Fahrbericht Lancer Evo IX von CDT

CDT Lancer Evo IX CDT Lancer Evo IX

Lancer Evo IX von CDT

— 08.05.2006

Grimmiger Gipfelstürmer

Ein Riese aus dem Zwergstaat: Der Liechtensteiner Tuner CDT macht aus dem Lancer Evo IX einen martialischen Sportler ohne Kompromisse.

Technische Daten, Tuning und Preis

Das kennen Sie bestimmt. Sie sitzen im Kino. Der Streifen ist flach, die Handlung albern. Die Kulissen sind billig, die Darsteller bescheiden, die Dialoge hanebüchen. Trotzdem fühlt man sich unter Umständen prächtig unterhalten. Weil die Action stimmt. Der von CDT getunte Mitsubishi Lancer Evo IX markiert das B-Movie unter den Tuningfahrzeugen. Gewisse Defizite gesteht der aufgeblasene Japaner offenherzig ein: Das Fahrwerk schockt mit irrsinniger Härte, der Auspuff mit ohrenbetäubendem Geschrei. Ab Tacho 250 beginnt die Motorhaube, nervös zu zucken, Windgeräusche schwellen zu Kriegsgeheul an.

Geschwürartig aus der A-Säule herauswuchernde Zusatzinstrumente unterbinden die Benutzung der Sonnenblende und irritieren nachts mit grellgrüner Illuminierung. Der labil montierte Sportschaltknauf schmälert weiter die schon ab Werk alles andere als überragende Schaltbarkeit. Die Rückgabe des Testwagens löste beim zuständigen Redakteur trotzdem depressive Stimmungen aus. Warum? Weil ein Anflug von Trash-Appeal irgendwie sexy wirkt. Weil Fahrspaß für CDT offensichtlich mehr ist als eine leere Worthülse. Weil der getunte Lancer aussieht, als wäre er einem Manga entsprungen. Und natürlich, weil die Action stimmt.

CDT steht für Carbon Design Tuning. Dem C im Namen macht der Evo IX alle Ehre: Sowohl Haube als auch Kofferraumklappe bestehen aus Kohlefaser. Die Frontschürze will trotz offensiver Formensprache vorrangig zweckmäßig sein. Ihr gieriger Riesenschlund schafft Platz für den großflächigen Ladeluftkühler. Der in den Grill integrierte Ram-Air-Schnorchel verdichtet die Ansaugluft und bringt bei hohen Geschwindigkeiten mehr Leistung. Die ab Werk herausragenden Anlagen rührt CDT nicht an: Die Sportsitze – tadellos, die Funktionalität – top, die Lenkung – traumhaft. Stattdessen konzentriert sich der Tuner auf das Wesentliche: mehr Power, mehr Agilität.

Fahrleistungen und Fazit

Vor allem letzteres stellt eine Herausforderung dar – das Handling des Serien-Evo scheint kaum verbesserungsfähig. CDT will es wissen: Das höhen- und härteverstellbare KW-Gewindefahrwerk senkt die Karosserie um 40 Millimeter ab. Zudem versteifen verstellbare Stabilisatoren und härtere Fahrwerkslager den Evo. Das Resultat überzeugt. Auf der Rennstrecke wird der Evo zum Superstar und läuft zu bestechender Form auf. Semi-Slicks und Bremsanlage benötigen zwar ein Weilchen, um auf Temperatur zu kommen. Dann jedoch meint der Pilot, sich im Paradies wiederzufinden.

Lenkung, Fahrwerk, Motor – alle Mosaiksteinchen fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Manöver, die jedes andere Auto mit tückischen Heckschwenks, hilflosem Reifenquietschen oder verzweifeltem Untersteuern quittieren würde, lassen den CDT-Evo völlig unbeeindruckt. Selbst Harakiri-Aktionen ziehen keinerlei fatale Konsequenzen nach sich. Fast ohne Seitenneigung keilt das Auto sogar durch enge Spitzkehren mit unerschütterlicher Neutralität. Gasgeben bei vollem Lenkeinschlag weit vor dem Scheitelpunkt? Überhaupt kein Problem. Der Motor paßt perfekt zum grandiosen Fahrverhalten.

Kurzzeitig stehen bis zu 1,4 bar Ladedruck zur Verfügung. Aber auch ohne Overboost schiebt das Fahrzeug ab 3000 Umdrehungen so heftig an, daß man befürchtet, die geballte Drehmomentfaust könnte den Antriebsstrang zertrümmern. Das PS-Kit von CDT umfaßt eine Auspuffanlage mit Metallkats, einen Ladeluftkühler im XXXL-Format, einen modifizierten Ansaugtrakt sowie eine leistungsfähigere Benzinpumpe. Die angepaßte Elektronik steuert der renommierte deutsche Chiptuner Helmut Koch aus Schopfheim bei. Mit anderen Worten: Macht unterm Strich 120 Mehr-PS (400 statt 280 PS) – die mit 4690 Euro sogar erstaunlich günstig sind. Mehr als genug Power für filmreife Blitzstarts – demnächst auch an Ihrer Ampel.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ben Arnold: Ein kompromißloses Spaßauto par excellence: Die Bestzeit in Oschersleben (Limousinen-Wertung) überrascht nicht wirklich. So irreal der spoilerbewehrte Lancer im alltäglichen Straßenverkehr wirkt, so überirdisch gibt sich das Setup. Das Fahrverhalten scheint der Physik zu trotzen, der rustikale Turbomotor imponiert mit himmlischer Schubkraft.

Autor: Ben Arnold

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