Vier Lamborghini SV im Vergleich

Lamborghini SV: vier Modelle im Vergleich

— 27.09.2015

Die Bullen kommen!

Die schnellsten Lamborghini heißen SV. Wir haben die vier bisherigen Träger des Sportabzeichens versammelt: Miura, Diablo, Murciélago und Aventador.

Dem besonderen Tag geht eine annähernd schlaflose Nacht voraus. Die Klimaanlage nervt, kurze Einnickphasen werden von unschönen Traumsplittern unterbrochen: zerborstene Kohlefaserteile, quietschende Reifen, krachendes Blech, davonlaufen wollen vor einem wütenden Stier mit übergroßen Hörnern aus bläulich schimmerndem Metall, aber nicht vom Fleck kommen ... Als wäre es das erste Date mit besonderen Lambos, was es aber nicht ist. Oder doch?

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Video: Lamborghini (1972 bis 2015)

Superveloce: von Miura bis Aventador

Irgendwie schon, denn vier Lamborghini SV, von 1972 bis 2015, trifft man zusammen nicht alle Tage. Nicht einmal im Lamborghini-Museum in Sant’Agata, denn da fehlt einer, den wir uns erst einmal mit viel Aufwand besorgen mussten. Punkt zehn Uhr ist alles vergessen: In einer Box des Autodromo di Modena stehen ein Miura P 400 SV von 1972, ein Murciélago LP 670-4 SV von 2009 – beides Leihgaben aus dem Lamborghini-Museum – und ein Aventador LP 750-4 SV von 2015. Kurz darauf trifft dann noch der Transporter mit dem Diablo SV von 1999 ein, den wir mit Unterstützung seines hochgradig mit dem Stier-Virus infizierten Besitzers und mit Hilfe von Lamborghini-Pressechef Gerald Kahlke aus dem Kölner Raum bis hier nach Modena trailern ließen. Vier Lamborghini SV, was dreimal für Superveloce und im Fall des Diablo für Sport Veloce steht, warten darauf, ein bisschen fotografiert, gefilmt und natürlich gefahren zu werden. Und keinem sieht man auch nur geringste Aufregung an.
Neun schräge Fakten zu Lamborghini

Im SV-Trimm feuert der Miura 385 PS auf den Asphalt

Der erste seiner Art: Mit dem Miura begann die bis heute vierteilige Geschichte des Superveloce.

Das Kürzel SV hat für Lamborghini – Fans der Marke und Autobesitzer – eine besondere Bedeutung, weil es zum ersten Mal für den Miura vergeben wurde. Heute kennt man den Miura als ersten Lamborghini mit einem Stiernamen und hinreißend gezeichneten Supersportler, der den Markennamen Mitte der 60er-Jahre weltbekannt machte und jedem Quartettspieler einen mächtigen Trumpf in die Hand legte. Speziell Bob Wallace – damals Mechaniker und Testfahrer – arbeitete stetig daran, das Potenzial des Miura weiter in Richtung Sport zu drehen, was im rollenden Labor Miura Jota gipfelte, dem Vater des Miura P400 SV. Letzterer geht mir gerade bis zur Hüfte, ist einer von rund 150 jemals produzierten und duftet nach Sprit, Öl und mehr als 40 Jahre altem Leder. Als letzte Ausbaustufe des Miura ist der SV mit 385 PS nicht nur stärker; vor allem hatte man Reifen und Spur verbreitert, die Karosserie versteift und die hinteren Dreieckslenker durch Doppel-Querlenker ersetzt, Sperrdifferenzial und Trockensumpfschmierung appliziert. Geblieben ist die froschoide Sitzposition; man greift das schlichte Lederlenkrad und checkt, wo die Pedale sitzen.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Die Aussicht aus einem Miura ist so schlecht wie phänomenal: Nach vorn blickt man durch die riesige Scheibe auf die geschwungenen Kotflügel und die schwarzen Luftgitter, nach hinten sieht man außer dem quer liegenden Motor inklusive des Gestänges der Drosselklappen fast nichts. Aber wozu muss man im schnellsten Auto der späten 60er und frühen 70er auch nach hinten schauen?

Im allerersten Super Veloce ist viel Fahrkunst gefordert

Nicht einfach: Ein schnelle Runde im Miura muss man sich am Steuer ganz schön hart erarbeiten.

Also ab im vorgewärmten Miura auf die erste softe Orientierungsrunde. Die reicht für ein durchgeschwitztes Hemd, denn den Miura muss man sich mit Kraft erarbeiten, wie es in servolosen Zeiten üblich war. Die Schaltung will vorsichtig geführt werden, das Zurückschalten in den zweiten Gang geht nur mit Zwischengas, und das Lenkrad dient wegen der konturlosen Sitze auch ein wenig zur Abstützung. Nach einer Runde stellt sich leichte Vertrautheit ein, die Drehzahlen steigen (mit Rücksicht auf den millionenteuren Museumsschatz aber nicht allzu viel), und der knallgelbe Mittelmotorsportler scheint Spaß daran zu haben – die sechs Weber-Doppelvergaser machen Party. Sehr neutral, exakt und vor allem überraschend schnell lässt sich der Miura um den recht engen Motorradkurs dirigieren. Mit einem blitzartigen Dreher in einer glatten Kurve zeigt der Urahn aller Supersportler-Stiere dann seine Hörner und fordert mehr Gefühl, was er mit wunderbar geschmeidigem Kurvenwedeln belohnt.

Die Details zu den anderen Lamborghini SV – inklusive der Rennstrecken-Fahrberichte – gibt es oben in der Bildergalerie.
Autor:

Ralf Kund

Fazit

Sollte mich jemals der Tinnitus ereilen, dann bitte mit dem V12-Klang eines Lambo-SV. Ob nun vom schönen Miura P400, dem atemberaubenden Diablo, dem brandschnellen Murciélago LP 670-4 oder dem Überflieger Aventador LP 750-4, ist dabei vollkommen egal. Diese vier Prachtboliden charakterisieren Lamborghini aufs Beste: ein Hersteller außergewöhnlicher Supersportwagen mit dem typisch italienischen Flair.

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