Land Rover Defender trifft seinen Urahn

Defender trifft seinen Landy-Urahn Defender trifft seinen Landy-Urahn Defender trifft seinen Landy-Urahn

Land Rover Defender trifft seinen Urahn

— 02.12.2013

Schlamm drüber

Der klassische Land Rover geht in Rente. Kurz vor Schluss trifft ein aktueller Defender 90 die Nummer eins, den Ur-Landy von 1948.

Die 65 – eigentlich keine Zahl für Jubiläen. 65 Jahre auf dem Buckel, das heißt normalerweise nur eines: ab in die Rente. So lautete auch der Marschbefehl für den Landy, den klassischen Land Rover. Und wie sehr hätte er ihn verdient, den Ruhestand. Dieser Überlebenskünstler, dessen lupenreiner Stammbaum ihm die Auszeichnung "am längsten gebauter Geländewagen der Gegenwart" sichert. Nun aber folgt er dem Beispiel der deutschen Rentenanstalt. Rente mit 67, erst 2015 wird endgültig Schluss sein. Abgas, Verbrauch, Kosten, Sicherheit – alles Gründe, die ein Weiterleben verbieten würden.

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Rekordhalter: Der Land Rover Defender ist der "am längsten gebaute Geländewagen der Gegenwart".

Knapp zwei Millionen Exemplare werden dann die Fabrikhallen in Solihull bei Birmingham verlassen haben, wovon schätzungsweise 65 Prozent noch fahren. Auch das ein Rekord. Einer, der zugleich ein Schlaglicht auf die drei wichtigsten Merkmale des Urviechs wirft. Erstens: Land Rover von der klassischen Sorte sind keine Wegwerfartikel. Sie besitzen dank Baukastenbauweise und vollständiger Ersatzteilversorgung das ewige Leben. Zweitens: Ein Land Rover unterliegt nicht dem Diktat der Mode. Seine zahllosen Varianten sind alle zu 100 Prozent funktional. Seine Rolle besteht darin, hart zu arbeiten – den Job zu machen und fertig. Sein Reiz ist der Nutztiercharakter: Du fütterst ihn, schmierst ihn ab und zu mal ab, und dafür geht er mit dir durch dick und dünn. Drittens: Land Rover vom alten Schlag waren immer unbequem, laut, unhandlich, lausig verarbeitet und lahm. Bis heute. Um entspannt hinter dem Lenkrad sitzen zu können, müsste man sich den linken (beim Linkslenker) oder rechten (Rechtslenker) Arm amputieren lassen. Entscheidend aber: Seine Besitzer lieben ihn, die meisten zumindest. Und zwar genau so, wie er ist, ungeschminkt, ehrlich und wahrhaft klassenlos.

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Er kann es immer noch: Das 65 Jahre alte Defender-Urmodell geht nach wie vor gut durchs Gelände.

Bei seiner Geburt, 1948, galt er freilich nur als Verlegenheitslösung. Die Brüder Spencer und Maurice Wilks, die Chefs von Rover, mussten die Autoproduktion ankurbeln, doch an Werkzeugen und Rohstoffen mangelte es damals. Ebenso an Kunden, die das Geld für ein Auto besaßen. Da ging Maurice, nebenbei auch Landwirt, im März 1947 am Strand nahe seiner Farm ein Licht auf: Was Großbritannien (und Rover) brauchte, war eine Art Jeep, aber homemade. Eine Fahrmaschine für Landjunker, zum Ziehen, Pflügen, Transportieren und Herumfahren. Preisgünstig, mit viel Aluminium (Stahl war rar), Teilen aus dem Rover-Regal, Allradantrieb. Und Wilks ritzte den Entwurf des Land Rover in den Sand. Von nun an ging alles ganz schnell. Schon im Sommer kletterten Prototypen durchs Gelände, 18 Monate nach Wilks' Gedankenblitz rollte der erste Land Rover vom Band, die Initialzündung für einen Dauerbrenner. Und höchstselbst zu besichtigen auf diesen Seiten: Genau, dieser Landy mit der Zulassung HUE 166 (auch "Huey" genannt) ist der älteste der Welt. Steckbrief: Alu-Karosserie, Chassis und Spritzwand aus Stahl, vier Zylinder, die aus 1,6 Liter Hubraum 50 PS zaubern, Starrachsen vorn und hinten, Blattfedern.

Und permanenter Allradantrieb, annähernd zumindest: Wenn hinten die Räder durchdrehen, schaltet ein Freilauf im Antriebsstrang auf Kraftschluss und aktiviert zusätzlich die Vorderachse. Offroad lässt sich der Allradantrieb auch arretieren. Ein Rezept, das zeitlos ist. Unseren Geländeparcours absolviert der 65-Jährige mit der Leichtigkeit einer Bergziege.

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Ein Geländedino im Wandel der Zeit: Wo der Urahn karg ist, gibt sich der aktuelle Defender fast luxuriös.

Geländeübersetzung rein, und rauf geht's, topfit, mit ungebrochenem Eifer. Du hörst jedes Zahnrad, jedes Ventil, jede Zündung, du spürst jeden Stein. Und seine Winzigkeit eröffnet Schlupflöcher, die den Nachfahren verschlossen bleiben. Ein Muntermacher ist er, der Alte, auf die brutal harte Art zwar, aber eben auch genial einfach und konsequent zweckmäßig – ein Charme, den der jüngste Spross der Familie so nicht bieten kann. Groß und schwer wirkt der im direkten Vergleich (obwohl kaum länger als ein VW Polo), sehr fähig, keine Frage, auch kraftvoll, vor allem aber äußerst komfortabel, geradezu luxuriös. Servolenkung, Klimaanlage, Komfortsitze, Geräuschdämmung – vor 65 Jahren hätte es der Blutsverwandte des Ur-Landy komfortmäßig mit einem Rolls-Royce aufnehmen können. Verwöhnerlebnisse im Defender, wer hätte das für möglich gehalten? Was am Ende dieser Begegnung zweierlei beweist: Alles ist relativ, und der Fortschritt ist unaufhaltsam. Selbst dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten.

Autor: Wolfgang König

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