Land Rover Experience Kanada

Land Rover Experience Kanada (2004) Land Rover Experience Kanada (2004)

Land Rover Experience Kanada

— 28.07.2004

Durch die Wildnis Westkanadas

Vielen Menschen begegnen wir nicht auf unserer Tour von Vancouver in die Rocky Mountains. Stattdessen kreuzen Bären und Elche unseren Weg, der oft auf üblen Holzfällerpisten durch die Wildnis Westkanadas führt.

Verdammt viel Schnee in den Bergen

Jetzt sind wir schon seit ein paar Stunden unterwegs, und es ist uns noch kein einziges Auto entgegengekommen. Sind wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg? Das Navigationssystem sagt Ja. Die Richtung stimmt, das Display zeigt 43 Kilometer nach Nordosten bis zum nächsten Zwischenstopp. Vorsichtshalber fragen wir per Funk die anderen. "Ja, ja, keine Sorge", antwortet Paul Cooper, unser kanadischer Guide, der sich hier auskennt wie kein anderer. "Wir sind richtig. Aber ob wir es heute über den Pass schaffen, da bin ich gespannt. Sieht nach verdammt viel Schnee aus da oben."

Wir werden’s einfach versuchen. Dafür sind wir hierher gekommen. Als Vorauskommando für die Land Rover Experience im August prüfen wir die geplanten Routen auf Befahrbarkeit, legen Koordinaten fürs Roadbook fest und suchen nach alternativen Strecken. Sechs Wochen nach uns kommen die Teilnehmer, die sich diese Abenteuerreise bei mehreren Ausscheidungswettbewerben in Deutschland erkämpft haben. Dann wird der Tross viel größer und damit langsamer sein. Dann muss alles wie am Schnürchen klappen.

Wir sind flexibler, mit nur fünf Autos können wir notfalls schnell umdisponieren. Seitdem wir vor ein paar Tagen Vancouver verlassen haben und zum ersten Mal vom Highway abgebogen sind, haben unsere Range Rover, Discovery und der Freelander kaum noch Asphalt unter die Räder bekommen.

Holzfällerpisten und Versorgungswege

Geteerte Hauptstraßen sind Mangelware in British Columbia, der westlichsten Provinz Kanadas, die größer ist als Deutschland, Frankreich und die Schweiz zusammen und trotzdem nur zwei Millionen Einwohner zählt. Dafür ist das Netz aus Holzfällerpisten und Versorgungswegen umso größer. Tausende von Schneisen führen durch die endlosen Wälder – doch die meisten davon sind Sackgassen, wurden nur angelegt, um die großen Maschinen zum Bäumefällen in den Wald hinein und die Stämme wieder herauszutransportieren.

Dennoch helfen uns die Wege, immer dorthin zu gelangen, wo wir hin möchten. Viele der Wege kreuzen sich und führen letztendlich immer zu einer Hauptstraße. Probleme bereitet eher der Zustand mancher Pisten. Schneeschmelze und heftige Regenfälle verwandeln im Frühjahr kleine Rinnsale in reißende Flüsse. Da geht manche Brücke den Bach hinunter und stellt uns vor die Alternative: entweder umkehren oder einen stundenlangen Umweg in Kauf nehmen.

Noch viel spannender: Wir bauen uns eine Brücke aus Baumstämmen. Die notwendige Ausrüstung haben wir dabei: eine Motorsäge und Zurrgurte. "Vooorsicht!", ruft Christian, "jetzt fällt er." Mit leuchtenden Augen hantiert der Werbeleiter, der seine Arbeitstage wie die meisten von uns am Schreibtisch verbringt, an der Kettensäge und fällt zwei mächtige Birken. Zum Glück tut er das nicht zum ersten Mal in seinem Leben, er ist gelernter Forstwirt.

Das Hotel in Vancouver ist der letzte Luxus

Eine halbe Stunde später bugsieren wir unsere Autos über die Behelfsbrücke aus zusammengebundenen Baumstämmen. Jeder packt mit an, mit vereinten Kräften wird das Holz geschleppt, gezurrt, gewuchtet, während andere das Mittagessen aus der Proviantkiste holen und Brote schmieren für alle. Ein paar Stunden später stehen wir auf einer winzigen, steilen, extrem schlechten Straße in den Bergen und beratschlagen, wie wir weiterfahren. Paul hatte Recht, vor uns türmen sich 30 Zentimeter Schnee auf der Piste, stellenweise ist es ein halber Meter.

Bis zur Haupttour im Sommer wird er geschmolzen sein, aber jetzt macht er den Weg unpassierbar. Wir beschließen umzukehren. Aber ich will’s doch wenigstens versucht haben. Ich schalte das ESP des Range Rover aus, die Untersetzung ein, die Luftfederung auf maximale Bodenfreiheit und gebe kräftig Gas. Der V8 heult auf, die grobstolligen MT-Reifen fräsen sich langsam durch den Schnee. Mit Range und Discovery könnten wir es schaffen, aber der Freelander ist chancenlos.

Es wird spät, bis wir unseren Übernachtungsplatz an einem malerischen See erreichen. Die Zelte sind schnell aufgebaut, das Lagerfeuer brennt, auf dem Grill duften Thunfisch und Steak. Okay, die Zimmer auf der Ranch gestern waren schön und komfortabel, das Hotel in Vancouver ein paar Tage zuvor der pure Luxus. Aber hier unter freiem Himmel ist es viel schöner. Braucht man am Ufer eines kristallklaren Sees wirklich eine Dusche? Wer jetzt Ja sagt, sollte vielleicht doch besser zwei Wochen Mallorca mit Halbpension buchen.

Autor: Bernhard Weinbacher

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