LA Auto Show 2008 — 20.11.2008
Hurra, wir leben noch (ein bisschen)
Die LA Auto Show ist die erste Messe in den USA, seit die Wirtschaftskrise die Autoindustrie an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Ein Messerundgang im automobilen Krisengebiet.
LA wie lauter Aktionismus
Bei Chrysler stehen nebeneinander ein Jeep, ein Chrysler und ein Dodge und auf allen drei Modellen prangt hinter dem Namen ein "EV" für Electric Vehicle. Gut, der Dodge war difinitiv mal ein Lotus, aber dennoch: "Wow, drei Elektroautos!", denkt man erstmal. Doch in der kaum beleuchteten Ecke der Messehalle wirkt das alles nur noch traurig. Spärliche Showtafeln erklären die E-Autos fast gar nicht. Auf den zweiten Blick bemerkt man dann, dass es jedes Mal die gleiche Tafel ist – nur ein paar Daten für Beschleunigung, Verbrauch und Reichweite wurden verändert. Wer mehr erfahren möchte, steht auf verlorenem Posten. Ansprechpartner fehlen, Hostessen sind sowieso nicht da. Die drei offensichtlich schnell zusammengebauten Modelle mit diffusen Zukunftsaussichten zeigen exemplarisch, in welcher Schockstarre sich die Autohersteller derzeit befinden. Sollte LA bei Chrysler etwa für Licht Aus stehen?LA wie langer Atem
Ford tut wenigstens noch so, als gäbe es die Krise nicht. Der frisch gelifete Mustang soll der schlechten Stimmung einfach davonreiten, der Fusion Hybrid den Weg in eine erfolgreiche Zukunft weisen. Und vor allem sparsamer fahren als sein voraussichtlich wichtigster Gegner: der Toyota Camry Hybrid. Hurra, wir leben noch! Nur, dass die Hybridtechnik nun wirklich eher Pflicht als Kür ist. Auf gefühlt jedem zweiten Modell in Ford-Hallen prangt das H-Wort. Auch der Mercury Milan am Stand nebenan ist zwar alles andere als hübsch, aber wenigstens hybrid. Den nagelneuen Lincoln MKZ wieder einen Stand weiter beachtet schon niemand mehr. Menschenleer hier.LA wie Liebe Ausländer
Ehrlich, ohne die Hersteller aus Europa und Japan wäre die Auto Show in Los Angeles eine Trauerveranstaltung. Nissan beweist mit dem rasanten 370 Z echten Sportsgeist und mit dem mutigen Cube Sinn für die moderne Würfelform. Die Toyota-Tochter Lexus zeigt mit dem eindrucksvollen SUV RX 350/450h die nächste SUV-Generation mit Hybridtechnik. Die kann man im nächsten Frühjahr kaufen – und eben nicht erst 2010 oder 2011. Ganz ohne Spirtspartechnik kommt der Lamborghini Gallardo LP 560-4 Spyder aus, den die Italiener am Start haben. Bezeichnend ist auch, dass die Messe nicht von einem Amerikaner, sondern von Renault/Nissan-Boss Carlos Ghosn eröffnet wurde. Mit einer einstündigen Hymne auf das E-Auto und dem Aufruf, die Regierungen der Wirtschaftsmächte mögen doch die Entwicklung unterstützen, wenn ihnen wirklich etwas an einem Umdenken in der Autoindustrie liege. Das kommt besonders im umweltbewussten Kalifornien sehr gut an.Und die Deutschen?
LA wie Leichtigkeit adé
Am Ende unseres Messerundganges bleibt der Eindruck, dass die Autoindustrie im Moment ihre Leichtigkeit verloren hat. Früher feierten sich die Autobauer zu solchen Gelegenheiten mit Glanz, Gloria und rauschenden Festen. Hier klingt alles ein bisschen wie das Pfeifen im Walde. Und der brennt – nicht nur in Kalifornien. LA wie lausige Aussichten.Sie haben dennoch Lust auf die automobile Zukunft? Dann werfen Sie mal einen Blick auf die Design Challenge der LA Auto Show 2008.

































