Lasten-E-Bikes für Familien im Vergleich

Lastenrad: Test

Lasten-E-Bikes für Familien im Vergleich

Viele Kurierdienste nutzen Lastenräder mit Elektromotor statt Autos. Unsere Kollegen von BIKE BILD haben getestet, ob sich die E-Cargobikes auch für Familien lohnen. Hier kommen ihre Test-Erfahrungen.
Sieben Familien testen sieben Cargobikes: Das Zwischenergebnis des BIKE BILD-Lastenrad-Tests, bei dem alle Test-Familien jedes E-Bike fahren werden, ist eindeutig: Die Freude über das neue, leider nur geliehene Familienmobil ist riesengroß. Bleibt nur noch die Frage, welches Lastenrad für welche Familie und welchen Einsatzzweck am besten geeignet ist. Schließlich ist die Vielfalt an Systemen enorm: einspurige Lastenräder wie das Riese & Müller oder Dreiräder wie das Babboe, gefedert oder nicht gefedert wie das Winter oder das Larry vs. Harry, sportlich mit Neigetechnik wie das Chike oder eher gemütlich wie das Urban Arrow. Die ersten Wochen unseres Tests zeigen deutlich, dass es gewisse Vorlieben bei den Testern gibt. Während der eine Kollege das Raumwunder Babboe Curve Mountain liebt, auch wenn es sich nicht sehr schnell um die Ecken zirkeln lässt, steht der andere auf sportliche Cargobikes, mit denen er auf dem Weg zur Arbeit Strecke machen kann. Die Neugier auf die nächsten Test-Modelle bleibt groß – dies hier ist ein Zwischenstand.
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Urban Arrow Family CX

Das Urban Arrow hat bisher alle Tester überzeugt. Es lässt sich leicht und bequem steuern, auch bei hohen Geschwindigkeiten.

Fahren wie mit einem Hollandrad – leicht, komfortabel und stylisch noch dazu. Akku, Schaltung, Lenkung und Bremsen funktionieren sehr harmonisch. Alles ist so gut aufeinander abgestimmt, dass sich Fahrer und Kinder auch bei höheren Geschwindigkeiten sicher fühlen. Die Transportkiste bietet zwei Plätze in Fahrtrichtung und zusätzlich einen weiteren, wenn ein Kind kein Problem mit dem Rückwärtsfahren hat. Pluspunkt für das Urban Arrow: Für Fahrten bei Regen lässt sich eine Persenning binnen weniger Sekunden aufbauen, sodass die Kinder gut geschützt in der Transportkabine sitzen. Für den Fahrer gibt es noch einen zusätzlichen Poncho, der mit seinem vorderen unteren Rand auf der Persenning der Kiste festgeklettet werden kann. So bleibt er auch bei viel Regen trocken. Die Länge des Urban Arrow kann beim Öffnen eines Gartentors zum Problem werden. Hier muss der Fahrer das Lastenrad meist auf die Ständer bocken. Dies wiederum ist mit dem gebogenen Ständer, der als Hebel funktioniert, viel besser gelöst als bei anderen Modellen.

Chike Kids

Das Chike Kids fährt sich klasse! Und dank Neigetechnik können sich die Kinder während der Fahrt mit in die Kurve legen. Das ist großer Spaß! Die Schaltung des Bikes funktioniert automatisch – einfach schön. Die Neigung wird über einen Drehgriff am linken Lenkerende eingestellt. Zugegeben, bei unserem Prototyp hakte es manchmal. "In der Serie haben wir dieses Problem jedoch abgestellt", meint Chike-Geschäftsführer Manuel Prager. Wollen die Kinder einsteigen, wird über den Drehgriff "P" wie Parken gewählt, was die Neigetechnik blockiert. Das Chike ist extrem agil zu fahren, was auch seiner Kürze zuzuschreiben ist. Die hilft zudem beim Parken im Keller. Nicht zu vergessen, das geringe Gewicht. Hier muss kein Rücken leiden, wenn der Fahrer das Bike anheben und um die Ecke hieven muss. Mit gerade einmal 73 Zentimeter Breite (70 Zentimeter stehen dabei den Kindern als Sitzfläche zur Verfügung) ist das Rad viel schmaler, als es aussieht. Und die Einkäufe passen gut in die leicht abnehmbare Kiste.
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Butchers & Bicycles MK1-E

Schnelles Fahren macht allen Beteiligten mit dem MK1 großen Spaß – aufgrund der Akkuleistung leider nicht sehr lange.

Alle bisherigen Tester sind sich einig, dass das B&B mit seiner Neigetechnik bei höheren Geschwindigkeiten richtig Laune macht. Indes sind auch alle der Meinung, dass es sich bei Tempo 10 bis 12 km/h nur schwer manövrieren lässt. Motor, Schaltung und Bremsen überzeugen alle. Und für das Design hat das Lastrad bisher auch nur Pluspunkte gesammelt. Die Tester mochten die Einstiegstür des MK1 und den Platz für die Kinder. Sind diese allerdings erst einmal eingestiegen, bleibt nicht mehr viel Raum für Einkäufe oder andere Gegenstände – obwohl das Bike satte 90 Zentimeter breit ist. Im Turbo-Modus schafft das Dreirad gerade mal 20 Kilometer Reichweite. Das ist schwach. Zudem der Akku nicht am Rad aufgeladen werden kann und der Ausbau desselben recht fummelig ist. Hier sollte sich der Hersteller noch Gedanken machen.

Riese & Müller Packster 60

Einig waren sich alle bisherigen Tester darin, dass das Packster ein komfortables, sehr gut zu fahrendes Lastenrad ist. Die Transportkiste ist zudem ausreichend groß. Herausragend ist das E-Bike in Sachen Reichweite. Mit dem Dual Battery System, welches das Packster mit nicht weniger als 1000 Wh versorgt, muss man sich über die Länge eines Tagesausflugs keine Gedanken mehr machen. Eher schmerzen dem Fahrer die Beine oder die Kinder verlieren die Lust, als dass das Packster nicht mehr schieben mag. Auch die NuVinci­-Schaltung macht Freude, arbeitet unkompliziert und souverän. So hinterlässt das Cargobike den Eindruck eines robusten und verlässlichen Partners. Mit 2,46 Meter Länge ist das Packster das längste Bike im Test und dementsprechend schwierig zu handeln. Beim Ständer stünde dem Fahrrad eine Lösung ähnlich der des Urban Arrow gut zu Gesicht. Überhaupt nicht gut kam das Verdeck des Packster bei den Testern an. Nicht nur dass es keine "Cabrio"-­Lösung gibt, sondern nur ganz drauf oder ganz ab. Die gesamte Handhabung wurde als zu fummelig empfunden. Und auch der Einstieg war für die Kinder nicht leicht zu schaffen. Hier würden sich alle über eine Weiterentwicklung freuen.

Larry vs. Harry Bullitt

Schnell, schmal, schnittig, schön – das Einzige, woran es beim Bullitt hapert, ist das recht geringe Raumangebot.

Das Automatikgetriebe vereinfacht das Fahren und macht im Zusammenspiel mit dem agilen Verhalten des Fahrrads sehr viel Spaß. Das Äußere gefällt bisher allen Testern. Was sportlich aussieht, kann indes auch Nachteile haben. Zum Beispiel das Oberrohr. Bei keinem anderen Rad im Test muss man das Bein so hoch heben wie beim Bullitt. Ehrlich gesagt schwingt man es am besten gleich sportlich von hinten über den Sattel. Die Sitzbank und das Verdeck sind sehr gut und wertig verarbeitet. Letzteres lässt sich nach vorne vorbildlich einfach mit zwei Ösen einhaken und zusätzlich zur Seite öffnen. Trotz seiner enormen Länge ist das Bullitt sehr agil, was beim Anfahren jedoch ein wenig Übung voraussetzt. Zu den Nachteilen: Die Schnittigkeit des Bikes zeigt sich eben auch im Platzangebot der Kabine. Sitzt ein größeres Kind darin, ist nur noch für ein Plüschtier daneben Platz. Alternativ können sich zwei kleine Kinder darin wohlfühlen. Im Gegensatz zum Riese & Müller gibt es keinen rückwärtigen Gepäckträger. Ein Lastenrad müsste mehr Platz für Lasten haben.

Babboe Curve Mountain

Das Bike hat durch sein großes Platzangebot enormen Nutzwert. Positiv kam bei den Testern auch an, dass man an Ampeln einfach anhalten kann, ohne den Fuß vom Pedal nehmen zu müssen. Zudem begeistert die Verarbeitung, der Raum für bis zu vier Kinder, die durchdachten Trittleisten zum Einsteigen, die einfache Montage der Persenning und der robuste Rahmen. Bei allem Lob gibt es aber auch kritische Punkte. Weil das Curve Mountain nicht über Neige-­ und Federungstechnik verfügt, spürt man beim Fahren jede Bodenwelle. Ist die Fahrbahn schräg, muss man stark mit dem Oberkörper gegenhalten. Fährt man schneller als 18 km/h, kommt man zudem schnell ins Schlingern. Mit E­-Antrieb also quasi immer. René Rechschwardt von Ahoi Velo wiegelt ab: Mit Kindern fahre man eh nicht so schnell. Nun, das sehen unsere Tester anders.

Winther Kangaroo Luxe E

Die Kids lieben den Ausblick im Kangaroo Luxe E und die bequemen Sitze. Bei den Fahrern kommt die Wendigkeit des Bikes gut an.

Im Winther sitzen Kinder de luxe, ähnlich wie im Chike. Genug Platz und Panoramasicht, mehr braucht es nicht, um Kinder glücklich zu machen. Für die Fahrer kommt zudem gut an, dass man einfach anhalten und mit einem Bekannten schnacken kann, ohne absteigen zu müssen. Auch die Wendigkeit des Kangaroo Luxe gefällt. Das praktische Fach hinter den Kindern schluckt einen Rucksack, der Griff am Gepäckträger hilft beim Rangieren auf engstem Raum, und der Akku lässt sich leicht mit einem Schlüsseldreh entriegeln und rausziehen. So weit, so gut. Ähnlich wie beim Babboe hapert es am Handling beim Fahren. Fehlt eine Neigetechnik wie beim Chike oder Butchers & Bicycles, lassen sich höhere Kurvengeschwindigkeiten anscheinend nicht realisieren. Bei hohen Geschwindigkeiten wird dieses Bike generell sehr instabil, so der Eindruck im Test. Bei unebener Piste drohte einem Tester das Lenkrad aus der Hand zu schlagen. Probleme mit schlechter Displaybedienung werden da schon fast zur Nebensache. Zwischenfazit: Langsam kommt man gut ans Ziel.

 

Preise der Lastenräder und alle technischen Details gibt's in der Bildergalerie. Der Test ist aus der BIKE BILD 1/2018 und wird fortgesetzt! Jetzt im Handel – die aktuelle BIKE BILD 3/2018 mit folgenden Themen: Zehn E-Mountainbikes im Test • Acht Allround-Rennräder unter 2000 Euro im Vergleich • Sicherheitstraining: So fahren Sie besser mit Ihrem E-Bike • Zehn Fahrradreiniger im großen Labortest • Smartes E-Bike: So verbessern Smartphones und Apps Ihr Pedelec. Hier online bestellen!

Lasten-E-Bikes für Familien im Vergleich

Riese & Müller Packster 60Chike KidsBabboe Curve Mountain

Autor: Mathias Müller

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