Zapfhahn

Kraftstoffpreise

— 24.06.2011

Griff zur Ölreserve lässt Spritpreise sinken

Die Industrieländer werfen überraschend 60 Millionen Barrel aus ihrer Ölreserve auf den Markt und drücken so den Rohölpreis. Verbraucher und Unternehmen werden entlastet - aber wie nachhaltig?

(dpa/sk) Die Märkte reagierten sofort. Kaum hatte die Internationale Energieagentur (IEA) am Donnerstag (23. Juni 2011) verkündet, dass die Industrieländer 60 Millionen Barrel Rohöl aus ihrer strategischen Ölreserve freigeben, da rutschte der Ölpreis kräftig ab. Die Nordsee-Sorte Brent verlor mehr als fünf Dollar und kostet gegenwärtig noch rund 106,61 Dollar pro Barrel (159 Liter). Das ist deutlich weniger als die 126 Dollar, die im April notiert wurden. Billig ist das Öl deshalb noch lange nicht. Vor einem Jahr bewegte sich der Barrelpreis für Brent zwischen 70 und 80 Dollar. Als er zum Jahresende die 90-Dollar-Marke knackte, da hielten das viele Experten für ein kurzes Zwischenhoch. Es kam anders. Allein der Bürgerkrieg in Libyen hat zu Lieferausfällen von mehr als 130 Millionen Barrel geführt; das knappe Angebot und die zusätzliche Spekulation mit Rohstoffen trieben den Rohölpreis auf den höchsten Stand seit Sommer 2008.

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"In dieser Situation haben die Industrieländer von der OPEC oder von Saudi-Arabien erwartet, dass sie ihre Förderung ausweiten und so den Preisaustrieb dämpfen", sagt der Ölexperte Steffen Bukold aus Hamburg. Doch entsprechende Signale blieben aus, auch bei der jüngsten Opec-Konferenz vor zwei Wochen. "Die Freigabe von Mengen aus der strategischen Reserve ist der vorläufige Höhepunkt der Kontroverse zwischen den Industrieländern und der Opec", analysiert der Hamburger Experte. Bei der Entscheidung hat auch die Sorge um den wirtschaftlichen Aufschwung ein Rolle gespielt. Die hohen Energiepreise könnten die Weltwirtschaft abwürgen, die nach der Finanzkrise gerade wieder Tritt gefasst hat.

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Verbraucher und Unternehmen werden durch die gesunkenen Ölpreise entlastet. Die Autofahrer spüren schon seit einigen Wochen, dass sich der Markt etwas beruhigt hat. Den Rekordpreis von 1,62 Euro für einen Liter Benzin vom 29. April haben sie jedenfalls nicht wieder erleben müssen; mittlerweile sind die Benzinpreise mehr als zehn Cent niedriger. Am Freitag lag der bundesweite Durchschnitt bei 1,51 Euro je Liter. Auch für Heizölkunden hat sich der Horizont deutlich aufgehellt. "Die Einkaufsbedingungen haben sich stark verbessert", meldet das Internetportal HeizOel24.de. Die Kunden müssen im Durchschnitt 76 bis 77 Euro für 100 Liter bezahlen. Das ist nicht mehr weit entfernt vom Jahrestief von 73 Euro Anfang Januar. Zur weiteren Entwicklung der Benzinpreise könnten aber keine Aussagen getroffen werden, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Die Preise seien von vielen Faktoren abhängig. Das Kartellamt hatte zuletzt die Preisgestaltung an den Zapfsäulen kritisiert, den großen Tankstellenkonzernen aber keine verbotenen Absprachen nachweisen können.

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