Ledersitze

Ledersitze: Pro und Kontra

— 20.12.2010

Mag wirklich jeder Leder?

Ledersitze im Auto: Die will doch jeder. Autobesitzer, die keine Lederausstattung ordern, sind also nur zu geizig. Oder etwa nicht? Hier zwei höchst unterschiedliche Meinungen, die ziemlich unter die Haut gehen.

"Wenn Leder, dann nur Hühnerleder – MB-Tex", findet Redakteur Karl-August Almstadt.

Gegen das Thema Leder im Auto unter dem Hasslabel zu schreiben, ist natürlich doof, denn: Wer hasst schon Leder im Allgemeinen? An der passenden Stelle, dem Armaturenträger oder Schaltknauf zum Beispiel, ist es genau richtig; an handgenähten Budapestern very wichtig und als Abschluss langer Frauenbeine bis zu zwölf Zentimeter hoch erotisch.

Leder ist heute stumpf, grob und faltig

Redakteur Karl-August Almstadt.

Doch genauso wenig, wie Rotsohlen-Louboutins zum gefühlvollen Gasgeben taugen, braucht es beledertes Autogestühl für den Alltagseinsatz: Leder ist teuer und im Winter arschkalt, erfordert zusätzlich eine Sitzheizung, und die kann bei bestimmten Modellen schnell mal brennen. Leder ist schmierig und schwitzig, wenn im Sommer auf Borkum die Palmen ausschlagen, und überhaupt: Leder ist nicht mehr Leder. Jaa, das schöne Glattleder, Standard bei BMW oder Benz bis in die 80er-Jahre, fühlte sich noch an wie ein lederberockter Teenie-Po – und saß auch so. Das Leder heute ist eher Tante Else nach 30 Jahren Kanaren-Sonne: stumpf, grob, faltig. Auch mit teurer Kosmetik ist da nicht mehr viel zu machen. Fürs textile Einerlei hingegen reicht Rei aus der Tube. Und gegen kleckernde Kinder hilft gute Erziehung, das Auto ist schließlich kein Esszimmer. Statt Büffel-, Hai- oder Hirschleder empfehle ich höchstens Hühnerleder. Das gab's mal bei Mercedes als MB-Tex. Ein legendäres Kunstleder nicht nur für Taxifahrer. Ein Stoff, zigfach zäher als Leder.

Redakteur Tomas Hirschberger.

"Stoff gehört aufs Sofa und nicht ins Auto", sagt Redakteur Tomas Hirschberger.

Ach, lieber Kollege, wo kommt bloß diese Lederallergie her? Da muss ja früher mal was in der Disco völlig in die Hose gegangen sein. Ich jedenfalls denk bei Lack und Leder an Autos. Weil das passt. Schon immer. Denn so hat schließlich mal alles angefangen. Bereits die gute Bertha Benz ist auf gegerbter Kuhhaut zur ersten Autofahrt aufgebrochen. Leder hat Tradition und Stil. Es ist nicht so ein künstliches Zeugs, bei dem ich einen gewischt bekomme, wenn sich mal wieder alle Mikrofasern statisch gegen mich aufladen. Leder lebt. Leder riecht, Leder mag ich anfassen, drüberstreicheln. Es ist halt ein Naturprodukt, das mir jeden Tag genau sagt, wie es sich fühlt. Heiß im Sommer, kalt im Winter. Meinetwegen arschkalt. Na und, bin ich 'ne Sissi? Nee, wirklich, Leute, geht mir weg mit diesem Velours-Stoff-Cord-Mist. Als hätte jemand seinen ollen C&A-Anzug auf die Sitze getackert.

Leder verzeiht

Wer Textil ordert, trägt auch rote Lederkrawatten. Geht es noch spießiger? Und schaut euch diese Low-Budget-Bezüge mal nach ein paar Jahren an. Abgewetzt, fleckig, speckig. Gern auch mit fiesen Rissen und üblen Löchern. Sofas, die so aussehen, wirft man auf den Sperrmüll, Autositze müssen drin bleiben. Und Leder? Das wird mit jedem Tag schöner. Bekommt herrliche Patina und steigert den Wert des Wagens. Selbst wenn Wuffi sich jahrelang dran schubbert und die Gören ihre gute Stube vergessen. Ein Wisch, alles weg. Leder verzeiht. So, das musste mal geschrieben werden. Rein textil, meine ich.

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