Porsche 919 Hybrid - Update

Porsche 919 Hybrid - Update Porsche 919 Hybrid - Update Porsche 919 Hybrid - Update

Le Mans: Vorjahressieger Hülkenberg

— 15.06.2016

"Du darfst nicht rumeiern"

Nico Hülkenberg gewann letztes Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT stimmt er auf den Klassiker ein.

Herr Hülkenberg, ein Jahr danach: Wie wichtig ist Ihr Sieg in Le Mans noch für Sie?

Nico Hülkenberg: Für mich persönlich sehr wichtig, sehr wertvoll, mein größter Erfolg in meiner Motorsportkarriere. Er hat mein Leben jetzt nicht verändert – auch nicht in der Formel 1. Trotzdem ein Ereignis, das ich nicht missen möchte. Ich bin für immer in den Geschichtsbüchern, gehöre für immer zu dem elitären Kreis der Le-Mans-Sieger in einem LMP1-Auto. Das ist viel Wert.

Was ist das Besondere in Le Mans?

Wenn in der Formel 1 nach zwei Stunden Schluss ist, geht es da noch 22 Stunden weiter! Mensch und Maschine müssen 24 Stunden auf höchstem Niveau operieren. Man kann sich keine Fehler erlauben, sonst geht es mächtig in die Hose. Es ist anstrengend und laugt einen aus. Es ist schwierig zu schlafen, weil die Anspannung so hoch ist. Mir ist es gelungen zwei Stunden wirklich ordentlich zu pennen. Dann hatte ich morgens noch mal die Möglichkeit. Aber da war ich dann so aufgeregt, weil wir in Führung lagen, dass ich kein Auge mehr zugekriegt habe. Ständig hört man die Motorgeräusche oder den Streckensprecher. Da cool zu bleiben, ist schwer.

Nico Hülkenberg kann aufgrund der Terminkollision mit dem Europa GP nicht in Le Mans antreten

Wollen Sie noch einmal nach Le Mans zurückkehren?


Definitiv. Erstens: Gewinnen ist immer cool. Darum bin ich Rennfahrer geworden. Aber auch dieses große Projekt mit einer Marke wie Porsche mitzuerleben, Teil der Geschichte zu sein, war megaspannend. Nach meiner Formel 1 Zeit ist auf jeden Fall Interesse da, das zu wiederholen. Leider glaube ich nicht, dass es auf absehbare Zeit wieder der Fall sein wird, dass ich beides parallel machen kann.

Werden Sie das Rennen dieses Jahr trotz Ihres eigenen Rennens in Aserbaidschan verfolgen?

Ja, nach dem Qualifying werde ich mir bestimmt ein Plätzchen suchen, wo ich verfolgen kann, was in Le Mans gerade passiert. Natürlich drücke ich meinen Jungs die Daumen.

Wer sind die Favoriten?

Die üblichen Verdächtigen: Für mich machen Audi und Porsche den Sieg unter sich aus. Egal, was bei den Rennen vorher war: Le Mans hat immer auch seine eigenen Gesetze. Dieses Rennen ist nicht berechenbar. Du musst immer am Ball sein und darfst nicht einfach da rumeiern. Du musst richtig fliegen lassen. So haben wir letztes Jahr auch das Rennen gewonnen, weil wir einen unglaublichen Speed hatten.

Kommen wir zur Formel 1: Wie sehr hat es Sie gewurmt, dass Ihr Teamkollge in Monaco auf dem Treppchen stand und nicht Sie?

Ist dumm gelaufen, muss man da sagen. Daran hatte ich schon zu knabbern. Aber er hatte Glück, während bei mir am Kommandostand eine falsche Entscheidung getroffen wurde. Sonst wäre es genau umgekehrt gekommen und ich wäre aufs Podium gefahren. Ich musste dann natürlich versuchen bei der ganzen Sache die Emotionen rauszunehmen, das zu analysieren, durchzugehen, verstehen, was falsch gelaufen ist und wieso. Das haben wir gemacht. Natürlich war ich frustriert und sauer und enttäuscht . Aber für mich ist das jetzt durchgekaut. Und abgehakt.

Wenn Sie die Saison bis Monaco sehen, wie überrascht waren Sie von Perez’ konstant schneller Fahrweise?

Nein, eigentlich gar nicht. Der ist auch letztes Jahr die zweite Hälfte sehr konstant gefahren. Meine Saison vor Monaco war ziemlich verhext. Da wird oftmals ein falsches Bild gezeichnet. Ich hatte so viele Probleme – nicht nur in Rennen, auch in Qualifyings. Viele Sachen, die wir nur teamintern wissen.

In der Formel 1 hat Hülkenberg den WM-Titel noch nicht aus den Augen verloren

Wie schwierig ist die Balance zwischen Team schützen und eigenes Image fördern?


Manchmal nicht so einfach. Wichtig ist, dass teamintern alle klar ist und auch die Entscheider im Fahrerlager sehen, was passiert. Klar, in der Außendarstellung ist das nicht immer ideal. Aber so ist das als Fahrer. Da musst du manchmal die Pille schlucken, dass du in dem Moment schlechter aussiehst, obwohl es dafür Gründe gibt, die aber nicht kommuniziert werden wollen.

Sind Sie trotzdem der Meinung, dass Sie mit Force India auf dem richtigen Weg sind?

Ja, auf jeden Fall. Wir sind über den Winter ordentlich zurückgefallen. Seit Barcelona haben wir einen richtig großen Satz nach vorne gemacht mit dem Update. Das brauchten wir auch. Jetzt sind wir ganz gut aufgestellt, was die restliche Saison betrifft. Nicht, dass wir jetzt Mercedes angreifen können oder so. Man muss ja realistisch sein. Aber wir können jetzt wieder aus eigener Kraft in die Punkte fahren.

Kämpfen Sie gegen McLaren und Toro Rosso um Platz vier in der Teamwertung?

Ja, ich glaube, die muss man auf der Rechnung haben. Die haben auch ein hohes Entwicklungstempo. Die haben vor allem das Geld und die Ressourcen im Vergleich zu uns. Auch mit Hinblick auf 2017. Irgendwann müssen wir als kleineres Team natürlich aufhören zu entwickeln, weil wir uns auf die neue Saison und die neuen Regularien konzentrieren müssen. Top-Teams haben die Manpower, die Ressourcen und die Möglichkeiten, zweigleisig zu fahren und von daher glaube ich schon, werden die uns Ende des Jahres noch einige Sorgen bereiten.

Ist der WM Titel immer noch das ferne Ziel?

Ja, mit Sicherheit will ich erfolgreich sein. Für mich steht aber über Allem, dass ich Spaß und die Freude hab am Fahren und an dem, was ich tue. Gib mir einen Mercedes und ich gewinne auch die Rennen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.