Lamborghini Aventador, Brömmler GT-R36, HGP Golf: Test

— 16.01.2013

Lambo gegen Golf? Logisch!

Virtuosen der Längsdynamik sind rar gesät. Mit dem Lamborghini Aventador, dem HGP Golf R36 und dem Brömmler GT-R haben sich gleich drei von ihnen versammelt – um zu beweisen, dass Leistung allein eben doch glücklich machen kann. 



Der Lamborghini Aventador ist momentan der einzige serienmäßige Allradbolide, der es mit Martin Gräfs neuestem Monster-Krümel sowie dem rollenden Hochleistungsrechner von Brömmler aufnehmen kann. Was alle drei eint, ist die nicht ganz selbstverständliche Fähigkeit, in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 zu detonieren. Oder anders formuliert: die Erdbeschleunigung für rund 80 Meter in die Horizontale zu drehen. Ein Trio also, wie geschaffen für eine Ode an die Längsdynamik; für einen Vergleich, der ausnahmsweise keinen Sieger sucht, sondern einfach nur in Worte fassen will, was geschieht, wenn Motor und Getriebe zu einer diabolischen Einheit paktieren.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Flach gekeilt und scharf gekantet: ein Body als Ausdruck purer Lamborghini-Dynamik.

Lamborghini Aventador (700 PS, 350 km/h): Womit wir auch schon wieder beim Lamborghini wären, der bereits zum Kaltstart jegliche Bewunderung für Brömmler oder HGP kurzerhand aus dem Großhirn fetzt. Beängstigend ist jedoch weniger die düster brodelnde Symphonie, die seinem monströsen "Endrohr" entweicht, sondern eher jene Instanz, die zwischen Motor und Allrad vermittelt. 50 Millisekunden braucht sein ISR-Getriebe, um auszukuppeln, Gänge zu wechseln und das, was der 6,5 Liter große V12 an Vortrieb generiert, wieder in die Antriebswellen zu rammen. Zum Vergleich: Ein Wimpernschlag dauert zweimal so lange. Schnelligkeit ist jedoch nur die eine Komponente, Brutalität die andere. Und beides zusammen offenbart ein Beschleunigungserlebnis, das Schmerz und Freude untrennbar vereint. Vorgespannt wird bei rund 5500 Touren – dort, wo das höchste Drehmoment lodert. Der Abschuss folgt ansatzlos, mit der Vehemenz eines kapitalen Heckeinschlags. Die Mechanik gibt nicht im Geringsten nach. Kein Newtonmeter versackt in Kupplung oder Allrad. Stattdessen wütet der Stier mit Wheelspin an allen vieren davon, springt in 1,34 Sekunden auf Tempo 50, während das gewaltige Anfahrmoment allmählich in Haftreibung übergeht und die wütende Drehzahlorgie des V12 schließlich vollends entfesselt. Binnen weniger Zehntel hämmert das Monster auf 8300 Touren. Um 80 km/h schlägt Gang zwei im Rücken ein, Tempo 100 wird kurz gestreift, das Messgerät verbucht noch schnell eine 2,94, bevor die Drehzahlnadel zum nächsten Tritt ins Gesäß läutet.

Kräftemessen: Brömmler GT-R gegen Geiger ZR1 und MTM MP4

Bewährtes Rezept: KW-Fahrwerk und OZ-19-Zöller sind elementarer Bestandteil eines jeden Monster-Golf aus dem Hause HGP.

HGP Golf R36 Bi-Turbo (745 PS, 345 km/h): Wäre er das, wonach er aussieht, der weiße Golf müsste in diesem Trio rein gar nichts beweisen. Höchstens, dass er innerhalb einer gefühlten Ewigkeit auf 250 kriechen könnte. Dass es letztlich natürlich ganz anders kommt, liegt an der gleichermaßen reizvollen wie durchgeknallten Passion von Martin Gräf, Unscheinbares mit Unheilvollem zu kreuzen. Im vorliegenden Fall also die Karosserie eines Golf R mit dem verstärkten Getriebe eines Audi RS 3 und einem bis in die Ventilsitze aufgeblasenen VR6- Motor. Die verheerende Bilanz: 745 PS und 925 Newtonmeter. Das klingt nach galoppierendem Wahnsinn, ist letztlich aber das genaue Gegenteil. Martin Gräf kennt den VR6 besser als jeder Werksentwickler, weiß daher genau, was zu tun ist, um den Golf in eine ultimative Beschleunigungswaffe zu verwandeln. Und dazu gehört neben der 150- Prozent-Leistung vor allem eines: viel Feingespür bei der Abstimmung des Getriebes. Würde der Golf einkuppeln wie der Lambo, es gäbe Geschnetzeltes à la Conti oder ein vollkommen zertrümmertes Haldex-System, mit Sicherheit aber keinen vernünftigen Vortrieb. HGP programmiert die Startphase folglich ziviler. Der VR6 regelt sich bei 2700 Touren ein, zwitschert moderate 0,2 Bar in die Ansaugseite, während die Kupplung bereits sanft vorspannt. Lässt man das Monster nun vom Stopper, sackt die Drehzahl erst minimal ein, ehe der Vortrieb explodiert. Blitzartig switcht das Getriebe in den zweiten Gang, der Motor schnaubt wieder zum Begrenzer, Reifen und Kupplung schwitzen um ihr Leben, doch die malträtierte Technik hält (rund 50 Starts hat der Golf bereits hinter sich), reißt Tempo 100 in 2,97 Sekunden nieder, ehe Gang drei schließlich etwas Harmonie ins Inferno strickt.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Brömmler GT-R (800 PS, 315 km/h): So gesehen sollte Brömmler also nochmals eine Schippe drauflegen können. Gut, die Drehmoment- Wertung verliert selbst Godzilla gegen unseren weißen Power-Knirps, doch dafür schlägt das AMS Alpha IX Package in der Höchstleistung zurück. 800 PS drückt der Biturbo-V6 bei 1,5 Bar. Ins Grübeln bringt uns nur, dass Brömmler keinen reinen Längsdynamiker, sondern ein in jeder Hinsicht radikales Performance-Tier stellt. Der GT-R fährt mit extremem Negativsturz sowie kurzer Serienübersetzung. Beides nicht gerade förderlich, wenn es um 0-300 km/h geht. Akustisch zieht er dafür alle Register. Schon auf dem Weg zur Startlinie wähnt man sich eher in einem Kampfjet als in einem Auto. Hinten sirrt die Benzinpumpe, vorn grummelt der V6, die Uniballgelenke quietschen im Takt der Bodenwellen, über allem liegt das feine Pfeifen der Bordelektronik, während das Getriebe herumklötert, als würde es im Verborgenen ganze Antriebsstränge neu verlegen. Launch-Control hängt die Drehzahl auf 4500, die Turbos verdichten vor, der Allrad dockt an. Bremse los, und der Nissan schnappt zu; ohne Durchhänger, ohne Unschärfen, dafür aber mit reichlich Schlupf an der Hinterhand. Die Drehzahl schnellt hoch, die Software greift zum nächsten Gang. Der Schlupf lässt nach, der Schub nimmt zu. 2,99 Sekunden auf 100. Weitere Details zu den PS-Virtuosen erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als pdf-Download im Heftarchiv.

Volle Kraft voraus

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
VW HGP Golf R36 Bi-Turbo, Lamborghini Aventador LP 700-4, Nissan Brömmler GT-R

Veröffentlicht:

04.01.2013

Preis:

2,00 €

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Autor:

M. Iglisch

Fazit

Wäre 0–300 ein Showevent, der Aventador wäre Sieger auf Lebenszeit. Blöd nur, dass man genau das auch erwartet. Desillusionierende Momente beschert man daher besser im HGP Golf; der sieht unscheinbar aus, beschleunigt aber allem davon, was nicht gerade Brömmler GT-R heißt.

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