Lamborghini Aventador LP 700-4

Lamborghini Aventador LP 700-4: Test

— 15.02.2012

Tritt ins Kreuz

Mit 700 PS und zwölf Zylindern bewegt sich der Lamborghini Aventador LP 700-4 im Highend-Bereich der Supersportwagen. Was kann die Karbonflunder auf der Rennstrecke?

Es gibt ein paar Dinge im Umgang mit einem Lamborghini Aventador, die man nie mehr vergisst. Das morgendliche Angebrülltwerden beim Kaltstart etwa, bei dem man unweigerlich den Kopf einzieht, nachdem man den wie bei einem Kampfjet unter einer roten Klappe verborgenen Startknopf gedrückt hat. Das Gefühl, beim Schnellfahren in einem ganz anderen Tempo-Universum unterwegs zu sein als alle anderen. Oder die kurzen und heftigen Schläge bei den Schaltvorgängen, wenn die Launch-Control und das ultraschnelle sequenzielle Siebenganggetriebe (50 Millisekunden pro Schaltvorgang) im Corsa-Modus den 700-PS-Italiener in äußerst kurzweiligen 8,9 Sekunden auf 200 km/h prügeln.

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Die zusätzlichen Bremsleuchten über dem Schriftzug sind als schmales LED-Band ausgeführt.

Kein anderer Seriensportler beherrscht den viel bemühten "Tritt ins Kreuz" effektvoller und dramatischer. Beeindruckend, aber das erwartet man auch von einem Lamborghini: extreme Emotionen, einen extremen Auftritt und das Gefühl, mit einem Fahrzeug unterwegs zu sein, das Maßstäbe zu verschieben scheint. Das ist der Kern der Marke, und den stellt Lamborghini auch mit dem Aventador LP 700-4 wieder mal prächtig zur Schau. Doch die Erwartungen sind höher, schließlich wartet der Aventador fahrwerksseitig mit Renntechnik (Doppelquerlenker, liegende, über Pushrods betätigte Dämpfer) auf und setzt auf ein hochfestes und leichtes Chassis aus Kohlefaser. Dass der Testwagen 1807 Kilo auf die Waage bringt, ist der luxuriösen Ausstattung geschuldet.

Effektvoll und dramatisch

Längsdynamisch katapultiert sich der Aventador mit dem neuentwickelten Motor in eine eigene Liga. Das 700 PS starke Trumm, flacher, leichter und tiefer liegend als der Vorgänger, kennt in keinem Drehzahlbereich auch nur den Ansatz von Gnade und tönt unter Volllast wie ein zwölfstimmiger Bläsersatz, den man durch einen Verzerrer gejagt hat. Bei jedem blitzschnellen Schaltvorgang mit den nicht gerade handschmeichlerisch geformten Schaltwippen scheint der Lambo im Corsa-Modus einen Satz nach vorn zu machen. Das ist Lamborghini in Bestform, hart und rau. Trotzdem erfreulich, dass auch bei langsamer Fahrt im Strada-Modus die Nickpausen nicht zu ausgeprägt sind. Auf dem Weg zum Sachsenring zeigt der Aventador seine überragende Highspeed-Kompetenz durch stoische Ruhe, eine für diese Zwecke nicht zu nervöse Lenkung und eine ermüdungsfreie Sitzposition.

Bremse weckt Vertrauen

Das (optionale) Premium-Soundsystem blieb bei der Fahrt aus, stattdessen haben wir uns von der zwölftöpfigen Heavy-Metal-Kombo beschallen lassen. Die Vorzüge des Aventador werden auf der Rennstrecke schnell deutlich: Die Vorderachse neigt auch wegen der perfekt auf den Lambo abgestimmten Pirelli P Zero Corsa weniger zum Untersteuern, das im Grenzbereich nicht unkritische Heckverhalten des Vorgängers kennt der Aventador nicht mehr dank einer sehr stabil geführten und sehr neutralen Hinterachse, auch das Überfahren der Kerbs meistert er sehr viel geschmeidiger. Die unglaublich bissige (Keramik-)Bremse mit konstantem Bremsdruck/-gefühl und dem völligen Fehlen von Fading führt schnell dazu, vertrauensvoll die Bremspunkte immer weiter nach vorn zu verlegen.

Agilität in neuer Dimension

Spielerischer, unkritischer – und schneller – war noch kein V12-Lambo zu bewegen. Der niedrigere Schwerpunkt und das betont straffe und sehr fein austarierte Fahrwerk eröffnen eine neue Dimension der Agilität. Wie erwartet zeigen die extrem harten Schaltvorgänge im Corsa-Modus auf der Rennstrecke ihre Schattenseite, da die Schläge bis ins Lenkrad durchdringen und hier für Unruhe sorgen. Dagegen hilft ein kurzes Gaslupfen während des Schaltvorgangs, was aber nicht ganz Sinn der Sache sein kann. Dagegen könnte das Zurückschalten einen Tick schneller geschehen. Doch das sind Petitessen bei einem Auto, das mit jeder Faser seiner Kohlefaserhaut Emotionen versprüht. Auch wenn es einen hin und wieder anbrüllt.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Technische Daten Lamborghini Aventador LP 700-4
Motor V12
Einbaulage Mitte hinten längs
Hubraum 6498 ccm
kW (PS) bei 1/min 515 (700)/8250
Nm bei 1/min 690/5500
Antriebsart Allrad
Getriebe 7-Gang sequenziell
Preis Testwagen 326.298 Euro
Hitliste
Auszug aus der Testwagen-Hitliste mit Rundenzeit, Topspeed und Durchschnittsgeschwindigkeit.
1. TechArt GT Street RS* 1:31,94 min 239,3 km/h 143,74 km/h
3. Porsche 911 GT2 RS* 1:33,51 min 233,1 km/h 141,33 km/h
6. Audi R8 GT* 1:34,45 min 229,6 km/h 139,92 km/h
7. KTMX-Bow R* 1:34,53 min 211,2 km/h 139,80 km/h
9. Porsche 911 GT3 RS* 1:34,75 min 230,7 km/h 139,48 km/h
11. Lambo Aventador LP 700-4* 1:34,84 min 234,3 km/h 139,35 km/h
13. Geiger Corvette ZR1 1:35,01 min 233,7 km/h 139,10 km/h
23. Lambo Murcielago 670 SV* 1:36,29 min 235,0 km/h 137,25 km/h
27. Porsche turbo PDK (997) 1:36,86 min 231,5 km/h 136,44 km/h
*Testfahrzeug mit Sportreifen. Straßenzugelassene Semislicks verbessern die Rundenzeit signifikant, sidn aber nicht alltagstauglich.
Autor:

Ralf Kund

Fazit

Extrem schnell, extrem teuer und deutlich agiler als selbst die Sportversion seines Vorgängers – der Lamborghini Aventador ist ein großer Schritt in der langen V12-Historie der Marke. Wer den Stier bei den Hörnern packt, wird dieses Erlebnis nie mehr vergessen. • Längsdynamik: 5 von 5 Sternen • Querdynamik: 4,5 von 5 Sternen • Alltag: 2 von 5 Sternen • Preis/Leistung: 3 von 5 Sternen • Emotion: 5 von 5 Sternen • Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen.

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