Land Rover Defender 110 Station Td5

Land Rover Defender 110 Station TD5 Land Rover Defender 110 Station TD5

Land Rover Defender 110 Station Td5

— 25.03.2002

Nur in gute Hände abzugeben

Oldtimer sind keine Autos für jedermann, sie sind Autos für Liebhaber. Das gilt auch für fabrikneu erhältliche Oldies - etwa den frisch aufpolierten Land Rover Defender des Modelljahrgangs 2002.

Modischer Schnickschnack? Nein Danke!

Es gab einmal eine Zeit, da durfte man im Fernsehen noch für alles werben, sogar für Zigaretten. Der Hersteller einer Leichtraucher-Marke schuf damals für seine eher öden und zu überhöhten Preisen verkauften Glimmstängel einen einprägsamen Slogan, der in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen ist: "Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben."

Der Inhalt dieser Werbebotschaft gilt immer noch - auch wenn die betreffenden Tabakwaren vergessen sind. Und teuer in Sinne des Sprichworts ist nicht nur, wofür man viel Geld aus der Hand geben muss, das damit anderweitig nicht mehr zur Verfügung steht; besonderer Geschmack bedeutet in vielen Fällen auch noch direkten Verzicht.

Etwa beim Land Rover Defender. Seine Fans verehren ihn wie eine Ikone, bezeichnen ihn als den letzten "richtigen" Geländewagen, weil er Komfort und Zeitgeist kaum Zugeständnisse macht, all das nicht hat, was sie als modischen Schnickschnack abtun - keine Airbags, keine schnieken Ledersitze, kein elektronisches Fahrstabilitätssystem. Und tatsächlich: Auch wer sonst mit Verzicht und Enthaltsamkeit wenig am Hut hat, kann sich dem Reiz dieses Autos nicht entziehen.

Die alten Macken sind geblieben



Selbst der Laie erkennt sofort: hier kommt ein richtiger Offroader, allzeit bereit für den Aufbruch zur Weltreise, robust und rau, hart aber herzlich. Aufrecht, mit kantigen Gesichtszügen steht er da auf seinen schmalen, hohen Rädern; und wenngleich wenigstens die Lack-Qualität unter der Regie von Ford spürbar besser ist als zuvor unter BMW-Kuratell, widersetzt sich der Defender schon auf den ersten Blick der Ansicht, dass Karosserieblech unbedingt glatt und gerade sein muss, Türspalten eng und das ganze Auto möglichst geräuschlos.

Objektiv und mit den Augen eines moderne, perfekte Autos gewöhnten Menschen gesehen, ist der Defender mehr denn je ein schreckliches Vehikel. Er ist unhandlich, laut, eng, unkomfortabel; er hat eine - trotz wiederholter Verbesserungsversuche - miserable Heizung; er erreicht auf trockenem Asphalt kaum höhere Kurvengeschwindigkeiten als andere Autos auf Nässe und Schneematsch; bei Vollbremsungen torkelt er umher wie ein Kamel; bei den Fahrleistungen muss er sich von jedem Kleintransporter geschlagen geben. Und zu alledem ist er bekannt störanfällig und noch nicht einmal besonders billig: 27.600 Euro sind kein Pappenstiel.

Man kann es aber auch alles ganz anders sehen. Und dann sind 27.600 Euro auf einmal gar nicht mehr teuer, selbst wenn man die Hauptstärke des Defender, seine überzeugende Geländetauglichkeit, gar nicht benötigt. Schließlich erhält man dafür ein Stück Automobilgeschichte, ein Auto, das schon Daktari (samt schielendem Löwen Clarence) durch die Wildnis schaukelte; das sich seit über 50 Jahren in den entlegensten Winkeln aller fünf Kontinente zu Hause fühlt.

Unter der Haube - nichts Neues

Man erhält ein Universalfahrzeug, das den Laderaum eines Lieferwagens mit der Sitzplatzanzahl eines Kleinbusses kombiniert. Ein Auto, das für den Preis eines besseren Mittelklassekombis den Aufmerksamkeits- und Prestigewert einer Luxuslimousine bietet. Und ein Auto, das eine schier unbegrenzte Lebensdauer aufweist, wenn man ihm erst die paar angeborenen Mängel abgewöhnt hat - was meist nach ein, zwei Jahren erledigt ist: Schließlich sind noch über zwei Drittel aller in den letzten 51 Jahren gebauten Land Rover im Einsatz.

Ein bisschen anders als die 20, 30, 40 Jahre alten Modelle ist ein heutiger Defender aber schon gebaut - weshalb man nicht unbedingt die gleiche, auf der Einfachheit seiner Konstruktion beruhende Langlebigkeit erwarten sollte. Denn die Briten haben den Allrad-Klassiker immer wieder modernisiert. Nicht planlos und hau ruck - sonst hätte er längst seine herrlich nostalgische Karosserie verloren; sondern Schritt für Schritt. Die wichtigste grundlegende Änderung war 1983 die Einführung der so genannten Serie IV: Der Landy erhielt das moderne Schraubenfederfahrwerk und den aufwändigen permanenten Allradantrieb des relativ kurz - nämlich 13 Jahre - zuvor präsentierten Range Rover. 1990 erhielt er nicht nur seine bis heute fortgeführte Modellbezeichnung Defender, sondern auch den modernen Tdi-Motor mit 2,5 Liter Hubraum, wie er auch im 1989 eingeführten Discovery zu finden war.

Dieses Triebwerk behielt er bis Ende 1998; dann erfüllte es die Europa-Abgasvorschriften nicht mehr und musste durch den hubraum-gleichen, neu entwickelten Fünfzylinder mit elektronischer Pumpe-Düse-Einspritzung ersetzt werden. Ein sehr moderner Motor, der da unter der Aluminiumhaube rumort; aber in Wahrheit bis auf die höhere Laufkultur dem alten OHV-Vierzylinder nicht wirklich überlegen. Die Fahrleistungen sind kaum besser, der Verbrauch nicht niedriger als vorher.

Im Gelände - der wahre Profi

In der Praxis ist es dennoch ein sympathisches Triebwerk: Man kann mit Leerlaufdrehzahl anfahren und braucht sich nicht über ein gähnendes Zugkraftloch unterhalb der Turbolader-Einsetzdrehzahl zu ärgern; der Fünfzylinder zieht harmonisch und gleichmäßig durch. So kommt man ohne ständige Schaltarbeit angemessen zügig voran. Wer nicht ausgesprochen behutsam fährt, muss allerdings mit einem Verbrauch von 11-12 l/100 km rechnen, bei flotter Fahrweise werden es 13 und mehr.

Flotte, sportliche Straßenfahrt hat der Defender aber sowieso nicht so gern. Da ist das eindeutig auf gute Offroad-Eigenschaften ausgelegte Fahrwerk vor. Die Lenkung ist indirekt, gefühllos und teigig, der Brite reagiert träge, baut in Kurven beträchtliche Seitenneigung auf. Kippgefahr droht allerdings nur auf sehr griffigem Boden. Denn die schmalen Reifen bauen so wenig Seitenkraft auf, dass der Wagen je nach Situation und Beladung mal vorne, mal hinten wegschmiert, ehe es wirklich gefährlich wird. Leider können die schmalen Reifen aber auch nur geringe Bremskräfte übertragen - der Defender gehört zu den wirklich schlecht bremsenden Autos, wenngleich immerhin besser als der Negativ-Rekordhalter Toyota LandCruiser HZJ78. Erstaunlich gute Leistungen bringen die in dieser Größe extra für den Defender entwickelten Michelin-Reifen vom Typ 4x4 XPC dennoch auf nassem Untergrund und bei winterlichen Fahrbahnen.

Auch im Gelände schlagen sie sich wacker. Hier brilliert der Defender sowieso rundum. Egal auf welchem Untergrund, immer kommt man vorzüglich voran. Besonders, wenn man für 1730 Euro das Traktionspaket aus ABS und ETC mitbestellt hat: Die elektronische Schlupfregelung ETC bremst durchdrehende Räder ein, wodurch wieder Abtriebskraft zu den gut greifenden Rädern umgeleitet wird. So stehen selbst grobe Hindernisse, auf denen der Defender trotz seiner ausgezeichneten Achsverschränkung ein Beinchen hebt, dem Weiterkommen nicht im Wege.

Expedition auf dem Weg ins Büro

Ein gewisser Gelände-Nachteil gegenüber früher ist die elektronische Motorsteuerung, deren Zentralrechner unter dem Beifahrersitz untergebracht ist: Die Zeiten, in denen ein mit einem Ansaugschnorchel versehener Defender noch munter weiterdieselte, selbst wenn das Wasser schon bis zur Windschutzscheibe reichte, sind damit vorbei. Dennoch: Ein Defender ist eines der geländetauglichsten Autos, die man kaufen kann.

Und das lässt er sich auch schon auf der Straße anmerken. Gerade deshalb macht er Spaß, weil man sich schon bei der Fahrt ins Büro vorkommt, als wäre man zu einer Expedition unterwegs. Daran ändert auch die neuerdings geradezu überwältigend komfortable Ausstattung nichts - ist eben eine Komfort-Expedition: Der Defender, jedenfalls die noblen Station-Modelle, hat jetzt außer Teppichboden und Stoffsitzen mit originellem Riffelblech-Dessin serienmäßig elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung - und er ist auch mit Klimaanlage zu haben.

Im Rahmen dieser Modernisierung musste sich das ehrwürdige Armaturenbrett eine Überarbeitung gefallen lassen: In der Mitte der durchgehenden Ablagerinne unter der Windschutzscheibe sitzt jetzt ein abgerundeter Plastikkasten, der das Radio und allerlei neue Drucktastenschalter beherbergt. Die Rinne selbst erhielt Kunststoffeinsätze, die bewirken, dass darin gelagerte Gegenstände beim Beschleunigen oder im Gelände umgehend herauspurzeln. Nun ja, nicht jede Modernisierungsmaßnahme an einem Oldtimer stößt eben auf einhellige Gegenliebe.

Fazit und Technische Daten

Fazit Auch nach seiner Überarbeitung ist der Land Rover Defender ein Fall für Fans. Der gesteigerte Komfort kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der gute alte Landy ein grundehrlicher Geländewagen der traditionellen Schule ist, der bei hartem Einsatz viel mitmacht, dessen konzeptbedingte Schwächen aber Zugeständnisse erfordern. Genau die machen ihn aber liebenswert.

Preise und Kosten

Der Verbrauch hängt stark von der Fahrweise ab. Zum Sparwunder wird der Defender auch bei Gaspedalstreichlern nicht - das verhindert der große, kantige Kasten.

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