Land Rover Freelander im Gebrauchtwagentest

Gebrauchter Land Rover Freelander Gebrauchter Land Rover Freelander Cockpit

Land Rover Freelander im Gebrauchtwagentest

— 25.11.2010

Fescher Flegel aus Freilandhaltung

Schick ist sie ja noch immer, die Urauflage des Land Rover Freelander – aber nicht unproblematisch. Der Gebrauchtwagen-Checker erklärt anhand eines frühen Vertreters mit Rover-Benziner, wie zickig diese Modellreihe sein kann.

Die Inspiration kam diesmal von Britta, einer Freundin meiner Ehefrau. Ob ich, so ganz allgemein, den frühen Freelander empfehlen könne, wollte die Versicherungskauffrau wissen. Angesichts deines Berufes, liebe Britta, rate ich – so ganz allgemein – von dem Modell eher ab, sagte ich. Vor allem defektfürchtende Aspiranten muss ich vor dem Junior-Landy warnen. Warum? Das klärt diese Checker-Folge. Als der fesche Freelander 1 Ende 1997 als erster selbsttragender Land Rover in die Showrooms rollt, ist die Welt noch in Ordnung, das Volk greift begeistert zu. Doch später zeigt sich, dass hinter dem charmanten Schein das Übel lauern kann.

Gebrauchtwagenbörse: Gebrauchte Land-Rover Freelander im Überblick

Ein unüblicher Langläufer: Gut 200.000 Kilometer sind beim Land Rover-Benziner schon exotisch.

Beispiel Hinterachse: Solide ist die nur im Vorwärtsbetrieb. Geht es andersrum, reicht ein herzhaft angefahrener Bordstein, um das Achtergebein zu verbiegen. Motor: Hier offenbart sich das früher typisch britische Unvermögen, Maschinenteile mit halbwegs präzisen Dichtflächen herzustellen. Folge: heftige Inkontinenz und/oder Öl im Kühlwasser und/oder umgekehrt. Elektrik: Deren Fehlkonstruktion äußert sich am klarsten beim Viertürer – wenn beim synchronen Surren der vier Fensterheber mal kurz der Kabelbaum ankokelt. Die volle Ladung an Horrorgeschichten? Wer das meint, sollte sich erst mal das ganze Mackenspektrum runterbeten lassen. Aber dafür fehlt hier der Platz.

Überblick: News und Tests zum Land Rover Freelander

Mal so gesagt: Was dieser Ur-Freiländer an Mängeln bietet, beschert ihm einen Spitzenplatz im Möhren-Kabinett der Allradspezies. Ungeachtet dessen wirken die bis 2006 gebauten Freelander 1 auf den modebewussten SUV-Fan ziemlich sexy – wie die Einstiegsangebote um 3000 Euro. Der große Name Land Rover macht halt an, vernebelt bisweilen die klare Sicht. Und provoziert das Motto "Wird schon nicht so schlimm sein". Das Exemplar in urbritischem "Caledonian Blue", das ich im Netz finde, zeigt sich als Idealbesetzung für die Rolle, um den Interessenten X ins wahre Leben zurückzubeamen.

Konkret ist es ein Freelander Hardback 1.8i, angetrieben vom Rover-eigenen 120-PS-Benziner. Vierte Damenhand seit 2002, Scheckheft und Rechnungen fehlen. Immerhin will der nette Händler von einer jüngeren Zylinderkopfreparatur wissen. Bei der auch der Zahnriemen erneuert wurde – mutmaßlich. Doch optische Indizien dafür lassen sich nicht ausmachen: Der ganze Motorraum steht in öligem Saft – nicht überraschend bei diesem Triebwerk, wie gesagt. Ebenso wenig wundern mich fehlendes Hydrauliköl der Servolenkung, die rutschende Kupplung, ein undichter Auspuff. Der E-Antrieb der Heckscheibe zuckt nur, die Viskokupplung ist zum starren Durchtrieb verhärtet und lässt die Räder radieren, Vorderachse wie Lenkung künden polternd von reichem Spiel – alles typisch.

Immerhin rostfrei

Dreckig, aber immerhin noch ganz und gar rostfrei. Letzteres ist ein ganz typischer Pluspunkt beim Freelander.

Wie auch die Tatsache, dass der innen arg geschundene Freelander völlig rostfrei dasteht; eine der echten Tugenden dieser Baureihe. Exotisch ist hier höchstens die Gesamtlaufleistung: Gut 200.000 Kilometer sind für diesen Motor eine biblische Dimension. 3400 Euro seien das letzte Wort, meint der Händler. Womit das Auto gefühlte 3000 Euro zu teuer ist. Wie viele seiner Artgenossen dieser Preiskategorie. Na gut, aber welche Version darf es denn überhaupt sein, wenn es unbedingt ein früherer Freelander sein muss? Nicht der ungezügelt saufende 2.5 V6, den es nur mit Automatik gibt.

Lieber woanders zugreifen

Keinesfalls der Rover-Diesel 2.0 di (97 PS), dessen Defekte sich heute mangels Ersatzteilen nur erschwert kurieren lassen. Eher kann man den Ende 2000 eingeführten Td4 nehmen – dessen BMW-Diesel kränkelt "nur" in den Punkten Einspritzpumpe und Turbolader. Britta, die eingangs erwähnte Dame, hat übrigens gerade zum 97er Toyota RAV4 gegriffen. Den hatte ich ihr kurzfristig besorgt, als Dankeschön für die Idee zu dieser Folge. Jetzt ist sie glücklich. Wie auch morgen noch. Und übermorgen ...
Autor:

Wolfgang Blaube

Fazit

Mit dem ersten leichten Facelift Ende 2000 erhielt der Freelander den sorgenärmeren BMW-Diesel sowie eine solidere Elektrik. Nur dieses Modell sollte man, Mut vorausgesetzt, kaufen. Wer auf das Land-Rover-Label verzichten mag, ist jedenfalls mit einem Suzuki Grand Vitara oder Toyota RAV4 sorgenfreier bedient.

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