Leasingverträge

— 01.03.2002

Die Restwertfalle

Leasen oder lassen: Wer sein Leasingauto zurückgibt, streitet schon mal um Gebrauchsspuren. Was ist typisch, und was muss bezahlt werden?



Abgerechnet wird am Schluss

Leasing wird immer beliebter. Zwar lohnt sich diese spezielle Miete eines Autos eher für Firmen, die Leasingkosten als Betriebsausgaben absetzen. Aber auch Privatleute entdecken vermehrt Leasing als attraktive Alternative zur Finanzierung. Denn der vermeintliche Nachteil kann von Vorteil sein: Zwar erwirbt der Leasingnehmer kein Eigentum am Wunschauto. Er steht nach Ablauf der Leasingzeit quasi mit leeren Händen da, obwohl er mit seinen Raten den Wertverlust getragen hat.

Dafür hat er das Auto aber be- und abgenutzt, ohne sich um den späteren Verkauf sorgen zu müssen. Gerade in Zeiten übervoller Gebrauchtwagenmärkte ein wichtiges Argument. Und: Auch wer seinen Wagen finanziert, trägt einen Wertverlust. Mit der Schlussrate ist das Auto zwar bezahlt, aber nur noch einen Bruchteil des Neupreises wert.

Wer also gern öfter das Modell wechselt, neue Technik schätzt und das Reparaturrisiko klein halten will, fährt mit Leasing besser - solange nicht die Restwertfalle zuschnappt. Denn der Wert eines Leasingvertrags zeigt sich erst bei Rückgabe des Autos. Das betrifft vor allem Verträge mit Gebrauchtwagenabrechnung. Gibt der Gebrauchtwagenmarkt für ein Modell weniger her als den kalkulierten Restwert, muss der Kunde die Differenz voll bezahlen.

Kleine Schäden mit großem Ärger

Aber auch beim verbraucherfreundlichen Kilometerleasing ohne Restwertrisiko kann der Fahrzeugzustand Streit bedeuten. Denn erfordern Kratzer eine Neulackierung oder ist die kleine Delle eine irreparable Beule, dann kann der Kunden noch einmal erheblich zur Kasse gebeten werden. Hier holt die Restwertkalkulation des Händlers den Kunden wieder ein. Während die Abnutzung über die Leasingrate abgegolten ist, mindern Beschädigungen den sonst üblichen Gebrauchtwagenwert des Leasingautos. Solche Schäden müsste auch ein Fahrzeugkäufer aus eigener Tasche zahlen.

Aber was ist ein "dem Alter und der Fahrzeugleistung entsprechender Erhaltungszustand, frei von Schäden und Mängeln", wie es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Leasingverträgen meist heißt? Was übliche Gebrauchsspuren sind, ist weder gesetzlich noch richterlich endgültig festgelegt. Sicher sind Lackschäden, Beulen, fehlende Wartung und übermäßiger Verschleiß an Reifen und Bremsen keine typischen Alltagsspuren mehr. Aber selbst wenn sich Händler und Kunde über untypische Mängel einig werden, droht in jedem Fall der Kostenstreit um die Beseitigung dieser Schäden.

Mindern die Beschädigungen nur den Restwert, oder müssen sie als Instandsetzungskosten abgerechnet werden? Auch dazu gibt es keine einheitliche Gesetzeslage. Allenfalls einen Trend, nach dem der Minderwert nicht automatisch Reparaturkosten umfasst. Im Klartext: Hier kann der Händler weitere Mängelbeseitigungskosten geltend machen.

Kulanzfrage - bei Vertragsbeginn regeln

Was Mängel des Fahrzeugs sind und welche Kosten für die Beseitigung entstehen, ermittelt im Streitfall ein vereidigter Sachverständiger. Ob der Fahrzeugzustand aber noch vertragsgemäß ist oder nicht, entscheidet letztlich ein Gericht. Zwar muss nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt (Az. 2/8 S 79/97) der Händler übermäßige Abnutzung beweisen und darf diese nicht mit dem höheren Reparaturaufwand, sondern nur mit einem Minderwert berechnen. Doch eine verbindliche Rechtsprechung zur Abgrenzung von Gebrauchsspuren und Schäden sowie zu Schadenausgleich bei Vertragsende gibt es nicht.

"Hier sollten Leasinggesellschaften gemeinsam mit den Händlern auch für Privatkunden einfache und transparente Kulanzregelungen für kleine und leicht zu beseitigende Schäden an Lack und Blech entwickeln", fordert Fachjuristin Gisela Demberg. Ein Verfahren, wie es in den USA Praxis ist. Zwar kommt es selten zum großen Streit, doch nicht ohne Grund. "Der Kunde darf nicht das Gefühl haben, beim Leasing über das Vertragsende hinaus an eine Marke gebunden zu sein, um weitere Kosten zu vermeiden", sagt Expertin Demberg. Genau das passiert aber häufig: kulante Abwicklung des Altwagens, wenn ein Neuvertrag in Aussicht steht. Demberg: "Eine Kulanzregelung sollte davon unabhängig sein und schon zu Vertragsbeginn getroffen werden."

Letztlich wäre das für alle ein Gewinn. Denn nur so werden auch aus unfreiwillig treuen Kunden zufriedene Kunden. Die behandeln das gemietete Fahrzeug meist heute schon so gut, als wäre es ihr eigenes. Und das ist der billigste Schutz vor teuren Nachzahlungen.

Leasing mit und ohne Restrisiko

Zwei Standardverträge werden im Leasinggeschäft abgeschlossen: der Vertrag mit Gebrauchtwagenabrechnung und der Vertrag mit Kilometerabrechnung. Empfehlenswert ist der Kilometervertrag. In ihm werden ein fester Betrag pro gefahrenen Kilometer plus eine maximale Laufleistung für die Leasingzeit festgelegt. Vorteil: Das Risiko eines Mindererlöses beim Verkauf trägt die Leasinggesellschaft. Aber: Wer mehr Kilometer als festgelegt unterwegs war, zahlt bei Fahrzeugrückgabe für jeden Mehrkilometer zu. Üblicherweise wird eine Toleranzgrenze von 2500 Kilometern gewährt.

Untypische Gebrauchsspuren und erhöhter Verschleiß, die den üblichen Marktwert des Fahrzeugs verringern, muss der Kunde auf eigene Kosten beseitigen lassen. Ein zusätzliches Restwertrisiko tragen Kunden bei Verträgen mit Gebrauchtwagenabrechnung. In diesen Fällen garantiert der Kunde der Leasinggesellschaft einen bei Vertragsbeginn kalkulierten Restwert beim späteren Verkauf. Wird dieser Wert zu hoch angesetzt oder verschlechtert sich die Marktlage in der Leasingzeit, muss der Kunde die Differenz zwischen Restwert und Verkaufserlös tragen.

Liegt der Verkauf allerdings höher als der Restwert, wird der Gewinn meist im Verhältnis 75 (Kunde) zu 25 (Gesellschaft) Prozent aufgeteilt. Auch bei diesen Verträgen gehen untypische Gebrauchsspuren zu Lasten des Kunden.

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