Weibliche Fahrer bei den 24h von Le Mans

Le Mans: 179 Männer gegen eine Frau

Porsches Le-Mans-Lady

Unter den 180 Teilnehmern bei den 24 Stunden von Le Mans 2018 ist nur eine Frau: Christina Nielsen. So tickt die hübsche Blondine. Und: Le-Mans-Frauen in der Bildergalerie.
Gerade noch war sie die Bilderbuch-Blondine wie aus dem Klischee. Doch kaum hat sie ihre hellblonden Haare zum Zopf gebunden und im Helm versteckt, ihre Rennhandschuhe über die rot lackierten Fingernägel gestülpt und kaum verdeckt das heruntergeklappte Visier ihre eisbonbonfarbenen Augen – schon ist sie Rennfahrerin. „Ich bin keine Frau, die Rennen fährt, ich bin ein Rennfahrer, der eine Frau ist“, stellt Christina Nielsen (26) klar. Sie ist 2018 die einzige Starterin in Le Mans, fährt in einem Porsche 911 RSR (4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer, rund 510 PS) in der GTE-Amateurkategorie.
In Amerika hat die Dänin längst Kultstatus erlangt, seit sie 2016 und 2017 mit Ferrari die GT3-Wertung der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft für sich entschied. Bei jedem ihrer zwei Le-Mans-Starts bisher war sie auch im Ziel. „Das muss ich auch. Wenn ich als Frau einen Unfall baue, gibt es immer einen, der einen schlauen Spruch auf Lager hat. Wenn ein Mann einen Unfall hat, dann heißt es: ‚Mensch, der hat aber echt alles gegeben.‘“

Christina Nielsen vertritt die Frauen in Le Mans

57 Frauen starteten bisher bei den 24 Stunden von Le Mans, darunter 21 reine Damenteams. Die Mädels bringen es zusammengerechnet auf 122 Starts. Odette Siko gelang 1932 in einem Alfa Romeo 6C mit Rang vier das bisher beste Resultat einer Frau. Nielsen weiß, dass sie mit dem Porsche 911 RSR diesen Rekord nicht brechen kann. Aber sie will mit ihren Teamkollegen Fabio Babini (48) und Erik Maris (54) den Klassensieg. Und sich so für einen Aufstieg in den Porsche-Werkskader in Stellung bringen: „Aber daran gehe ich heran wie überall im Leben: immer hoffen, aber nie erwarten oder für selbstverständlich erachten.“
Die Begeisterung zum Rennsport hat Vater Lars-Erik Nielsen der hübschen Dame mit auf den Weg gegeben. Er startete von 2004 bis 2008 selbst fünfmal in Le Mans. Aber immer als Amateur, mit Spaß, ohne Druck. Auch war nie sein Plan, seine vier Kinder zu Rennfahrern heranzuziehen. Erst mit 13 wollte Christina selbst fahren – und setzte sich erstmals in ein Kart. Es wurde ihre erste große Liebe. Als sie 2010 und 2011 in Deutschland im ADAC Formel Masters gegen spätere Formel-1-Piloten wie Pascal Wehrlein (23) kämpfte, war klar: Karrierestart erst mit 13, das ist zu spät. Jetzt baut sie sich über die Sportwagen-Sparte eine Profikarriere auf.
Was ihr noch fehlt – mehr Verständnis für die Technik: „Jetzt, wo ich mein Management- und Marketingkommunikations-Studium abgeschlossen habe, will ich mich auch da hineinfuchsen.“ Selbst wenn sie in Le Mans wieder IM Ziel ist; sie ist noch nicht AM Ziel.
In der Bildergalerie sehen Sie einige der 57 Le-Mans-Teilnehmerinnen bisher.

Weibliche Fahrer bei den 24h von Le Mans

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller; Twitter/Christina Nielsen

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