn mal schwere Gegenstände hineingeschoben werden sollen.

Wie es besser geht, zeigt der Astra. Hier ist der Boden eben wie ein Tisch. Doch auch nicht perfekt. Erstens müssen die Kopfstützen vorher herausgezogen werden, und zweitens läßt sich die Lehne mit einer Hand nicht wieder hochstellen, ohne sie sich einzuklemmen.

Astra Caravan glänzt bei der Zuladung

Auch der Dritte im Kombi-Bunde, der Toyota Corolla, fährt ganz hinten keine Bestnoten ein. Grund eins: Sein Laderaum ist rund 100 Liter kleiner als bei den anderen beiden. Das ist fast schon logisch, denn schließlich ist der Corolla zehn Zentimeter kürzer, was aber nicht auf Kosten der Beinfreiheit im Fond geht.

Grund zwei: Auch hier müssen die Kopfstützen vorher raus. Doch wenigstens bildet der Ladeboden eine ebene Fläche. Gut: Darunter verbergen sich noch zwei flache Fächer. Weniger gut: die Paßgenauigkeit der Deckel. Sie klappern auf schlechten Straßen. Schlecht bei allen drei: Die Gepäckabteile sind stets nur mit billigem Nadelfilz ausgekleidet. Dieses Material läßt sich schwer saugen und reinigen. Eine andere Oberfläche oder eine herausnehmbare Wendematte sollte in dieser Klasse Standard sein.

Ebenso eine alltagstaugliche Zuladung. Der Astra legt hier die Meßlatte mit 525 Kilo sehr hoch. Auch die 480 Kilo des Mégane gehen in Ordnung. Nur Kollege Corolla fällt mit 380 Kilo deutlich ab. Sollten wirklich einmal fünf Personen mit, ist zusätzliche Last tabu.

Motorleistung und Verbrauch

Weniger Probleme mit dem Gewicht haben die Motoren. Allen voran der Direkteinspritzer im Astra. Ein Musterknabe an Laufkultur und Leistungsausbeute. AUTO BILD hat sich bei diesem Test für den 150-PS-Diesel entschieden, der im Grundpreis auf dem Niveau der Konkurrenten liegt. Der ab Jahresende verfügbare 120-PS-Diesel wäre auch nur 500 Euro billiger.

Die 150 PS treiben den Kombi auf über 200 km/h. 320 Newtonmeter Drehmoment machen jedes Beschleunigen zum Kinderspiel. Wer will, kann den sechsten Gang schaltfaul ab Tempo 80 bis zur Höchstgeschwindigkeit nutzen. Nur bei Niedrigtempo zeigt der Astra-Motor leichte Atemnnot. Unter 2000 Touren geht es nur mühsam voran, dann allerdings explodiert der Astra-Diesel und dreht munter rauf bis über 5000 Touren. Reizvoll dabei ist, daß dieser Fahrspaß im Schnitt nur 6,7 Liter pro 100 Kilometer kostet.

Ein Becher mehr ist es beim Mégane: 6,9 Liter. Sein Vierzylinder – 120 PS und 300 Nm stark – läuft leiser als der Astra-Motor, überzeugt durch angenehme Laufkultur und hohe Elastizität. Qualitäten, mit denen der Toyota Corolla ebenso zu überzeugen weiß. Lediglich nach dem Kaltstart macht er deutlicher auf sein Arbeitsprinzip aufmerksam. Ist er aber erst einmal warm, schnurrt er sehr dezent vor sich hin.

Fahrverhalten und Komfort

Mit 116 PS ist der Toyota zwar der Schwächste im Vergleich, was im Fahrbetrieb aber nicht negativ auffällt. Ab 1800 Touren geht es zügig voran. 7,1 Liter pro 100 Kilometer sind nicht wirklich viel, aber er ist eben doch ein wenig durstiger als die Konkurrenten. Ein Grund dafür ist das Fünfganggetriebe. Mégane und Astra fahren mit sechs Gängen, drehen beispielsweise bei 140 km/h im höchsten Gang gut 500 Touren niedriger als der Corolla.

Bei Fahrverhalten und Komfort setzt der Astra auf eine straffere Gangart als Corolla oder Mégane. Kurze Wellen mag er nicht, so kommt auf schlechter Piste Unruhe ins Fahrzeug. Hinzu kommt, der Testwagen war ausgestattet mit dem adaptiven IDS Plus-plus-Fahrwerk. Zu diesem eher sportlichen Charakter paßt auch die Schaltung. Mit dem sehr kurzen Hebel flutschen die Gänge leicht und präzise durch die Gassen.

Weniger dynamisch ist der Toyota ausgelegt. Er ist weicher, komfortabler, fühlt sich geschmeidiger an. Besonders für Autofahrer reiferen Alters die angenehmere Alternative. Genau dazwischen liegt der Mégane, mit gutem Kompromiß aus Komfort und Sportlichkeit. Nur seine Lenkung verhärtet bei schnellen Richtungswechseln, müßte mehr Gefühl vermitteln.

Kosten und Ausstattungen

Dafür stellt der Renault die finanziell beste Kombination dar. Klimaanlage, Radio-CD, vier elektrische Fensterheber und die Dachreling sind serienmäßig. Mit der Klimaautomatik (400 Euro Aufpreis) verfügt der Mégane über die gleiche Ausstattung wie der Toyota, bleibt aber immerhin noch 100 Euro günstiger.

Der Astra fährt in puncto Ausstattung preislich hinterher. Opel verlangt für die Klimaautomatik 1505 Euro, Audio-Anlage und die beiden hinteren Fensterheber kosten noch einmal schmerzliche 1110 Euro. Vielleicht tröstet sich der Astra-Fahrer damit, daß er seinen Diesel nur alle 50.000 Kilometer (oder nach zwei Jahren) zum Ölwechsel in die Werkstatt schicken muß. Der Corolla-Besitzer war nach dieser Distanz schon das dritte Mal da.

Technische Daten und Testwerte

Renault auf Sportwagen-Niveau: Ein Bremsweg um 37 Meter ist eine Superleistung. Nur knapp geschlagen: der Astra. Schlecht: Toyota. Der Corolla verliert allein hier elf Punkte zum Mégane.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Wir haben die beste Kombination in der Kompaktklasse gesucht – und gefunden: Das Rennen macht der Astra Caravan. Nicht souverän, aber doch klar. Er ist im Grundpreis für 150 PS sensationell günstig und bietet beste Kombi-Tugenden. Nur unwesentlich dahinter: der Renault Mégane. Top ausgestattet zu einem fairen Preis. Deutlicher fällt der Corolla zurück, wirkt fast schon eine Generation älter. Ihm fehlt es an Raum und Zuladung – was bei einem Kombi eigentlich im Vordergrund stehen sollte.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Astra Caravan, Renault Mégane Grandtour und Toyota Corolla Combi. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Michael Specht

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.