Lamborghini Gallardo GT3 im Tracktest

Der Lamborghini Gallardo GT3 auf der Strecke Der Lamborghini Gallardo GT3 auf der Strecke

Lamborghini Gallardo GT3 im Tracktest

— 18.10.2010

Prinzen-Kutsche

Reiter Engineering, Kox, Thurn und Taxis und Gallardo LP 560 GT3 heißen die Sieger des ADAC GT Masters 2010. Warum dieses Quartett so erfolgreich ist, klärt der exklusive Tracktest.

Die Boxengasse ist leer. Kein Motorengeräusch. Ein schwarz-weißer Wagen steht aufgebockt vor einer Box. Dessen Frontscheibe ist noch vom Schampus verschmiert. Im Cockpit steigt ein Aroma aus Benzin und Schweiß in meine Nase. Vor 20 Stunden kämpften hier drinnen noch Peter Kox (46) und Prinz Albert von Thurn und Taxis (27) um den Sieg beim Rennen des ADAC GT Masters. Dann, wie aus dem Nichts ein lautes "Hallo. Ich bin der Albert und will dir mal mein Auto zeigen." Na dann mal los. "Alles ganz einfach. Der fährt sich wie ein normaler Gallardo, nur eben ein bisschen schneller. Hauptschalter ein, Starterknopf – und los. Fahr die Bremsen erst warm, dann kannst du den Stier ruhig freien Lauf lassen."

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Einigkeit: Prinz Albert von Thurn und Taxis und Tracktester Guido Naumann freuen sich über den gelungenen Test.

Hallo? Wie darf ich das denn verstehen? Soll ich mich etwa an die Rundenbestzeit der Profis aus den Rennen herantasten? Das versuche ich lieber nicht, denn 315. 000 Euro Kaufpreis für den Lambo sind kein Pappenstiel. Also, wie der Prinz sagte, einfach starten und los. Die beiden Schaltwippen hinter dem abnehmbaren Lenkrad reagieren tadellos. Rechts geht's hoch und links gangabwärts. Die ersten zwei Runden bringe ich den Gallardo und dessen Michelin-Slicks auf Temperatur. Der Lambo fühlt sich so unter Halbgas wirklich wie ein Straßenauto an. Dann der Luftdruck-Check in der Box. Prinz Albert und sein Mechaniker Georg geben mir ein Okay und rufen noch hinterher: "Wir nehmen auch deine Rundenzeiten per Messgerät auf."

In der Mittelkonsole kein Navi und keine Klimaanlage

Druck erhöht: Der Abtrieb des Lamborghini Gallardo GT3 wird unter anderem über den Heckflügel gesteuert.

Ja klar, aber hier geht Vernunft vor Speed. Endlich kann ich das sequenzielle Hollinger-Renngetriebe so schalten, wie es sich gehört. Also bis die grellen Dioden vor mir in die rote Farbe wechseln. Unglaublich, wie die Reiter-Fuhre jetzt nach vorne schiebt. Alles untermalt von einem Motorsound, den ich mit nichts vergleichen kann. Schreien, Fauchen, ein leichtes Knallen beim Schalten – einfach alles abartig. Dieses Auto hat rein gar nichts mehr mit einem Straßen-Lamborghini zu tun. Dank des erlaubten Kiloschwundes (Serien-Gallardo 1430  kg, Rennauto 1190  kg) hat das Reiter-Team aus dem bayerischen Kirchanschöring den Italiener ausgiebig erleichtert. Front- und Heckpartie sowie Seitenschweller sind aus Karbon.

Das Zusammenspiel aus Frontsplitter, Diffusor, monströsem Heckleitwerk und einem geschlossenen Unterboden in Aluminium-Sandwichbauweise sorgt für den nötigen Abtrieb. Das GT3-Reglement erlaubt sogar den im Serienwagen verbauten Allradantrieb zu kappen. Fortan geht es, wie es sich für einen echten Rennwagen gehört, mit Heckantrieb über die Pisten. Speziell für das GT3-Fahrzeug gefräste Radträger, geschweißte Renn-Querlenker und das vollverstellbare Rennfahrwerk sind weitere Grundlagen für die Siegestour. Auf der Start-Ziel-Geraden kann ich kurz das Cockpit begutachten. Nichts mehr da vom edlen Lambo-Feeling.

Der Prinz und der Lambo haben beide was drauf

Nacktes Blech, Karbon und Überrollkäfig. In der Mittelkonsole kein Navi und keine Klimaanlage. Dafür ein Schalterpult mit Tasten für Wischer, Licht und Feuerlöscher. Darunter zwei Drehräder zum Einstellen von Motor und Traktionskontrolle. Und dann schaue ich doch mal von Runde zu Runde auf die Zeiten im Display. Und siehe da, pro Runde werde ich 0,5 Sekunden schneller. Als ich mich wieder aus dem Cockpit schäle und schon die Siegesfaust erheben will, kommt von Albert die Ansage: "Nicht schlecht für einen Schreiberling. Trotzdem fehlen dir fast zwei Sekunden auf meine Zeit." Tja, der Prinz und der Reiter-Lambo Gallardo LP 560 GT3 haben eben beide etwas drauf.
Technische Daten Lamborghini Gallardo GT3
Motor V10
Einbaulage Mitte längs
Hubraum 5211 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette
PS bei U/min 560/8000*
Literleistung 110 PS/Liter
Nm bei U/min 550/6500
Antriebsart Hinterrad
Getriebe 6-Gang sequenziell
Reifen vorn / hinten 300/650 –18 / 310/710 -18
Reifentyp Michelin
Länge/Breite/Höhe 4345/1920/1100 mm
Radstand 2560 mm
Leergewicht 1190 kg ohne Fahrer
Leistungsgewicht 2,1 kg/PS
Tankvolumen 128 l
Kraftstoffsorte Super Plus (100 Oktan)
Messwerte Lamborghini Gallardo GT3
Beschleunigung 0–100 km/h ca. 3,1 s
Beschleunigung 0–200 km/h ca. 9,0 s
Bremsweg aus 100–0 km/h ca. 25 Meter
Höchstgeschwindigkeit bis zu 280 km/h
Fahrzeugpreis inkl. MwSt. 315.350 Euro
*gedrosselt wegen Air Restrictor

Autor: Guido Naumann

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