Lamborghini Huracán Spyder: Fahrbericht

Lamborghini Huracán Spyder (2016): Fahrbericht

— 30.01.2016

Der offene Lambo geht unter die Haut

Satte 610 PS, nur 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 324 km/h Spitze – der Lamborghini Huracán Spyder zaubert ein breites Grinsen ins Gesicht. Fahrbericht!

Der Schlüssel zum Käfig, in dem dieses Untier von Motor auf seinen Einsatz lauert, versteckt sich unter einer roten Abdeckhaube in der Mittelkonsole: Alu-Gatter anheben, Startknopf drücken, inne halten. Sogar im friedlichen Strada-Modus mit den relativ verbindlich agierenden Verstelldämpfern (Option), der noch in sich ruhenden Aktivlenkung (Option) und dem lässigen Dreivierteltakt-Hochschaltrhythmus spürt man seine Kraft. Nein, der Lamborghini Huracán Spyder ist ganz sicher kein Auto für Vernunftmenschen. Aber eine Art Ritterschlag für Tierbändiger, die es sich zutrauen, das zehnzylindrige Unwesen mit seinen 610 PS zu zähmen.
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Vier armdicke Endrohre pusten einen Sound heraus, der den TÜV-Prüfer fast taub werden lässt.

Angst? Nicht direkt. Doch dieser Lambo geht schon unter die Haut. Das Verdeck dämmt kaum besser als drei Lagen Seidenpapier, die Geräuschkulisse klingt bereits im Leerlauf etwas animalisch. Sie hätten es gerne noch unmittelbarer, ganz ohne Filter und Weichzeichner? Ecco – schon öffnet sich der dunkle Baldachin, in nur 17 Sekunden und gibt den Blick frei auf den Himmel. Während die sekundären Bedienfunktionen an ein mittelschweres Sudoku erinnern, sind die wesentlichen Fahrhilfen genau dort, wo sie sein sollen. Das abgeflachte Lenkrad lässt sich sauber greifen, die Alu-Pedalerie liegt uns mittig zu Füßen, die starren XXL-Schaltpaddel können selbst Grobmotoriker kaum verfehlen.

Keuchhustende Schnappatmung

Erst ab 8500 Touren läuft der 5,2 Liter große V10 im roten Bereich. Die Instrumente sind digital.

Höchste Zeit für den Taktwechsel von Strada zu Sport – Krallen ausfahren, kurz böse fauchen, und dann ansatzlos die Tonleiter bis zum Begrenzer hochgrollen. Im Gallardo haben wir das e-gear-Getriebe noch als pubertierende Heckmeck-Mechanik verflucht, doch im Huracán gelingt es dem Chef-Chip fast mit links, Ruhe und Disziplin in die Doppelkupplungs-Truppe zu bringen. Die Hochschaltklatschen sind sauber gesetzt, das Rückschaltstakkato kennt keine fahrigen Ausreißer. Der Motor hängt jetzt noch besser am Gas, die Lenkung zackt gieriger in Richtung Scheitelpunkt, die Dämpfer sind deutlich kürzer angebunden, der Allradantrieb wuchtet den Löwenanteil der bis zu 650 Nm an die Hinterhand.

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Auf die Pflicht folgt die Kür. Die heißt Corsa und würzt alle variablen Fahrmodi. Gedämpft wird ab sofort so gut wie gar nicht mehr, in jeden Schaltvorgang schlägt ab Teillast der Blitz ein, der Sauger verfällt beim Gaswegnehmen in keuchhustende Schnappatmung, das ESC führt die Querbeschleunigung jetzt an der extra langen Leine.

In 3,4 Sekunden auf 100, erst bei 324 km/h ist Schluss

In 17 Sekunden öffnet sich das Dach des Spyder – mit einer aufwändigen Mechanik.

Wenn es sein soll, brüllt uns der offene Huracán in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, beugt sich erst bei 324 km/h den Fahrwiderständen, und jagt zwischen 12,3 Liter (EC-Traum) und über 20 Liter (Wirklichkeit) durch die Einspritzdüsen. Aber Vollgas ist in diesem Lambo absolut kein Muss. Mit offenem Dach erschnüffeln wir lieber cruisend späte Fenchelfelder, genießen das eigentlich unnötige Zurückschalten vor der scharfen Rechtskurve, bieten dem Fahrtwind die Stirn und setzen bei den ersten Regentropfen das Großsegel, freilich nicht ohne zuvor die Heckscheibe in der Versenkung verschwinden zu lassen. Den kompletten Fahrbericht vom Lamborghini Huracán Spyder gibt es in der aktuellen AUTO BILD 4/2016. Dazu im neuen Heft: Drei neue BMW – 3er, X5 und Z5. Und: Großer Test – die besten Vierzylinder der Welt.

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Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

911 Turbo Cabrio, Ferrari 488 Spyder, ein offener R8. Allesamt feine Autos, wenn auch auf Linie gebrachte, glatt geföhnte Leistungsträger ohne nennenswerte Schwächen. Dass es sich trotzdem lohnen kann, mehr Risiko zu nehmen, beweist der Huracán Spyder, ein bunter Hardcore-Papagei mit vielen Ecken und Kanten, der gerade deshalb einen festen Stellplatz in unserer automobilen Erlebniswelt verdient.

Stichworte:

Supersportwagen

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