Lancia Y 10 (1985-1995)

Gebrauchtwagen Lancia Y10 Gebrauchtwagen Lancia Y10

Lancia Y10 (1985-1995)

— 25.02.2002

Eine kleine Dauerbaustelle

Der italienische Mini sieht so flott aus, wie er sich fährt. Nur im Detail gibt es immer was zu tun.

Karosserie und Ausstattung

Als Kleinwagen mit "Elite-Ansprüchen" feierte Lancia seinen Y 10 zur Markteinführung 1985. Denn der 3,39 Meter kurze Autozwerg wurde damals vom Start weg üppig mit Fünfganggetriebe, Colorglas, Drehzahlmesser und geteilt umlegbarer Rücksitzbank ausgerüstet. Zudem lockten zahlreiche Sondermodelle mit attraktiven Bonbons wie elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung, Alcantara-Bezügen ...

Damit eroberte der edle Italo-Mini schnell die städtische Damenwelt, die einen handlichen Einkaufswagen suchte. Weniger Freunde fand der kleine Lancia dafür bei TÜV-Prüfern, die von Beginn an überdurchschnittlich viele Mängel an ihm entdeckten. Zur Ehrenrettung des Y 10 sei aber vermerkt, dass abgefahrene Reifen, knatternde Auspuffanlagen und kaputte Lampen zum normalen Verschleiß zählen. Offenbar investieren die Fahrerinnen lieber in neue Kleidchen als in Pneus. Sorry, so peinliche TÜV-Auftritte kann sich jeder ersparen.

Einige Schwachstellen gehen allerdings auch aufs Konto des kleinen Stadtrenners. Dazu zählt besonders Rost. Anfällig waren vor allem die Modelle bis 89 an Hauben, Türen, Schwellern und Wagenheberaufnahmen. Unser 94er Kandidat wirkte zwar auf den ersten Blick recht ordentlich, doch unter den Dichtungen nagte bereits heftiger Gilb. Und auch an der Heckklappe zeigte sich bereits die erste Blase unterm Lack. Solider präsentierte sich der Unterboden. Während neun- bis elfjährige Typen überproportional oft beim TÜV wegen Korrosion am Rahmen auf- und durchfallen, sind jüngere Modelle besser konserviert. Lediglich der Anstrich blätterte an der gebogenen Omega-Achse des Test-Lancia ab.

Motor und Technik

Beim Blick von unten sollten auch die als anfällig bekannten Stoßdämpfer auf Undichtigkeiten geprüft werden. Denn verlieren sie ihre Wirkung, verschlechtern sich Fahrverhalten und Bremsweg erheblich. Ersatz kostet knapp 300 Mark. Kaum teurer ist auch der Auspuffendtopf, bei Stadtautos fast immer rostig. Auf Kurzstrecken wird Kondenswasser im Auspuff wegen zu geringer Abgashitze nicht verdampft, Korrosion nagt von innen nach außen. Letztes rostbraunes Kapitel ist die Feststellbremse der Hinterräder. Wird die Handbremse selten benutzt, rosten die Hebelchen mit dem Alter fest.

Aber wer will schon bremsen, wenn der Wagen so viel Fahrspaß bietet? Ob mit 44 oder 50 PS, der Y 10 ist ein Temperamentsbolzen. Mit knackiger Kurvenlage, drehfreudigen Motoren und einem Fliegengewicht von 800 Kilogramm macht der Lancia eine flotte Figur. Und wer sich an den Turbo wagt, bekommt einen Minirabauken mit 85 PS. Selbst der GT-Nachfolger ohne Lader mit 72 PS (ab 89) beschleunigt noch in weniger als zehn Sekunden auf 100. Doch die Wahl der Vernunft sind die neueren, wartungsfreundlichen fire-Motoren, ab 89 mit geregeltem Kat. Mäßiger Ölverlust am Ventildeckel, wie beim Testmodell, wird vom TÜV geduldet, auch das Getriebe ist nicht immer ganz trocken. Anfällig ist nur die Kopfdichtung der alten Einlitermodelle (999 Kubik), die bei zu viel Drehzahl durchbrennen kann.

Alte wie junge Y 10 eint allerdings eine Schwäche für Elektrikfehler. Ob Beleuchtung, Fensterheber, Zentralverriegelung oder elektrische Ausstellfenster - irgendwas fällt immer gerade aus. Ärgerlich, weil oft nur die Kabelstecker lose oder korrodiert sind, Sicherungen durchknallen oder den Lämpchen das Licht ausgeht. Keine Frage: Seine beste Zeit hat der Mini-Lancia hinter sich. Selbst die jüngsten 95er Exemplare kommen jetzt ins kritische Alter, in dem Mängel und Verschleiß teuer werden. Die Preise für solide Fünfjährige liegen um 6000 Mark, von den billigen Typen aus den Achtzigern ist dringend abzuraten.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 2/85 Debüt in Genf, baugleich mit Autobianchi Y 10: 1.0 fire/44 PS und 1.1 Turbo/85 PS. Besonderheit: mattschwarze Heckklappe (bis auf Sondermodelle) 1/87 Allrad-Version (zuschaltbar) fire 4WD (18 990 Mark) 3/89 Modellpflege: Blinkergläser vorn farblos, Fensterheber und ZV. Kat-Motoren: 1.0 i.e./45 PS, 1.3 GT i.e./72 PS 1/90 neuer Basismotor 1.1 i.e./50 PS. Modell selectronic mit stufenlosem ECVT-Getriebe ab 18.000 Mark 3/93 Modellpflege: Untere Leiste am Kühlergrill läuft spitz zu 12/95 Produktionsende. Nachfolger heißt nur noch Lancia Y

Schwachstellen • Feststellbremse mit Rostproblemen: Die Hebel an den Hinterrädern gammeln irgendwann fest, wenn die Handbremse fast nie zum Parken benutzt wird • Rost an Schwellern, Hauben und Türen wurde vor allem bei den ersten Modellen kritisiert. Ab 89 versprach Lancia Besserung - am 94er Testmodell gab es nur kleine Stellen unter Dichtungen und an der Heckklappe sowie den Achsschenkeln der Hinterachse • Elektrik ist für Lancia-Fahrer ein Reizwort: Scheinwerfer, Zentralverriegelung, Fensterheber ... fallen häufig aus • Motoren sind zwar drehfreudig, neigen aber zu Leckagen an der Ventildeckeldichtung und bei Vollgas zu Kopfdichtungsschäden • Getriebe schalten sich hakelig, besonders im warmen Zustand.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn- und Mehrwertsteuer am Beispiel Lancia Y 10 i.e. fire, 37 kW/50 PS, Baujahr 1993. Kleines Auto, kleine Preise - hier geht die Rechnung auf und versöhnt mit den seltenen Teile-Angeboten vom Schrott.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der kleine Lancia ist ein pfiffiges Stadtauto, das wegen des Designs und der spritzigen Motoren beliebt ist. Schade, dass sich im Alltag einige Mängel zeigen. Dazu zählt vor allem die Elektrik. Meist fällt nach fünf Jahren vom elektrischen Fensterheber bis zur Beleuchtung alles nacheinander aus, weil Kabel und Stecker nicht mehr fest sitzen. Kritischer sind festgerostete Feststellbremsen und Korrosion an der Heckklappe. Auch die Dichtungen an Motor und Antriebsstrang sowie die Stoßdämpfer machen im Alter schlapp. Dafür sind die fire-Motoren anspruchslos und langlebig und selbst mit dem kleinen Motor (44-55 PS) ist der Y 10 ausreichend motorisiert." Carsten Metterhausen, GTÜ-Prüfingenieur

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