Land Rover G4 Challenge

Land Rover G4 Challenge Land Rover G4 Challenge

Land Rover G4 Challenge

— 29.07.2006

Die grüne Hölle

Bei der Land Rover G4 Challence kämpfen 18 Kanditaten vier Wochen lang in vier Ländern um den Sieg. AUTO BILD ALLES ALLRAD war auf der Etappe in Laos dabei.

Marketingveranstaltung mit Gegensätzen

Wie gut, dass unsere Autos alle in diesem freundlichen Orange lackiert sind und keine Maschinengewehre auf dem Dach haben. Da muss wenigstens niemand befürchten, dass der Vietnamkrieg wieder ausgebrochen ist. Oder doch? Was sollen die Menschen hier in Laos, einem der ärmsten Länder der Welt davon halten, wenn plötzlich 60 schwere Geländewagen aus dem Nichts auftauchen und durch ihre Dörfer stauben? Zum Glück zerstreuen das fröhliche Winken der Kinder und die erstaunten, aber freundlichen Blicke der Erwachsenen unsere Befürchtungen.

Nein, hier hat niemand Angst vor uns. Vielmehr amüsieren sich die Dorfbewohner über die seltsam gekleideten Langnasen in ihren großen Autos, die merkwürdige Dinge treiben: Sie strampeln auf ihren Fahrrädern über die Felder und auf die Hügel, anstatt auf der Straße zu bleiben. Ihre hübschen Boote benutzen sie nicht etwa dazu, das andere Flußufer zu erreichen, sondern sie paddeln damit im Kreis herum. Sie klettern in Höhlen umher und lassen sich an Seilen in den Fluß gleiten. Das Merkwürdigste aber: Sie bewegen sich viel zu schnell. Manchmal laufen sie sogar in vollem Tempo um die Wette. Kein Einheimischer käme auf die Idee, sich freiwillig so schnell zu bewegen – bei tropischen 36 Grad im Schatten und erdrückenden 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Doch woher soll der Bewohner eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde auch wissen, worum es hier geht. Dass er,

Abenteuer Alltag: Challenge-Rover trifft Eingeborenen-Transporter.

am Rande seines kleines Dorfes, unten am Fluss, gerade Zeuge einer gigantischen Marketingveranstaltung wird. Er weiß nicht, was Marketing bedeutet. Und er wird sich nie in seinem Leben ein Auto leisten können, allenfalls ein chinesisches Moped, wenn seine gesamte Familie viele Jahre lang darauf spart. Nein, größere Gegensätze sind kaum denkbar: hier dieses rückständige, wunderschöne südostasiatische Land, eingeklemmt zwischen Thailand und Vietnam und vergessen vom Rest der Welt, weil es weder strategisch noch wirtschaftlich von Bedeutung ist. Und dort eine seit Jahren vorbereitete und mit einem zweistelligen Euro-Millionenbetrag ausgestattete Veranstaltung, mit der ein Hersteller von teuren Geländewagen beweisen möchte, wie jugendlich, sportlich und abenteuerlich die Menschen sind, die ein solches Auto fahren. Nur alle drei Jahre leistet sich Land Rover die G4 Challenge.

An die Pedale: Ohne Topkondition hat man hier nichts verloren.

Beim ersten Mal mussten die Kandidaten nacheinander auf vier Kontinenten um die Wette geländefahren, radeln und paddeln (daher der Name: G für global, bedeutet weltweit, und 4 für die Kontinente). Doch das war organisatorisch zu aufwendig und zu teuer. Deshalb wurde aus der zweiten Auflage eine "G2 Challenge" auf den beiden Kontinenten Asien und Amerika. Der Aufwand ist immer noch gigantisch. Die Teilnehmer fliegen aus ihren jeweiligen Heimatländern nach Bangkok, dort übernehmen sie ihre Autos. Von dort aus führt die Tour in den Nordosten von Thailand und über die Grenze nach Laos.

Plan B und Blindgänger

Nach zwei Wochen fliegt der 120-Personen-Tross aus Teilnehmern, Organisations- und Land-Rover-Mitarbeitern nach Brasilien, übernimmt neue Autos, von dort aus geht’s per Flugzeug weiter nach Bolivien, wo wieder 50 neue orangefarbene Land Rover parat stehen. Insgesamt vier Wochen lang kämpfen die 18 Kandidaten, die sich zuvor in ihrem jeweiligen Land qualifiziert haben, um den Hauptpreis, einen nagelneuen Range Rover.

Platz ist in der kleinsten Hütte: Nur einmal pro Woche geht es ins Hotel.

Übernachtet wird in Zelten, nur einmal pro Woche im Hotel. Von den Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Länder bekommen die Abenteurer nicht viel mit. Sie müssen jeden Tag fünf oder sechs Wettkämpfe bestreiten: Kayakfahren, Mountainbiken, Orientierungsläufe, Geländefahren mit dem Range Rover Sport. Da ist starke Kondition gefragt, am besten gleich auf dem Niveau eines Leistungssportlers. abends sind die meisten Helden fix und fertig, kriechen todmüde in ihre Schlafsäcke. Der Organisationsapparat im Hintergrund läuft gleichzeitig auf vollen Touren. Es gibt immer einen Plan B. Wenn ein nächtlicher tropischer Regenguss das Reisfeld, auf dem einer der Fahrrad-Wettbewerbe des nächsten Tages stattfinden soll, in ein unpassierbares Schlammfeld verwandelt, muss kurzfristig ein anderer Platz her, auf dem die Kandidaten um die Wette radeln können.

In Laos hatte Land Rover eine sehr spezielle Aufgabe im Vorfeld der Challenge zu erledigen: Ein Räumdienst suchte jeden der knapp 50 Wettbewerbs- und Übernachtungsplätze Quadratmeter für Quadratmeter nach nicht explodierten Bomben ab. Das Land ist übersät mit Blindgängern aus dem Vietnamkrieg, abgeworfen von den Amerikanern vor 40 Jahren.

Trügersiche Idylle: Abseits der Wege können alte Bomben lauern.

Obwohl Laos gar nicht zu den kriegsführenden Ländern gehörte, weil aber ein Nachschubweg des Vietcong, der Ho-Chi-Minh-Pfad durch den Norden des Landes führte, warf die US-Army mehr Bomben auf die betroffenen Provinzen, als im Zweiten Weltkrieg auf Europa fielen. Diese schrecklichen Zeiten kennen die meisten Menschen in Laos, die zu drei Viertel jünger als 25 Jahre alt sind, nur aus Erzählungen. Auf den Schulhöfen und Feldern, die während dieser Woche von Land Rover genutzt wurden, können die Kinder jetzt gefahrlos Fußball spielen. Immerhin.

Autor: Bernhard Weinbacher

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