Kontrolle auf der A3

Aktion "Sicher durch die Nacht" Aktion "Sicher durch die Nacht"

Kontrolle auf der A3

— 08.08.2003

Sicher durch die Nacht?

Reisezeit in Deutschland. Wer staufrei durchkommen will, fährt am besten nachts. Da ist nichts los. Denkste! Unterwegs in Richtung Süden: Schmuggler, Schläfer, schräge Typen.

Großkontrolle auf dem Rasthof Bad Camberg

Wäre er bloß nicht tanken gefahren. Dann wäre seine Bekannte nicht vor den Augen der Zivilstreife zum WC getorkelt. Anschließend wäre sie nicht ungelenk zurück auf den Beifahrersitz geplumpst. Er wäre nicht in den Verdacht geraten, ebenfalls betrunken zu sein. Und beide hätten wie geplant zu einem Bekannten fahren können – "dringende geschäftliche Angelegenheit".

So aber passt Nissan-Fahrer Klaus K. (43) genau ins Beuteschema der Polizei. Die fängt in dieser Nacht auf der A3 (Fahrtrichtung Köln–Frankfurt) und den angrenzenden Tankstellen verdächtige Fahrzeuge ab. Und dirigiert sie mit Blaulicht auf den nahe gelegenen Rasthof Bad Camberg. Dort warten rund 80 Polizisten, teils schwer bewaffnet, Rauschgiftsuchhunde und ein Arzt.

Ihr Job: Autos und Insassen auf Drogen oder Alkohol überprüfen, Wohnwagengespanne und Reisemobile auf Beladung, Lkw und Busse auf Sicherheit und Lenkzeiten. Das Motto der Großkontrolle: "Sicher durch die Nacht".

Initiiert und begleitet wird die Aktion vom Hessischen Rundfunk, von der Barmer Ersatzkasse und vom AvD. Die wollen wissen: Wie fit sind die Fahrer, die in der Reisezeit nachts auf der Autobahn unterwegs sind? Sei es in den Urlaub oder beruflich.

Jeder Fünfte zu müde zum Fahren

Das erschreckende Ergebnis: Fast jeder Fünfte ist reif fürs Bett. Diagnose von Prof. Jürgen Zulley, Schlafforscher an der Uni Regensburg: "Besonders heikel ist die Selbsteinschätzung. Selbst wenn die Befragten sich als müde bis sehr müde bezeichnen, meinen viele, locker weiterfahren zu können."

Wie so was enden kann, ist bekannt: Bei jedem vierten tödlichen BAB-Unfall war das Opfer laut einer HUK-Studie hinterm Steuer eingenickt. "Besonders junge Fahrer, die schon länger unterwegs sind und die Nacht durchfahren wollen, zeigen Auffälligkeiten", sagt Prof. Zulley.

Und wenig Einsicht: "Statt einer Pause machen sie das Fenster runter und das Radio lauter. Das bringt rein gar nichts." Die Arbeit der Polizei dafür umso mehr: 111 Fahrzeuge werden kontrolliert. Bilanz von 22 bis fünf Uhr: 21 Ordnungswidrigkeiten, elf Verwarnungen, vier Strafanzeigen, ein Lkw stillgelegt, sechs Fahrern die Weiterfahrt untersagt.

Einer von ihnen: Klaus K., der Mann von der Tankstelle. Kfz-Schein und Personalausweis hat der Dachdecker ("fahre seit 25 Jahren unfallfrei") dabei, den Führerschein nicht. Wie auch? Den hat er nie gemacht!

"Dumm gelaufen", sagt er. Vor allem, weil er acht Vorstrafen wegen Fahrens ohne Führerschein hätte. Und deswegen "schon dreimal im Bau" gewesen wäre. "Tja, das war es dann wohl mit der Bewährung. Was muss die Alte auch pinkeln gehen ..."

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