Lancia Kappa Coupé 2.4

Lancia Kappa Coupé Lancia Kappa Coupé

Lancia Kappa Coupé 2.4

— 30.08.2009

Ein Klassiker der Moderne

Leistungssport beherrschen andere besser. Das Lancia Kappa Coupé ist ein schneller, subtiler GT für die italienischen Momente im Leben. Zwar ein finanzielles Desaster, aber ein Auto zum Niederknien.

Als Mutter Fiat zur Tochter Lancia wirklich nichts mehr ein­fällt, kommt 1993 der Kappa. So ein undefiniertes Viertürer-Ding für die obere Mittelklasse, das vieles gut und nichts besonders kann, vorn aussieht wie ein Ro­ver-Honda und fortan vor allem Carabinieri und oberen Staats­dienern ans Bein gebunden wird. Einige Privatleute kaufen ihn tat­sächlich auch – vermutlich in Er­innerung an bessere Zeiten, als Lancia arm war, aber sexy. Über Jahre wurde dort die ge­ringstmögliche Anzahl verschie­denartiger Fahrzeuge gebaut, vom edlen Kompakten bis zum Lastwagen. Mal gab es Front-, mal Heckantrieb. Triebwerke wurden in V-Form, als Boxer- oder eben als V-förmiger Reihen­motor angeboten.

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Drei Motoren gibt es, keiner wie der andere. Ein Reihenfünfzylinder markiert mit 2,4 Liter Hubraum und 175 PS den Einstieg.

Alles war er­laubt, nichts verdiente Geld. Ein finanzielles Desaster, aber Autos zum Niederknien. 1969 übernimmt Fiat den La­den, weiß aber auch nicht weiter. Das letzte Aufbäumen kommt 1996, der finale Akt der Selbstde­montage heißt Kappa Coupé. Der Zweitürer ist an­ders, exklusiv und für seinen Her­steller ein grau­sam schlechtes Geschäft. Ein echter Lancia. Ge­nauer: der letzte echte Lancia. Der Kappa hat alles, was Lancisti glücklich macht. Drei Mo­toren gibt es, keiner wie der andere. Ein Reihenfünfzylinder markiert mit 2,4 Liter Hubraum und 175 PS den Einstieg. Darüber wirkt der rauchige Dreiliter-V6 der Konzernschwester Alfa Romeo, den Lancia aber nur mit Automatik verkauft – das Poten­zial seiner 204 PS verkümmert. Kurz vor Schluss kommt noch ein Zweiliter-Turbo mit vier Zy­lindern und 220 PS, ein Ergebnis der italienischen Luxussteuer auf hubraumstarke Motoren. Am Wesen eines Kappa Coupé ändern sie alle nichts. Es ist kein Asphaltbrenner, sondern ein klas­sischer Gran Turismo, der alles tut, um seine Limousinen-Gene zu verschleiern. Vorn schnüffelt das Kappa Coupé tief am Boden, um die Taille pummelt es, und unten schauen die Räder wie zu kurz geratene Beine heraus.

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Hüftgold: Die Gürtellinie des Kappa Coupé geriet arg füllig, kleine Räder und schmale Fenster betonen die Wucht der Flanken.

Kei­ne Frage, die Carrozzeria Maggiora aus Turin, die Entwurf und Fertigung des Kappa Coupé übernahm, hat schon bessere Entwür­fe abgeliefert. Egal: Wer den Cha­rakter des Kappa Coupé nicht verstehen will, soll halt wieder ei­nen BMW nehmen. Architekten und Kulturmenschen mit Faible für italienisches Design greifen hingegen gern zu. Sie freuen sich über das großzügige Platzangebot, ignorieren das fiese Plastikholz im Cockpit und legen nach: Oft gönnen sie sich für 2500 Mark die Lederausstat­tung des Luxus­möbel-Herstellers Poltrona Frau, der auch für Ferrari sattelt. Ach ja: Typen wie Mercedes CLK und Peugeot 406 sind deut­lich billiger. Sanfte 3271 Kappa Coupé baut Maggiora in fünf Jahren, 400 davon gehen nach Deutschland. Als im Jahr 2000 der Vorhang für die Baureihe fällt, ist der Karosseriebauer pleite. Ge­kränkelt wird bei Lancia immer noch. Nur echte Lancia, die gibt es nicht mehr.
Technische Daten Lancia Kappa Coupé 2.4
Motor Fünfzylinder-Reihenmotor
Hubraum 2446 cm³
Leistung 175 PS bei 6100/min
max. Drehmoment 231 Nm bei 3750/min
Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 4667/1826/1465 mm
Leergewicht 1430 kg
Reifen 205/55 R 16
Bremsen Scheibenbremsen rundum
Aufhängung Einzelradaufhängung an Querlenkern und Dämpferbeinen vorn, an Längslenkern hinten
Spitze 218 km/h
0–100 km/h in 8,7 s
Verbrauch ca. 11 Liter Super/ 100 km
Neupreis 1997 63.100 Mark

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Plus/Minus Großzügig am gängigen Geschmack vorbeigeplant, leicht schräg in der Form, durchaus individuell motorisiert: Mit diesen eigensinnigen Tugenden darf das Kappa Coupé in Idee und Aus­führung als einer der letzten echten Lancia gelten. Allein deshalb muss man ihn mögen, der GT hat definitiv Charme. Dass es weder um die Detailqualität noch um das Image des edlen Lancia zum Besten steht, muss eben akzep­tiert werden. Ein Hochpreis-Klassiker wird das Kappa Coupé ohnehin nie werden.

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Ersatzteile Bis zur A-Säule stimmt das Kappa Coupé mit der in großen Stückzahlen produzierten Limousine überein, auch für Antriebsstrang und Fahrwerk gelten die Regeln der Großserie: alles gut verfügbar, vielfach auch gebraucht zum Billigpreis zu haben. Dieser Ab­schnitt dürfte auch in Zukunft wenig Sorgen machen. Für coupéspezifische Karosserieteile droht aber aufgrund der Kleinserienfertigung ein Versor­gungsengpass, Gleiches gilt für Teile der Innenausstattung wie das Highend-Luxusleder. Gute Pflege wird sich auf Dauer auszahlen.

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Marktlage Die Situation ist verführerisch: Im Falle des Lancia Kappa Coupé gibt es für wenig Geld viel Auto und einen Mar­kennamen, der unter Oldtimer-Liebhabern noch immer herrschaftlichen Klang besitzt. Zwischen 4000 und 10.000 Euro ist alles möglich, die per­sönliche Präferenz für Motor und Aus­stattung dürfte den Ausschlag geben. Für echte Lancisti und solche, die es werden wollen, ergibt sich jetzt noch die Gelegenheit, ihre Randgruppen-Sympathie günstig auszuleben.

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Empfehlung Ein großes Coupé von Lancia wird es wohl nie mehr geben, allein dieser Umstand macht das Kappa Coupé begehrens- und empfehlenswert. Abseits des automo­bilen Mainstreams bietet der Kappa einen Hauch Glamour mit durchaus robuster Technik. Weil deren Reparatur schnell den Zeitwert übersteigt, lohnt sich in jedem Fall der Kauf eines teureren, besser gepflegten Exemplars – das kann dann in Ruhe zum Klassiker reifen.

Autor: Jan-Henrik Muche

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