Krise bei Ferrari

Krise bei Ferrari Krise bei Ferrari

Krise bei Ferrari

— 22.03.2005

F2005 – die letzte Rettung?

Nach dem schlechten Saisonstart: Michael Schumacher setzt seine Hoffnungen in das neue Auto – und bessere Reifen.

Vorfreude aufs neue Auto

Michael Schumacher steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Karriere. Zwei WM-Punkte – so wenige standen für den sieggewohnten Champion nach zwei Saisonrennen noch nie zu Buche. Für die bevorstehende Aufholjagd setzt er nun alle Hoffnung in das neue Auto und bessere Bridgestone-Reifen. Nach Testfahrten in dieser Woche muß der siebenmalige Weltmeister entscheiden, ob der F2005 renntauglich ist und beim nächsten Grand Prix am 3. April in Bahrain eingesetzt werden kann.

Einen Tag nach seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (Brasilien) steigt Schumacher am Mittwoch in Mugello erstmals in den neuen Dienstwagen, mit dem bisher nur Testpilot Luca Badoer gefahren ist. Schumis Vorfreude ist groß: "Ich habe viel über das neue Auto gehört, ich freue mich jetzt richtig darauf, es endlich selbst auszuprobieren. Die erste Fahrt ist immer wieder aufregend."

Der Titelverteidiger reiste nach einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung am Sonntagabend erst mit großer Verspätung aus Kuala Lumpur ab. Lange und ausführlich hatte er sich nach dem enttäuschenden siebten Platz beim Großen Preis von Malaysia mit den Ferrari-Ingenieuren unterhalten. Schumacher wollte danach nichts beschönigen: "Wir waren nicht konkurrenzfähig und müssen uns in allen Bereichen verbessern." Die Hoffnung, daß dies gelingt, hat der 36jährige nicht aufgegeben: "Nach zwei verkorksten Rennen wird die WM-Situation sehr schwierig, hoffnungslos ist sie mit Sicherheit nicht."

Bridgestone fehlen Informationen

Auch Rennleiter Jean Todt mahnte zur Besonnenheit: "Wir erwarten uns vieles vom F2005, auch wenn das Auto nicht plötzlich alle unsere Probleme lösen wird. Der neue Ferrari wird bestimmt eine Hilfe sein. Daher arbeiten wir so schnell wie möglich, um dieses Auto in Bahrain einzusetzen", sagte der Franzose. Schumacher bat vor der Abreise seine Fans um Verständnis: "Ich kann ja verstehen, daß es nur schwer nachzuvollziehen ist, daß man nach einer so dominanten Saison wie 2004 mit Mühe Siebter wird. Aber so ist die Formel 1: Die Weiterentwicklung geht rasend, die Kräfteverhältnisse können sich sehr schnell ändern."

Intern wird als Hauptschuldiger der japanische Reifenhersteller Bridgestone ausgemacht. Dessen Problem: Während der französische Konkurrent Michelin fast das gesamte Starterfeld ausrüstet und über entsprechend umfassende Erfahrungen verfügt, kann Bridgestone nur auf Ferrari-Testdaten zurückgreifen. Das ist ein riesiger Wettbewerbsnachteil. "Uns fehlen Informationen", sagte ein Mitarbeiter.

Bitter enttäuscht reagierten die Tifosi am Tag nach der Pleite. "Schumacher ist eine Katastrophe. Der F2004M ist nicht mehr wettbewerbsfähig", urteilte der "Corriere della Sera". Auch die "Gazzetta dello Sport" rechnete mit der Scuderia ab: "Ferrari ist nicht wiederzuerkennen. Eine Katastrophe bei den Tests, eine Enttäuschung für die Fans und für die Piloten selbst."

Ecclestone glaubt nicht an Rücktritt

Auch Ralf Schumacher kann den Arbeitgeber seines Bruders nicht verstehen: "Wie kann Ferrari so arrogant sein, als einziges Team mit einem alten Auto in diese Saison zu starten? Das haben die sich selbst eingebrockt." Schumacher-Manager Willi Weber sieht indes keinen Grund zur Panik: "Egal, wie schlimm die Situation ist: Michael wird nicht aufgeben. Ferrari muß ihm nun dringend das neue Auto geben."

Teamchef Todt will jetzt "aufs Gaspedal treten", damit der F2005 in Bahrain seine Renn-Premiere fährt. "Sechs Jahre lang sind wir die Besten gewesen. Seit ein paar Rennen sind unsere Gegner besser, wir können nur hoffen, daß diese Phase schnellstens abgeschlossen wird", sagte Todt. Ähnlich beurteilt Technikchef Ross Brawn die Situation: "Das Resultat von Kuala Lumpur ist besorgniserregend, doch diese Schwierigkeiten erdrücken uns nicht."

Von Gerüchten, Schumacher könnte den Helm an den Nagel hängen, falls er weiter hinterherfährt, hält Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nichts. "Michael wird nicht aufhören, weil er zu langsam ist. Er wird aus familiären Gründen irgendwann sagen: Das war's", meinte der Brite: "Ich könnte mir eher vorstellen, daß er seine Karriere beendet, wenn er den nächsten WM-Titel geholt hat. Verliert er 2005, motiviert es diesen Kerl doch nur, noch einmal zurückzuschlagen." Der 74jährige glaubt aber, daß es für Schumacher künftig sehr schwer wird: "Aber ein echter Weltmeister muß auch verlieren können."

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