Koro 4.6 RM S

Koro 4.6 RM S

— 04.06.2004

Der Hubraum-Riese

Wie bitte? Sie kennen Koro nicht? Sollten Sie aber. Zumindest dann, wenn Sie schon immer einen Porsche der etwas anderen Art besitzen wollten. Wir fuhren exklusiv einen Sauger, der jeden Turbo gnadenlos in Grund und Boden fhrt.

Mehr Leistung durch mehr Hubraum

Tabellen sind eine schne Sache: Man sieht auf Anhieb, wer der Beste ist. Ob in der Fuball-Bundesliga oder bei AUTOBILD TEST & TUNING. Bei uns heit die Tabelle Hitliste und verrt, womit man wie schnell in Oschersleben um die Ecken kommt. Sie hat leider nur einen Makel: Seit anderthalb Jahren bewegt sich nichts mehr an der Spitze. Der Manthey-Porsche 996 GTMR dominiert unsere Tabelle wie Schumi die Formel 1, an seiner Fabelzeit von 1:41,79 Minuten beien sich smtliche Gegner die Zhne aus.

Schn fr Manthey, schlecht fr die Hitliste und fast schon peinlich fr die Konkurrenz. Die jedoch bekanntlich nicht schlft. Ziemlich wach ist beispielsweise Erich Korostenski, der dem Heilbronner Tuner Koro die ersten beiden Silben seines Namens gab und einen heute fast schon ausgestorben geglaubten Denkansatz verfolgt: Mehrleistung darf nach seiner Meinung ausschlielich aus der Tiefe des Hubraums resultieren. Und damit die aufwndig gewonnene Leistung auch richtig zur Geltung kommt, verabschiedet man sich bei Koro von allem, was Gewicht kostet. So auch bei dem bislang heiesten Produkt des Hauses, das auf den Namen Koro 4.6 RM S hrt und auf der Basis eines Porsche GT3 grndet.

Tren und Hauben des ohnehin schon erleichterten Werksrenners bestehen aus Kohlefaser, Heck- und Seitenscheiben aus Kunststoff, Dmmmaterial und Teppiche wurden entfernt und im Heck wohnt ein Monster, dessen Potenz schon im Namen durchklingt. Denn 4.6 steht fr den Hubraum des normalerweise einen Liter kleineren Sechszylinders, der selbst damit noch nicht ausgereizt ist. Die Variante mit fnf Litern absolviert gerade die ersten Prfstandslufe.

Technische Daten

Grenzwertig prsentiert sich auch der Innenraum: Rennschalen von Recaro und ein berrollkfig von Heigo garantieren viel Sicherheit und wenig Komfort. Unmittelbar nach dem Anlassen wird deutlich: Die Straenzulassung fr dieses Hllengert ist so sinnvoll wie Pelzmntel fr die Bewohner der quatorialzone. Aus dem Brabbeln der sechs Zylinder meint man nur ein Wort herauszuhren: Nordschleife!

Darauf verweist auch das Fahrwerk, das auf ffentlichen Straen nur trocken polternd Sitzfleisch und Bandscheiben maltrtiert. Doch die edelsthlernen Gewindefederbeine mit verstellbarer Druck- und Zugstufendmpfung, die verstrkten Fahrwerklager, eine 100-Prozent-Sperre und die 295er-Semislicks auf den 18-Zoll-Magnesiumrdern an der Hinterachse dienen nur zwei Zielen: Bodenhaftung und Traktion um jeden Preis. Und die ist auch bitter ntig.

Testwerte

Schon die Ausfahrt aus der Boxenstrae hnelt dem Ritt auf der Kanonenkugel kein Wunder bei der geballten Wucht von 480 PS, von denen jedes einzelne nur zweieinhalb Kilo beschleunigen muss. In 3,8 Sekunden springt der Koro auf 100 km/h, nach weiteren sieben liegt Tempo 200 an und sptestens dann sind der ohrenbetubende Sound und die Prgel, die man von jedem berfahrenen Randstein kassiert, kein Thema mehr. Denn jetzt ist der Koro da, wohin er gehrt auf der Rennstrecke.

Das Herantasten an den Grenzbereich offenbart keine bsen berraschungen im Gegenteil: Dezent untersteuernd kommt der Koro um die Ecken, die Traktion ist phnomenal. Sind die Reifen warm, kleben sie geradezu auf dem Asphalt. Und wer angesichts der hohen Literleistung von 104 PS glaubt, dass zum schnellen Fahren nur ein schmaler Drehzahlbereich zur Verfgung steht, liegt falsch. Obwohl das maximale Drehmoment erst bei 5000/min anliegt, gibt sich der hochgezchtete Langhuber erstaunlich elastisch. Das erleichtert nicht nur die Schaltarbeit, sondern verkrzt auch die Rundenzeit.

Fazit und Preise

Dass sie aber so kurz werden wrde, htten wir nicht gedacht. Der Koro unterbietet die Manthey-Rekordzeit nicht nur, er pulverisiert sie: Bei 1:39,65 bleibt die Uhr stehen, mehr als zwei Sekunden unter der alten Marke. Das ist auf der 3,6 Kilometer kurzen Piste von Oschersleben eine Welt und lsst uns die Prognose wagen, dass dieser Rekord noch lnger halten wird als der alte. Zumal nicht nur die Technik, sondern auch die finanzielle Seite des Extremtunings irgendwo natrliche Grenzen steckt. Mit knapp 220.000 Euro kostet der Koro mehr als doppelt so viel wie das Ausgangsprodukt. Was auch wieder an Fuball erinnert: Wer ganz oben in der Tabelle mitmischen will, muss erst krftig investieren.

Fazit Der Koro ist vieles nicht: weder alltagstauglich noch preisgnstig noch komfortabel. Zweierlei darf er jedoch fr sich in Anspruch nehmen: das schnellste je von uns in Oschersleben gemessene Auto zu sein und als reiner Selbstzweck ein beeindruckendes Beispiel fr Extrem-Tuning.

Kontakt Koro AG, 74076 Heilbronn, Tel. 07131/ 76 69 - 500, www.koro.de

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