Land Rover

Land Rover Land Rover

Land Rover

— 15.09.2008

Zeitreise

Sechzig Jahre Land Rover – werfen wir einen Blick zurück! Wir fahren drei Baureihen, jeweils das erste und ein aktuelles Exemplar – eine faszinierende Reise durch sechs Jahrzehnte Allradtechnik.

Wie klein die Geländewagen damals waren! Der "Ist-der-süß!"-Effekt ist das Resultat aus schmaler Spur, extremer Kürze (3,35 m) und kulleräugigen Scheinwerfern hinter dem Kühlergitter, die den Serie 1 stets leicht verschüchtert dreinschauen lassen. Dies hier ist ein Vorserienexemplar von 1948 – mit Permanentallrad, der es erst 1983 in die Serie schaffte. Sparen wir uns die Geschichtsstunde und fahren einfach los. Äußere Türgriffe hatte Technikchef Maurice Wilks als verzichtbar erachtet. Einfach durch eine Klappe in der Tür hindurch- und hinuntergreifen. Der Türhebel geht nach oben auf, wie beim aktuellen Defender. Innen: ein luftiges Auto mit Dreier-Sitzreihe und lackiertem Blech in "light green", wohin das Auge schaut. In dieser Farbe wurden im Krieg Flugzeugcockpits lackiert, daher war dieser Lack in der Mangelzeit der 40er-Jahre problemlos zu beschaffen, ebenso wie das Aluminium für die Karosserie.

Es zappelt, wummert und vibriert – die 4x4-Legende bebt!

Land Rover Serie 1: Das sind 60 Jahre Größenwachstum.

Ein Dreh am winzigen Zündschlüssel, Choke rausziehen, ein Druck auf den Startknopf (jetzt wieder modern), und die Legende bebt. Alles, was den Schall und das Pulsieren des 1,6-Liter-Rover-Benziners dämpfen könnte, fehlt – ein rasender Metallbaukasten. Und jetzt kommt die Herausforderung: Schalten mit der linken Hand! Der lange, doppelt gebogene Schalthebel lässt sich erstaunlich leicht zum Einlegen des Rückwärtsganges bewegen. Auch der erste Gang rastet überraschend präzise ein. Das stehende Kupplungspedal losgelassen, und erstaunlich flott geht's ab mit 50 PS. Kein Wunder bei nur 1174 Kilo Gewicht und superkurzer Übersetzung. Rauf in den zweiten Gang – krunsch! Ach ja, das geht nur mit Zwischengas. Nur die Gänge drei und vier sind synchronisiert. Obwohl bei Tempo 90 Schluss ist, wirkt das Geländewägelchen flott. Am dürren Lenkradkranz muss ich fleißig kurbeln: Die Lenkung ohne Servo ist so indirekt wie erwartet. Lustig auch die Leuchtwinker vom Typ Lucas Trafficator: ein Dreh an einem dicken Schalter, mit dem sonst vermutlich Güterzugloks zum Leben erweckt werden und – zapp! – schnappt der Winker heraus.

Der V8 rauscht wie der Wind auf Dovers Kreidefelsen

Defender/Range Rover: Gleiche Grundform mit schwebendem Dach, aber voluminöser.

Im aktuellen Defender fühlt man sich im direkten Vergleich wie in Watte gepackt. Leise und gedämpft wirkt er, zugleich handfester durch den viermal so dicken Lenkradkranz. Außer der Grundform und  zwei, drei Details ist kein Stein auf dem anderen geblieben seit 1948. Land Rover hat das gleiche Problem wie Harley oder Morgan: Ein Teil der Kundschaft lehnt Änderungen ab. Eine Fahrt im Range Rover von 1970 lässt Zweifel keimen, ob früher alles besser war. Die Interieurmaterialien (Kunstleder wie im Taxi) sind in erster Linie abwaschbar. Ein knarziges Plastikcockpit mit Spaltmaßen, in denen man ganze Banknotenbündel für eine Tour nach Liechtenstein verschwinden lassen könnte. Schaltwege, die selbst Fans der Marke als "die längsten der Automobilgeschichte" bespötteln. Der Aha-Effekt kommt beim Anlassen: ein V8-Benziner! Vornehmer kann ein Auto nicht klingen. Das rauscht wie der Wind über den Kreidefelsen von Dover. Nur 3,5 Liter Hubraum auf acht Zylinder zu verteilen, das ist gnadenlos ineffizient und echter Luxus.

Man umgreift ein dürres, großes Lenkrad im Stil der Zeit, knorpelt den ersten Gang rein und rauscht ab. Die Schaltwege sind eigentlich nur zur Seite hin lang, nach vorn und hinten fast normal. Die Innovation: fünf Gänge – 1970! Dass ein Offroader sich so Pkw-ähnlich anfühlte, war ein Novum. Trotz der wenig edlen Materialwahl spürt man es noch heute: Dieser Wagen ist eine Pionierleistung – zwei Autos in einem! Der aktuelle Range Rover III bietet das Gleiche auf weit höherem Niveau. Wie die Kreuzung eines Rolls-Royce mit einem Extrem-Offroader. All das Holz, Leder und Alu – kein Vergleich zu damals! Der Discovery I von 1989 wirkt bereits heute museal mit seiner schmalen Spur. Der hohe Aufbau ist sehr "Eighties" und erinnert vor allem von hinten irgendwie an Maggie Thatchers Hochfrisur.

Nichts schaukelt so gemütlich wie ein früherer Discovery

Das Chassis ist eine Leihgabe vom Range Rover I – vermutlich war der "Disco" in der Produktion keinen Cent billiger. Wer die typisch leichte Fahrertür öffnet, findet sich in einem lichten Pavillon wieder – ein Meisterwerk von Design-Guru Terence Conran, dessen Handschrift auch Möbel von Habitat tragen. Das türkisfarbene Hartplastik-Interieur entstammt einer Zeit, in der Premium allenfalls Biertrinkern ein Begriff war.

Der alte Discovery ist so filigran, wie er wirkt.

Vorn erwacht ein früher Direkteinspritzer-Diesel zum Leben, ein gnadenloses Nagelstudio. Das Schalten birgt eine Falle: akute Verwechslungsgefahr zwischen erstem Gang und Rückwärtsgang. Auf  der Landstraße lässt das weich abgestimmte Starrachs-Fahrwerk den Aufbau schaukeln wie ein Motorboot. Die Lenkung ist geradezu amerikanisch indirekt: Der Fahrer bewegt den dicken Lenkradkranz um 15 Zentimeter nach links oder rechts – nichts tut sich. Der Tdi-Motor sorgt derweil für eine gründliche Entschleunigung des Lebens: viel Gepfeife, kaum Beschleunigung. Klar, warum noch heute mancher Fan einen frühen Discovery pflegt: ein konsequenter Offroader mit einmaligem Fahrgefühl. Und wenn er nicht geschrottet ist, so schaukelt er noch heute. Der Neue wirkt dagegen wie eine Rakete – die 440 Nm Drehmoment heben sein höheres Gewicht mehr als auf. Und diese Solidität! Füllten alte Discovery noch den AUTO BILD-Kummerkasten, so ist der aktuelle weitgehend problemlos. Ein paar Fälle von Elektronik-Spuk, das war’s. War früher alles besser? Nein, nur übersichtlicher.

Autor: Rolf Klein

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.