Dirk Pfeil (l.) und Manfred Wennemer

Kritik an Opel-Verkauf

— 11.09.2009

Wennemers Zweifel

Die Erleichterung war spürbar nach dem beschlossenen Verkauf von Opel an Magna. Doch es gab auch kritische Stimmen. Allen voran vom ehemaligen Conti-Sanierer Manfred Wennemer, einem von vier Vertretern in der Opel-Treuhand.

(dpa/rtr/cj) Ausgerechnet die beiden Vertreter von Bund und Ländern haben im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf des Autobauers an Magna nicht mitgetragen. Der bei Conti als Sanierer bekanntgewordene Manager Manfred Wennemer stimmte dagegen, der Insolvenzexperte Dirk Pfeil als Vertreter der Bundesländer mit Opel-Standorten enthielt sich. In seiner Begründung ließ es Wennemer an Deutlichkeit und scharfer Kritik nicht fehlen. Er bezweifle, dass sich Opel am Ende am Markt durchsetzen und wettbewerbsfähig sein werde. Mit 1,5 Millionen Autos produziere das neue Opel-Unternehmen im Jahr 2012/13 "viel zu wenig, um effizient zu sein". Opel verkaufe 90 Prozent seiner Produkte am europäischen Markt. "Ich habe nach den letzten Entwicklungen in Russland meine großen Zweifel, ob die Blütenträume (...) wirklich aufgehen werden", sagte Wennemer.

"Zum Insolvenzrichter gehen"

Mit Blick auf die Kosten sagte er, Opel werde 2012/13 schwächer dastehen als der Wettbewerb. Der Opel Insignia sei ein schönes Auto. Er kenne aber keinen Test, den der Insignia gewonnen hätte. Auch trage Magna gerade einmal zehn Prozent Eigenkapital bei. Inzwischen sei damit aber offensichtlich ein Unternehmen wie Opel zu kaufen. Würde das aktuell geltende Insolvenzrecht angewandt, dann hätte der Vorstand von Opel im Jahr 2010/11 nur eine Möglichkeit: zum Insolvenzrichter gehen, sagte er. Auch sei GM sei nicht bereit, auf Lizenzzahlungen zu verzichten. "Das gesamte Risiko liegt auf den Schultern der Steuerzahler."

RHJI wäre "europafreundlicher" gewesen

Heftige Kritik kam auch Dirk Pfeil, nach eigenen Angaben im Hauptberuf Insolvenzverwalter. Er erklärte, er hätte bei der Treuhand nicht mitgearbeitet, hätte er gewusst, dass eine politische Entscheidung gefällt würde. Sicher sei es ein Erfolg der Politik, dass Magna inzwischen 450 Millionen Euro beisteuern wolle. Das Konzept des zweiten Bieters RHJ International sei aber "europafreundlicher" gewesen, sagte Pfeil. Zwar wären dann mehr Stellen in Deutschland weggefallen, aber weniger in Europa. Er habe sich am Ende aber nur enthalten, um die Diskussion nicht weiter zu verlängern. In der Opel-Treuhand hatten von den vier stimmberechtigten Mitgliedern zwei für den Verkauf an den Zulieferer Magna gestimmt. Außerdem gab es eine Gegenstimme und eine Enthaltung. Die Treuhand hält derzeit 65 Prozent an Opel und wird nach dem Verkauf aufgelöst.

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