Tacho im Audi ABT RS 6

Langsam fahren: Pro und Kontra

— 01.10.2010

Raser gegen Schleicher

Schnell oder langsam, das ist hier die Frage. Für manche ist es auch ein Streit um Sein oder Nicht(s)sein. Auf der Straße und im Leben. Entspannt oder eilig – eine Glaubensfrage, auch in unserer Redaktion.

"Wer langsam fährt, kommt meist schneller an sein Ziel", findet Stefan Voswinkel.

Auch wenn Sie es von einem Mitarbeiter einer Autozeitung nicht erwarten: Ich fahre gern langsam! Ich schleiche nicht, ich trödel nicht. Aber ich fahre selbst auf der Autobahn selten schneller als 140. Und bin noch nicht mal wirklich später am Ziel. Meine Kollegen Alex Cohrs und Jörg Maltzan haben es im Frühjahr ausprobiert und sind 1000 Kilometer von Flensburg nach Füssen gefahren. Der eine volle Pulle im AMG-Mercedes, der andere langsam mit dem Diesel. Zeitunterschied: 13 Minuten.

Lieber entspannt ankommen

Mitarbeiter Stefan Voswinkel.

Vielleicht muss ich erklären, warum ich die Langsamkeit für mich entdeckt habe. Ich pendle jedes Wochenende zwischen Hamburg und Kassel. Spule 300 Kilometer ab, wenn ich am Freitagabend Feierabend mache. Und was erwartet mich nach einer anstrengenden Arbeitswoche? Möchtegern-Schumis, die sich mit Adrenalin in den Adern und Schaum vorm Mund in ihren hochgezüchteten SUVs, Limousinen und Luxussportwagen auf der linken Spur Rennen liefern. Vertreter, die in ihren TDI-Kombis schnell noch quer durch die Republik müssen und statt des Vordermanns nur ihren nächsten Termin vor Augen haben. Nee, vielen Dank – Hektik habe ich auch so genug. Da fahre ich lieber ganz entspannt, und mein Wochenende beginnt schon während der Fahrt. Ziel erreicht. Viel früher als jeder Linke-Spur-Drängler. Denn, lieber Kollege, auch bei euch Schnellfahrern heißt es: Zeige mir, wie du fährst, und ich sage dir, wer du bist!

Redakteur Claudius Maintz.

"Wer langsam fährt, kommt auch im Leben nicht voran", sagt Claudius Maintz.

Ich will weiter, immer weiter. Und dieser weiße Nissan Micra ist dabei im Weg, zwingt mir und zig anderen innerorts Tempo 40 auf. Ist es dem Kerl völlig egal, dass er uns alle lähmt? Genau das denke ich in so einem Moment, und weil das alles gerade passiert ist, hacke ich es mit noch heißer Wut in meinen Computer. Und nicht mit der sonst angemessenen Betriebstemperatur. Ich bin da ganz anders. Wenn mir an der Ampel der Motor abstirbt, kommt Druck in mir auf. Es ist mir peinlich, andere aufzuhalten, ein Hindernis zu sein. Und dieser Trottel da tuckert im Bummelzugtempo über die vierspurige Bundesstraße, ist eine unüberwindbare Mauer aus Ignoranz. Eilig habe ich es nicht, bin aber alt genug, selbst zu entscheiden, wie schnell ich fahre. Und wenn ich geblitzt werde – sorry –, dann ist das mein Problem! Weg mit dir, du pensionierter Studienrat, du Verkehrsoberlehrer. Mann, was ist das bloß für ein Typ? Will der nicht auch vorankommen? Im Auto wie im Leben?

Langsamfahrer sind Langweiler

Ich werde neugierig, überhole, schaue fragend rüber. Und blicke in ein leeres, blasses Gesicht, das bräsig in die Ferne blickt. Wie dieser Nobody aussieht, habe ich mir nicht gemerkt. Im Radio hört er sicher NDR Info oder gar nichts! Ich nehme all meine Arroganz zusammen, denke: Wer so fährt, kommt auch außerhalb des Autos nicht voran, blockiert diejenigen, die genau das wollen! Ein Langweiler, ohne Ziele, ohne Sex. Spaßfrei. Nie würde ich mit dem ein Bier trinken können! Zeige mir, wie du fährst, und ich sage dir, wer du bist!

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