Ferdinand Piëch

Kritk am Magna-Deal

— 16.09.2009

Zulieferer als Konkurrent

Die geplante Übernahme von Opel durch Magna und die Sberbank wirbelt weiter Staub auf. Hersteller fürchten einen neuen Konkurrenten, um Staatshilfen wird gestritten und die Betriebsräte wollen gegen Stellenstreichungen kämpfen.

(dpa/cj) VW und BMW wollen angesichts der geplanten Opel-Übernahme durch Magna ihre Zusammenarbeit mit dem österreichischen Autozulieferer überdenken. Sie drohen aus Angst vor dem Abfluss technologischen Wissens mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch brachte die Bedenken der Hersteller am Dienstag auf der IAA 2009 in Frankfurt auf den Punkt: "Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden." Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bekräftigte, VW werde sein Geschäftsmodell mit Magna überprüfen: "Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?" VW gehört zu den großen Kunden von Magna.

Hier geht es zur Sonderseite IAA 2009

Daimler will auch künftig die Mercedes G-Klasse in Zusammenarbeit mit Magna fertigen.

BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner betonte die bisher "sehr gute Zusammenarbeit mit Magna", aber nun habe sich die Strategie geändert. Eichiner fügte hinzu: "Insofern müssen wir schon darüber nachdenken, welche Technologie wollen wir in die Hände eines Konkurrenten geben. Das muss jetzt sicher überdacht werden." Entschieden sei aber noch nichts. Magna produziert für BMW derzeit unter anderem den kleinen Geländewagen X3 und Komponenten. Der Daimler-Konzern indes hält an der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Zulieferer fest. Die Beziehung zu dem österreichisch-kanadischen Unternehmen werde nicht infrage gestellt, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche auf der IAA. Die beiden Unternehmen arbeiten bei der Mercedes-Benz G-Klasse zusammen.

"Keinen Schönheitswettbewerb gewonnen" 

Magnas Europa-Chef Siegfried Wolf hatte sich in der Debatte zuletzt gelassen gezeigt. Jeder Kunde werde es sich gut überlegen, bevor er auf die wettbewerbsfähigen Produkte verzichte. "Magna hat bis heute keinen einzigen Auftrag in einem Schönheitswettbewerb gewonnen, sondern weil wir im Thema Qualität, Technologie und Preis wettbewerbsfähig sind", sagte Wolf. Außerdem werde Magna das Komponentengeschäft strikt vom Autogeschäft trennen: "Es wird keine organisatorischen oder personellen Überschneidungen geben."

Bundesregierung in der Kritik

Unterdessen rückt die Bundesregierung wegen ihrer Verhandlungen bei der Opel-Rettung immer mehr in den Fokus internationaler Kritik. Nach kritischen Tönen aus Belgien bemängelte nun der spanische Industrieminister Miguel Sebastian fehlende Informationen zur Opel-Übernahme durch das Konsortium Magna/Sberbank. Madrid werde nach jetzigem Stand kein Geld zur Opel-Rettung beisteuern. "Heute sind wir aufgefordert worden, die Rechnung zu bezahlen, ohne die Speisekarte gesehen zu haben", sagte Sebastian nach Beratungen der Bundesregierung mit anderen europäischen Opel-Ländern und der EU-Kommission in Berlin. Dabei konnten sich die Beteiligten noch nicht auf eine Verteilung der Milliarden-Staatshilfen für den Autobauer einigen können.

Derweil wollen die Opel-Betriebsräte europaweit gegen die angekündigte Schließung des Werks in Antwerpen kämpfen. Nach Angaben des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz wollen die Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften bei einem Treffen in der belgischen Hafenstadt am 23. September ihr weiteres Vorgehen beraten. Gleichzeitig seien erste Protestaktionen geplant. Magna-Europa-Chef Wolf hatte bestätigt, dass Antwerpen als einziges europäisches Werk geschlossen werden soll. Allerdings will Magna alternative Formen der Zusammenarbeit prüfen. Opel baut in Antwerpen mit zuletzt 2580 Mitarbeitern den Astra. Insgesamt sollen in Europa rund 10.500 Stellen, davon gut 4000 in Deutschland, gestrichen werden. Franz betonte, dies sei noch nicht in Stein gemeißelt: "Das sind Planzahlen. Was als Ergebnis rauskommt, werden wir sehen."

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.