Lamborghini Gallardo della Polizia

Lamborghini Gallardo della Polizia Lamborghini Gallardo della Polizia

Lamborghini Gallardo della Polizia

— 15.05.2008

Schneller als die Polizei erlaubt

Autoverrückt sind sie, die Italiener! Aber von Polizistinnen lassen sie sich nur ungern stellen. Selbst, wenn diese im Lamborghini Gallardo anrollen – dem schnellsten Einsatzfahrzeug der Welt.

Laura, fahr den Wagen vor! Klingt ungewohnt, denn bei uns wird der Polizei-Assi Harry genannt und lenkt einen BMW 7er. Doch wir sind jetzt nicht im Villenvorgarten mit Kies und Mordopfer, wir sind in Rom. Und Laura ist nicht Dienerin eines alten Herrn. Sie gibt keine Antworten, sie stellt die Fragen. Etwa: "Wo ist mein Lamborghini-Schlüssel?" Lauras Dienstwagen ist ein Gallardo, ein Geschenk von Lamborghini an die italienische Staatspolizei. Zwei Stück bekamen die italienischen Gesetzeshüter, polizeifarben gelackt, überreicht auf der Piazza del Popolo. Die Einsatzfahrzeuge sind bestens bekannt, jeder gute Spielwarenhändler hat den Jungentraum im Regal. Doch wie der Alltag der beiden Gallardo aussieht, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Wir lüften es mal für Sie.

Der Sportwagen im Polizei-Dress ist über 200.000 Euro wert

Nur für den Dienstgebrauch: Der mehr als 200.000 Euro teure Gallardo im Polizei-Gewand ist ein Geschenk von Lamborghini.

Lamborghini-Kunden kaufen nicht gerne aus dem Katalog. Das gilt auch für die Polizei. Die 160.000 Euro teuren Lamborghini, ausgestattet mit Extras im Wert von rund 50.000 Euro, inklusive Blaulicht, Martinshorn, Erste Hilfe-Sonderkit mit Defibrillator, einem Elektrokardiogramm-Gerät und einer speziellen Kühlbox für Transplantationsorgane oder Blutplasma, rücken vorwiegend in Notfällen der Verkehrspolizei rund um die Standorte Rom und Bologna aus. Satellitennavigation, eine Hotline zur Polizeidatenbank und ein Videosystem zur Aufzeichnung von Verkehrsvergehen machen die Ausstattung komplett. Eigens entwickelte Pirelli-Winterreifen und Allradantrieb machen das Modell aus Sant'Agata ganzjahrestauglich. Normalerweise fährt die italienische Polizei Lancia und Alfa Romeo. Wenn er schwarz wäre, hätte er was vom Batmobil. Okay, die breiten, blau-weißen Streifen der Polizia di Stato nehmen dem Stier ein bisschen den Schrecken. Schlimm genug, dass man den Gallardo kaum ankommen sieht im Rückspiegel, weil er flach wie eine Flunder auf der Straße klebt und mit gut 300 km/h Spitzengeschwindigkeit sowieso viel zu schnell ist.

Eine Frau am Steuer sorgt für den Überraschungseffekt

Strenge Gesetzeshüterin: Die Frau am Lambo-Steuer sorgt bei Verkehrskontrollen für den Überraschungseffekt.

Peinlich, von dem röhrenden Roadrunner gestellt zu werden, im Feierabendverkehr auf dem Ring um Rom. Es gibt nur eins, das noch erniedrigender ist für den autofahrenden Italiener: Wenn die Lambo-Türen aufgehen und Laura und Giuseppina aussteigen. In gestärkten Uniformen, die engen Reiterhosen in kniehohen Lederstiefeln, das Revers voller Streifen, Orden und Glitzerplaketten. Dazu Hüte mit Goldbeschlag, perfektes Make-up und zum Äußersten bereit, wenn es irgendwo Stress gibt. "Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte!" In diesem Augenblick wird die Batman-Nummer plötzlich erschreckend real. "Der Überraschungseffekt ist eine Sache, eine Frau am Steuer eine andere", erklärt Laura, 36, studierte Politikwissenschaftlerin aus Rom. "Da muss mancher Mann erst dreimal schlucken." Mit Recht, denn wenn es soweit kommt, ist Schluss mit lustig. Polizistinnen gelten als knallhart und unbestechlich. Wenn die Polizei in der Beliebtheitsskala der Berufe unter Journalisten, Politiker und Immobilienmakler rangiert, genießen weibliche Staatsdiener frostiges Unter-Null-Image.

Giuseppina, 30, aus den Abruzzen, lächelt verlegen. Sie entschuldigt sich für ihr holpriges Englisch und hält sich auch sonst dezent im Hintergrund. Was möglicherweise mit daran liegt, dass sie nicht, wie die Kollegin, spielend in Konfektionsgröße 36 passt und die grauen Uniform-Reiterhosen nicht gerade Figurschmeichler sind. Schicksalsergeben lässt sie den Fototermin über sich ergehen, glücklich, dass sie "nicht täglich Model spielen muss". Englisch war auch nicht gefragt beim Auswahltest für das Lambo Special Squad. Nur 20 Kollegen kamen für die begehrte Gallardo-Lizenz in Frage. Nur die Besten, klar, von Quotenfrauen wollen die Damen nichts wissen. Sie durften zwei Tage lang mit dem Lamborghini-Testfahrer aus Bologna ein paar Rennrunden drehen und erfuhren nebenbei wertvolle Details zu Technik, Sicherheit und Sonderausstattung.

Nur die Besten dürfen im Polizei-Gallardo auf Streife gehen

Arbeitsplatz für die Besten: Wer hier auf Streife geht, der hat es geschafft.

Dass die beiden sich warm anziehen müssen als einzige Frauen im Gallardo-Team, erzählen sie erst, als ihr Boss einen Moment wegguckt. Der ist hocherfreut über das Medieninteresse, präsentiert die Ladies wie Oscar-Preisträgerinnen und nutzt den Fototermin im sonnendurchfluteten Innenhof der Alessandro Magnasco-Str. 60 gekonnt zur Eigen-PR. Aber wenn das Hauen und Stechen um die Gallardo-Schichten losgeht und der besterzogenste Polizist seine Kinderstube vergisst, kann auch er nichts tun. "Du musst du besser sein als alle anderen zusammen, um hier ernst genommen zu werden", sagt Laura. Selbst dann bleiben einem Macho-Sprüche à la "Frauen können nicht einparken" nicht erspart, erklärt sie und vermutet: "vielleicht eine Mentalitätsfrage". In so einem Umfeld bekommt man schnell ein dickes Fell. Es gibt allerdings auch Jobs, wo ganz unerwartet Respekt von den männlichen Kollegen kommt. Wie neulich, auf der viel befahrenen Rowdy-Strecke Salerno-Reggio Calabria, einem Haupteinsatzgebiet des römischen Polizei-Gallardos, besonders in den Sommermonaten, wenn Fahrzeuglawinen aus dem Süden nach Rom rollen. Ein Wagen aus Mailand und einer aus Neapel waren zusammengestoßen, zwei Familien standen starr vor Schock daneben.

Am Ende wird es halb so schlimm sein wie es erst aussah. Aber der kleine neapolitanische Junge ist so überfordert von dem zerbeulten Auto, seiner blutüberströmten Mutter und der ganzen Situation, dass er nicht mehr sprechen will. Als Laura mit einem Kollegen im weiß-blauen Lamborghini Gallardo aufkreuzt, ist das Schlimmste überstanden: Ihr Kollege leistet erste Hilfe, der Krankenwagen ist alarmiert, Laura beruhigt den Kleinen: "Mach Dir keine Sorgen um das Auto", sagt sie und zeigt auf das Wrack im Graben. "Ihr kauft Euch ein neues! Vielleicht so eins wie meins?" Da lächelt der Kleine. Ihr Kollege auch, nicht ohne Stolz.

Über Rom geht die Sonne unter. Im Innenhof des Polizeipräsidiums posieren Laura und Giusi für einen letzten Schnappschuss auf der Gallardo-Motorhaube. "Einmal in diesem Wagen von München nach Hamburg fahren, das wäre mein Traum", sagt Laura. "800 Kilometer, nur auf der linken Spur, Spaß pur, ohne Kamera und Martinshorn und all das." 

Für den Gallardo wird dieser Traum von einem Leben ohne Kamera und Martinshorn sehr bald zur Realität, denn Lamborghini will das Gallardo-Facelift der italienischen Polizei nicht vorenthalten; dies konnte man auch bei der ersten Fahrpräsentation in Las Vegas hören. Die beiden "alten" Gallardo kommen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Auch das neue Arbeitsgerät für Laura und Giuseppina wird mit einer Sonderausstattung im Sinne von James Bond für allerhöchste Mitarbeiterzufriedenheit bei der italienischen Polizei sorgen. Was genau, kann und will bei Lamborghini natürlich keiner sagen. Wir versuchen, Laura und Giuseppina auf den Fersen zu bleiben. Wird nicht leicht, denn der neue Gallardo tritt mit 560 PS seine Dienststelle an.








Autor: Katja Büllmann

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.