Porsche: Lärmschutzregelung

Lärmpegel-Grafik Porsche Cayenne S Diesel Martin Schulz (SPD)

Lärmschutzregelung in der EU

— 26.09.2012

Das Porsche-Papier

Porsche ist offenbar ein besonderer Lobbyismus-Coup gelungen. So soll eine EU-Vorlage für Lärmschutz-Grenzwerte aus dem Laptop eines Zuffenhauser Ingenieurs stammen. Die Umwelthilfe spricht von "anmaßender Manipulation".

Porsche ist in Verdacht geraten, Lärmgrenzwerte für Autos selbst festgelegt zu haben. Eine offizielle Beschlussvorlage für das Europa-Parlament wurde von Werks-Ingenieur Hans-Martin G. erstellt. Das geht aus der Dateiinformation hervor, die G. als Autor nennt. Auch die Firma "Dr. Ing. h.c. F. Porsche" taucht als Verwender des Computer-Programms Powerpoint auf. Das Papier enthält Lärm-Grenzwerte für künftige Autogenerationen und gilt als Kompromissvorschlag zwischen Deutschland und der Europäischen Union (EU).

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Die Kommission in Brüssel hatte zunächst strengere Grenzwerte gefordert, wollte zudem Autos mit vielen Sitzplätzen einen höheren Lärmpegel zugestehen. Deutschland dagegen ging es eher darum, etwa PS-starke Geländewagen zu schonen. Doch auch der Kompromiss trägt noch die Handschrift der deutschen Autoindustrie. Fahrzeuge mit mehr als 2,5 Tonnen Gesamtgewicht sollen einen Lärmbonus erhalten, ebenso Reifen mit lautem Abrollgeräusch.

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"Porsche hat sich sein eigenes Gesetz geschrieben", klagt Umwelthilfe-Vorsitzender Jürgen Resch.

Das Anti-Lärmgesetz soll in drei Zeitstufen nach und nach verschärft werden. Die strengsten Grenzwerte könnten neun Jahre nach dessen Inkrafttreten gelten – allerdings erst, wenn eine Fünfjahres-Studie hierfür grünes Licht gibt. Die Deutsche Umwelthilfe fordert den deutschen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) auf, "Porsches anmaßende Manipulationsversuche der EU-Parlamentarier zu stoppen und eine lückenlose Aufklärung des Vorgangs zu veranlassen", so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Das Europaparlament reagierte und vertagte die Abstimmung.

Lärm im Auto: Das große Ranking

Der tschechische Europa-Abgeordnete Miroslav Ouzky ist als sogenannter Berichterstatter für die Beschlussvorlage verantwortlich. Er weist jeden Manipulationsverdacht zurück. Die Power-Point-Tabelle sei zwar von Porsche erzeugt worden, er habe diese aber nur als Vorlage benutzt. "Die Werte habe ich selbst eingefügt. Sie sind ein Mittelwert aller Vorschläge, die ich erhalten habe." Ein Porsche-Sprecher bekräftigt die Version des Tschechen. Ingenieur G. habe die Vorlage zwar mit seinem Dienstlaptop erstellt, allerdings als Mitglied der EU-Arbeitsgruppe Lärm – und nicht in seiner Funktion als Porsche-Angestellter.

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