Land Rover Discovery (1989-1999)

Gebrauchtwagen Land Rover Discovery Gebrauchtwagen Land Rover Discovery

Land Rover Discovery (1989-1999)

— 26.05.2004

Ein Fall für Fans

Nur Unerschrockene mit Mut zum Risiko sollten sich nach diesem stattlichen Engländer umsehen. Gebrauchte Discovery haben eine Pannenquote von 39 Prozent.

Qualität und – Eigenarten

Zaudernde Menschen mit einer Vollkasko-Mentalität brauchen erst gar nicht weiterzulesen. Für solche Naturen, die jedes Jahr zum gleichen Urlaubsort fahren, sich möglichst gegen Haarausfall versichern, ihr Geld per Sparbuch anlegen und eine Vernunftehe für die ideale Beziehung halten, ist ein gebrauchter Discovery I ein denkbar ungeeignetes Fahrzeug.

Die erste Generation des Land Rover, angesiedelt zwischen knorrigem Defender und herrschaftlichem Range Rover, kann nämlich ihrem Besitzer mehr abverlangen, als er zu geben bereit ist: mehr Geld, vor allem aber mehr Nachsicht. Der ideale Discovery-Besitzer sieht so aus: Er beginnt den Tag mit einem deftigen Frühstück – denn nach einer Panne marschiert es sich mit leerem Magen eher schlecht. Er verteilt zu Weihnachten großzügige Geschenke an die Nachbarn – denn diese werden jeden Morgen vom penetrant nagelnden Tdi-Motor geweckt.

Er trägt stets wetterfeste Schuhe – denn das Regenwasser steht gerne auch im Innenraum. Er nährt sich kalorienbewusst – denn bei ausufernder Leibesfülle wird der Platz neben dem monströsen Mitteltunnel knapp. Er fährt mit dem Weitblick eines Kapitäns zur See – denn die teigige Lenkung und das schwankende Fahrwerk erfordern vorausschauende Fahrweise.

Er nimmt Überraschungen im Tagesablauf stets von der heiteren Seite – denn beim Totalausfall der Scheibenwischer in strömendem Regen braucht man viel Humor. Und ganz wichtig: Er bevorratet stets einen großzügigen Geldbetrag in einem Seitenfach seines Portemonnaies – denn jederzeit muss er mit vergleichsweise kostspieligen Reparaturen an seinem geliebten Gefährt rechnen.

Karosserie und – Korrosion

Treffen diese Voraussetzungen auf Sie, lieber Leser, zu, dann nehmen wir alles zurück. Dann sind Sie doch ein geeigneter Kandidat für den Ur-Discovery. Oder vielleicht einfach ein Glückspilz. Denn es gibt ihn, den zuverlässig laufenden Discovery, der regen- und öldicht ist. Aber statistisch gesehen wird es sehr schwer, einen solchen zu finden. Die Erfahrung zeigt dabei, dass es an ein Wunder grenzen würde, einen unablässig ölsabbernden Defektteufel wirklich dauerhaft kurieren zu können.

Seien Sie also misstrauisch, wenn Ihnen der Vorbesitzer einen dicken Aktenordner mit Rechnungen von bereits absolvierten Reparaturen präsentiert. Greifen Sie lieber zu, wenn der Vorbesitzer glaubhaft versichern kann, die typischen Discovery-Schwächen nur aus Tankstellen-Gesprächen mit Markenkollegen zu kennen.

An eines sollten Sie jedoch nie glauben: an das Märchen von der rostfreien Aluminium-Karosserie des Discovery. Erstens korrodiert auch Aluminium. Vor allem aber handelt es sich nur um eine Beplankung mit Alu. Ein ganz und gar nicht rostfreies Stahlgerippe lauert in jeder Türe, hinter jeder Verkleidung. Und da es die eigenwilligen Land-Rover-Monteure besonders in der Zeit der BMW-Herrschaft über die britische Marke (1994 bis 2000) mit der sorgfältigen Isolation von Stahlgerüst und Aluhaut nicht so genau genommen haben, entsteht häufig und an vielen Stellen die gefürchtete Kontaktkorrosion.

Discovery im Leserurteil

Ist die Korrosion erst einmal ausgebrochen, arbeitet sie sich schneller durch das Metall als herkömmlicher Rost am Stahlblech. Dagegen hilft nur nachträglicher Hohlraumschutz mit stark kriechenden Versiegelungen. Doch den hat kaum ein Discovery. Die Land-Rover-Werkstätten vermögen nicht durchgängig, für Besserung zu sorgen. Dies zeigt die Quote von einem Drittel unzufriedener Leser.

Auch die durchschnittlichen Kosten für eine große Inspektion von 480 Euro stimmen wenig versöhnlich. Bei der Frage nach dem nächsten Fahrzeug erweisen sich auch die Discovery-Fahrer als Fans der englischen Traditionsmarke. Insgesamt 64 Prozent wollen auch zukünftig Discovery-Besitzer sein. Weitere 14 Prozent nehmen einen Defender, Freelander oder gar Range Rover. Aber die verbleibenden 22 Prozent zeigen sich sowohl auffällig unentschlossen als auch auffällig enttäuscht von ihrem britischen Defektteufel. Und das sollte Land Rover zu denken geben.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1989 Einführung des Discovery als Zweitürer mit 4-Zylinder-Turbodiesel (Direkteinspritzung; 2,5 Liter, 113 PS); LxBxH 4,55x1,81x1,97m 1991 nun auch als Viertürer bei gleichen Außenabmessungen; zusätzlich V8i mit 3,5-Liter-V8-Benziner, 154 PS 1994 Facelift mit größeren Scheinwerfern sowie Behelfsleuchten in der Heckstoßstange; Airbags, ABS, wirksamere Heizung, leiserer Tdi-Motor, jetzt mit Oxi-Kat; leichtgängigeres Schaltgetriebe; spurstabileres Fahrwerk mit Stabilisatoren; 3.9i-V8 mit 182 PS statt 3.5i-V8 1995 Automatik-Tdi nun mit 122 PS (elektron. geregelte Einspritzpumpe) 1999 Ablösung durch den völlig neuen Discovery II mit Td5-Turbodiesel

Schwachstellen • die Bremsen haben zwar wenig Wirkung, halten aber ordentlich lang • das gibt Ärger bei der nächsten HU: 73 Prozent kämpfen mit Ölundichtigkeiten • und bei 24 Prozent läuft Regenwasser in den Innenraum • Sorgenkind Lenkung (16 Prozent ): Servopumpe, Gelenke, Lenkgetriebe • sagen wir es so: Nur elf Prozent der Discovery I haben keine Korrosionsspuren • es gibt auch Positives: Der Tdi-Motor hält oft über 200.000 km – falls der Zahnriemen nicht reißt und keine streikende Wasserpumpe zum Hitzetod führt • von Zuverlässigkeit kann man da kaum sprechen: 39 Prozent der Leser blieben unterwegs liegen. Typische Ursachen beim Tdi: durchgeblasene Zylinderkopfdichtung, defekte Lichtmaschine, Motorschaden • Startverweigerung dagegen "nur" bei 18 Prozent: Anlasser, Vorglühanlage, für alpine Winter zu kleine Batterie

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Discovery 2.5 Tdi, Baujahr 1997. Richtig teuer sind nur die Alu-Karosserieteile. Die Mechanik kommt vergleichsweise günstig, auch dank der Austausch-Angebote.

Fazit und Technik

Fazit "So leid es uns tut, aber dem breiten Publikum müssen wir vom Kauf eines gebrauchten Discovery I dringend abraten. Zu groß ist das Risiko, sich einen Defektteufel in die Garage zu holen. Sicher gibt es auch Discovery, die funktionieren – aber die sind selten und auch für Profis schwer zu erkennen. Also: bitte nur für Land-Rover-Fans mit viel britischem Humor." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

TechnikAllradantrieb: permanent über manuell sperrbares Zentraldifferenzial (Kraftverteilung v:h 50:50); keine Traktionshilfen, Geländeuntersetzung • Aufbau: Leiterrahmen mit aufgeschraubter Aluminiumblech-Karosserie mit darunter liegendem Stahlgerippe • Verbrauch: 3.5 V8: 16,5l Normal; 3.9 V8: 16,5l Super; Tdi: 10,5l Diesel • Höchstgeschwindigkeit: 3.5i: 160 km/h; 3.9i: 170 km/h; 2.5 Tdi: 150 km/h

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