Beim neuen Leihwagen-Konzept car2go werden nur Smart Fortwo verwendet.

Leihwagen-Konzept Smart Car2go

— 24.10.2008

Smarter mieten

Wozu erst zur Mietwagenstation gehen, wenn man auch direkt vor der Haustür einsteigen kann? Daimler will auf innovative Weise Smart-Autos verleihen: Der Führerschein dient als Schlüssel, bezahlt wird wie beim Handy pro Minute.

Coffee-to-go, Pizza-to-go, demnächst auch Car-to-go: Der modische Begriff, der das unkomplizierte Mitnehmen meint und mitunter auch etwas aufgesetzt klingt, hat eine kuriose neue Verwendung: Das Wortspiel "Car2go" steht für eine innovative Autovermietung, bei der spontane Mobilität rund um die Uhr möglich werden soll – ein Menschheitstraum, gewissermaßen. Initiator ist kein Geringerer als der Daimler-Konzern: Am 24. Oktober 2008 startet das Unternehmen in Ulm den Probelauf für ein Konzept, das Autovermietung noch einfacher und komfortabler macht. Basis ist der in der Vergangenheit schon oft für tot erklärte, mittlerweile aber recht erfolgreiche Kleinstwagen Smart fortwo, der dank Benzinpreiskrise in jüngster Vergangenheit vor allem in den USA zu einer triumphalen Karriere ansetzte.

Freiminuten fürs Tanken

Nach dem car2go-Prinzip ist der nächste Leih-Smart immer nur ein paar Gehminuten entfernt. Notfalls hilft das Callcenter bei der Suche.

Weitere Lorbeeren soll sich der Kleine nun in der Autovermietung erwerben: 50 Smart werden überall in der Innenstadt von Ulm verteilt. Wer ein Auto braucht, nimmt es sich – ein Lesestreifen am speziell präparierten Führerschein identifiziert über ein Lesegerät hinter der Windschutzscheibe den Fahrer und entriegelt das Auto. Hat der Mieter sein Ziel erreicht, lässt er den Leih-Smart einfach auf einem kostenlosen Parkplatz oder einer von Car2go reservierten Abstellfläche zurück. Abgerechnet wird pro Minute, die kostet derzeit 19 Cent, kassiert mit einer Abschlussrechnung jeweils am Monatsende. Bei Langstrecken kommen günstigere Stunden- oder auch Tagestarife zum Tragen: Pro Stunde zahlt man maximal 19,90, pro Tag 49,90 Euro. Beim Einkaufsstopp schließt man den Wagen nur ab, er bleibt dann eine gewisse Zeit reserviert. Das Nachtanken übernehmen Service-Mitarbeiter, die den Fuhrpark auch regelmäßig reinigen, Wartungsarbeiten durchführen und notfalls umparken. Wer länger unterwegs ist als der Tank verträgt, füllt selbst nach; bezahlt wird mit einer Car2Go-Tankkarte aus dem Handschuhfach – dafür werden Frei-Minuten gutgeschrieben.

Nächstes Frühjahr folgt Stufe zwei

Mit dem Großversuch in Ulm, der vorerst auf 500 Daimler-Mitarbeiter beschränkt bleibt, will das Unternehmen das Nutzungsverhalten der Kunden testen. Es sollen zum Beispiel Erkenntnisse über die Bewegungen der Autos gewonnen werden, um das Parkplatzmanagement darauf abzustimmen. Das Konzept sieht vor, innerhalb weniger Gehminuten – ähnlich der beliebten Call-Bikes der Deutschen Bahn – einen mietbaren Smart in der Innenstadt zu finden. Wer es eilig hat, kann im Internet das nächste freie Fahrzeug lokalisieren. Die bei klassischen Carsharing-Agenturen üblichen Aufnahmegebühren entfallen ebenso wie die lästigen One-Way-Tarife oder Strafgebühren bei konventionellen Mietwagenfirmen, wenn der Tank bei Rückgabe mal nur halbvoll war. Nächster Schritt ist laut Daimler im Frühjahr 2009 die Öffnung des Ulmer Projekts für alle Bürger; dann sollen 200 Smarts zur Verfügung stehen. Wann car2go deutschlandweit oder gar international an den Start geht, ist noch offen – der Wille sei jedenfalls da, betont eine Daimler-Sprecherin. Auch der Verwendung größerer Fahrzeuge stehe prinzipiell nichts im Wege; doch der Smart genießt Priorität: Er sei als Stadtauto nun mal ideal.

Autor: Roland Wildberg

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