Land Rover Defender (1968/1996)

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Land Rover 109 (1968), Defender 110 TDi (1996)

— 25.02.2002

Ein echtes Abenteuer

Jenseits von Afrika: Land Rover fahren bedeutet abwegig denken und gut wegstecken können.

Motor und Karosserie

Was bewegt nur die Menschen, sich in ein rollendes Folterinstrument zu zwängen? Schließlich gibt es so schöne Geländewagen, die mehr Platz, Airbags, ABS bieten und abseits befestigter Straßen auch nicht übel fahren. Aber ihnen fehlt der magische Name – Land Rover. Das klingt nach Britisch Empire, Eroberung und Enthusiasmus. Klar, das heißt bei einer 50-jährigen Ahnentafel auch Purismus. Aber wer's gern moderner mag, kriegt sogar ABS in der neuesten Version des Landy, dem Td5. Dazu einen modernen Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Direkteinspritzung. Klitzekleines Problem: Wer jetzt bestellt, bekommt ihn im September – 2000 wohlgemerkt.

Ein guter Grund, sich nach einem gut erhaltenen TDI der Baujahre 96 bis 98 umzusehen. Denn nur dessen Vierzylinder, ebenfalls ein sparsamer Direkteinspritzer, bietet noch den dampfmaschinenhaften Durchzug ab Standgas. Außerdem kommt er mit einem Steuergerät aus, das hoch oben unter der Motorhaube verstaut ist – wichtig für Wasserdurchfahrten. Rover Deutschland gibt zwar nur 50 Zentimeter Wat-Tiefe an, doch darüber lachen die echten Geländetiere. Sie nehmen zur Not auch einen nassen Hintern in Kauf, der Motor atmet solange durch den Schnorchel.

Wasserscheu ist der Ur-Brite nicht, doch fürchtet er Salzwasser. Das fördert die Kontaktkorrosion zwischen dem Rahmen aus Stahl und der Karosserie aus Aluminium – deren Ecken ebenfalls mit Eisenprofilen verstärkt sind. Die waren nur bis 88 verzinkt, wie bei unserem Test-109er. Der wurde 68 irgendwo in Algerien zugelassen und lief sechs Jahre für eine Seismologen-Firma. Kilometerstand heute: jenseits der Million.

Technik und Fahrwerk

Überhaupt werden Land Rover fast nie geschlachtet, sondern immer runderneuert. Kein Problem, denn viele Ersatzteile wie Radlager oder Kardan-Kreuzgelenke sind standardisiert. Eine echte Zäsur gab es erst 83, als von Blatt- auf Schraubenfedern und von Trommel- auf Scheibenbremsen umgestellt wurde. Ältere Modelle sind zwar unverwüstlich – ausnahmsweise wörtlich zu nehmen –, bieten aber keinerlei Fahrkomfort.

Dazu droht ein Gehörschaden, so laut kreischen die Zahnräder um die Wette. Und das Fahrverhalten ist zwar (noch) berechenbar, aber nicht immer ganz sicher. Die Neigung zu unerwarteten Heckschwenks in nassen Kurven haftet auch den jungen 110 Station Wagon an, die neun Personen Platz bieten. Davon müssen allerdings vier auf Notbänken im Laderaum kauern.

Dafür ist der Kurze ein idealer Stadtwagen, keine vier Meter lang und übersichtlich. Leider kostet er als TDI 928 Mark Steuern, der lange 110er dagegen nur 337 Mark – er ist schwerer, kann als Kombi über 2,8 Tonnen nach Gewicht besteuert werden. Damit wird das Abenteuer erschwinglich, die Kosten kalkulierbar. Und um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Mit dem Land Rover wird jede Fahrt zur Expedition – selbst wenn sie nur zum Bäcker führt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/48 Markteinführung des Land Rover 80. 1,6-Liter-Motor, 50 PS 9/54 Vorstellung Land Rover 107 mit langem Radstand 6/57 Dieselmotor lieferbar. 2,0-Liter mit 51 PS 4/58 Einführung Serie II. Radstand 88 oder 109 Zoll 5/61 Einführung Serie IIA 4/68 Scheinwerfer wandern nach außen in die Kotflügel 10/71 Einführung Serie III. Ab 79 auch als V8 lieferbar 4/83 Anlauf Serie IV, Schraubenfedern 7/90 umbenannt in Defender, Scheibenbremsen; 94 TDi (113 PS) 12/98 Td5 (122 PS), ABS lieferbar

Schwachstellen • Ölverlust gehört wie bei allen englischen Fahrzeugen zu den Hauptmängeln. Faustregel: Wo Öl drin ist, findet es auch nach draußen. Und ein Landy hat viele Ölquellen... • Lenkgetriebe verliert Öl, ist je nach Einsatzbedingungen bei ungefähr Kilometerstand 120.000 ausgeschlagen. AT-Teil lieferbar • Achsaufhängungen haben die gleiche Lebensdauer wie das Lenkgetriebe. Viele preiswerte Zubehörteile auf dem Markt, deutlich haltbarer als das Original. Beachten: Führungskugel der Hinterachse • Elektrik ist nicht viel dran am Landy, aber das bisschen geht auch kaputt. Hauptproblem: Kabel scheuern am scharfkantigen Blech • Korrosion ist trotz Alukarosserie ein Problem. Weil Rover seit 88 die Verzinkung der wenigen Stahlteile sowie die Konservierung einspart

Reparaturkosten Preise inkl. Lohn und Mehrwertsteuer vom freien Händler DM Land-Rover-Service in 28870 Ottersberg, Am Damm 9, Tel. 0 42 05-31 93 19. Freie Händler – Enthusiasten wie ihre Kunden - betreuen das Gros der Landy-Gemeinde.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Bei der Auswahl des richtigen Land Rovers stellt sich zuerst die Frage, was der Interessent damit vorhat. Ältere Modelle bis einschließlich der Serie III sind schon auf Grund ihres Alters eher als Hobby denn als Gebrauchsfahrzeug einzustufen. Das harte Fahrwerk, unkomfortable Sitze und – vom V8 abgesehen – schwache Motoren machen längere Strecken zur Tortur. Die seit 90 unter dem Namen Defender angebotene vierte Serie ist dagegen voll alltagstauglich. Vor allem mit dem sparsamen 2,5-Liter-Turbodiesel (113 PS), der dem alten Briten richtig Beine macht. Nachteile: Selten günstig zu bekommen und sehr rostempfindlich – seit 88 verzichtet Rover auf die Verzinkung der Stahlteile." Christian Wiegenhagen, DM Land-Rover-Service

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