Lancia Thema: Fahrbericht — 21.10.2011
Ein Ami wird Europäer
Der neue Lancia Thema ist startklar. Die Italiener haben alles daran gesetzt, dem ehemaligen Ami europäische Manieren beizubringen. Ob das geklappt hat, klärt der erste Fahrbericht.
Okay, sicher leiden sie bei diversen Lancia-Oldtimerclubs immer noch unter Schnappatmung. Ein
Lancia, der eigentlich ein
Chrysler ist, zu schrecklich, diese Vorstellung für viele. Dabei vergessen diese Leute, dass die Zeiten, in denen die stolze Marke Lancia mit Modellen wie Aurelia und Flaminia zeigte, wie man Hightech-Premiumautos baut über 40 Jahre zurück liegen. Und sie denken vermutlich auch nicht daran, dass die letzten Oberklasseautos mit dem Lancia-Logo wenig Anlass für Begeisterungsstürme boten. Warum also nicht dem Chrysler mit dem Lancia-Grill eine Chance geben?
Stärkere Stabis sowie härtere Federn und Dämpfer sollen dem Thema das US-typische Schaukeln abgewöhnen.
Eine Milliarde Dollar haben Chrysler und Lancia in die Weiterentwicklung des 300 C investiert, sagen sie. Und es sei praktisch ein komplett neues Auto. Ist es natürlich nicht. Karosserie und Fahrwerk stammen aus fast vergessenen DaimlerChrysler-Zeiten, die Mehrlenker-Hinterachse der alten Mercedes
E-Klasse sitzt jetzt in einem Lancia. Das Fahrwerk wurde gestrafft, stärkere Stabis, härtere Federn und Dämpfer sollen dem Thema das US-typische Schaukeln abgewöhnen. Und eine neue elektrohydraulische Servolenkung für europäische Lenkpräzision sorgen. Mission geglückt, dieser Eindruck bleibt nach dem ersten Fahreindruck haften. Klar, der
Lancia Thema ist weit von der Agilität und Fahrdynamik eines
A6 oder
BMW 5ers entfernt, doch verglichen mit dem alten 300 C fährt der Thema sehr ordentlich. Die Lenkung ist nicht zu leichtgängig, die großen 20-Zöller (Serie beim Executive) rollen vergleichsweise geschmeidig ab und das Fahrwerk schluckt ganz gut was weg. Nur grobe Unebenheit gibt es humorlos weiter.
Neuer Dreiliter-Selbstzünder für den Thema: Der V6-Diesel leistet 190 bzw. 239 PS.
Zum komfortablen Gesamteindruck trägt der neue Dreiliter-Selbstzünder bei. Der V6-Diesel – lieferbar in zwei Leistungsstufen mit 190 und 239 PS – ist eine Gemeinschaftsentwicklung von VM Motori und
Fiat Powertrain und er gefällt mit leisem, kultiviertem Lauf und harmonischer Leistungsentfaltung. Für die Kraftübertragung ist eine betagte Fünfgangautomatik zuständig, ebenfalls ein Erbe aus der Daimler-Ära. Der ebenfalls lieferbare Pentastar-Benziner mit 286 PS verfügt dagegen über eine moderne ZF-Achtgangautomatik. 2012 soll der Diesel ebenfalls das ZF-Getriebe erhalten. Was es sonst noch zu sagen gibt? Das Interieur hüllt sich in edles Leder, Instrumente und Schalter sind dennoch alte Chrysler-Ware. Ebenso das Navi, das zwar über einen 8,4-Zoll-Monitor verfügt, aber mit grobpixeliger Grafik und langen Rechenzeiten zeigt, dass es nicht mehr ganz up to date ist. Das Platzangebot ist übrigens gemessen an der Größe des Lancia nicht besonders üppig, Knieraum und Kopffreiheit im Fond haben nur Mittelklasseformat. Wer dem Lancia wirklich eine Chance geben will, kann ab 12. November 2011 beim Händler vorbei schauen, ab 41.400 Euro ist der Thema dann zu haben. Gucken darf man auch gratis.
Kommentare zum Artikel (54)
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Ich habe mir den Lancia Thema gekauft, hatte vorher den 300 C Touring, von dem ich noch immer begeistert bin. Wenn man vergleicht, dass ein 3,0 TDI A6 bei vergleichbarer Ausstattung (Leder etc..) mehr als das DOPPELTE kostet, dann wird die öffentliche Bewertung des 300 C und Thema immer schlechter ausfallen. Der Leser muss lesen, was er kaufen muss. Der Thema ist ein super Auto, aber man wird im Test feststellen, dass z.B. das Blau der Instrumentenbeleuchtung nicht Blau genug ist, somit gibt es erheblichen Punkt abzug. Honi soit qui mal y pense!
Ich bin Italiano vero! Fahre einen Alfa Romeo. Zum AB Bericht kann ich nur sagen: scusa a tutti gli Italiani che leggonon questo commento! Aber, in Italien gibt es keine Innovation!! was aus Italien kommt ist zwar schön, aber unter der Oberfläch ist keine Substanz. Ragazzi se volete una macchina come si deve, comperate una macchina tedesca.... :-)
@zwiGgi
"was ich nur nicht verstehe: 1 MILLIARDE DOLLAR???"
Das ist eine Falschdarstellung seitens AB.
1) gilt das nicht nur für den Thema, sondern vordergründig für den neuen V6
2) der Anteil des 3.6L-V6-Pentastar lag bei 730 Mio. USD
3) da dieser Motor auch in zahlreichen anderen Modellen eingesetzt wird, kann das nicht alleine dem Thema angerechnet werden
Der V6 soll bisherigen Tests zufolge erste Sahne sein, mit der Giulia soll er auch bei Alfa Einzug finden, auch als 400PS Turbo-Version.
Und eines kann ich heute schon garantieren, wenn Alfa Romeo jemals zu VW gehören sollte, wird dieses Auto jeden Vergleichstest mit den deutschen Premiumkonkurrenten gewinnen, selbst gegen konzerninterne Marken, denn schließlich habe ich ja einen Pauschalvertrag mit AB und AMS und kann jede x-beliebige Marke des Konzerns als Testsieger setzen, egal ob letzter oder vorletzer im 100.000 km Test.
F. Karl Piëch
2/2
Die Qualität hätte dabei gar keine Rolle spielen dürfen, ja das Auto hätte sogar hinten noch Trommelbremsen haben können, die objetive Zeitschriften mit Ihren unparteiischen und professionellen Journalisten hätten ihren Fokus auf die wirklich wichtigen Details gelegt, wie z.B. wie integriere ich mich am Besten in die Nachbarschaft, ohne schrecklich individuell zu sein (das Auto muss auch in der Nachbarschaft akzeptiert werden) und ach wie herrlich Premium doch das Weichplastik des Cockpits sich unter den Fingern anfühlt.