Audi Buch 30 Jahre

Leseprobe: Audi Sport-Historie

— 06.05.2010

Drei Jahrzehnte Audi im Motorsport

Autor Alexander von Wegner befasst sich im Buch "30 Jahre Audi Sport – 30 Jahre quattro" mit der Motorsportgeschichte des Ingolstädter Autobauers. Lesen Sie vorab ein Kapitel zu Audis Rallyeerfolg in den 80er Jahren.

Audi Sport und Audi quattro feiern 2010 ihr 30-jähriges Jubiläum. Dass diese beiden Jahrestage zusammen fallen, ist kein Zufall, denn mit dem Audi quattro begann 1980 die erfolgreiche Motorsportgeschichte der Ingolstädter. Anlass genug für Autor Alexander von Wegner Audis sportlichen Werdegang in dem Buch "30 Jahre Audi Sport – 30 Jahre quattro" neu aufleben zu lassen. Auf 208 Seiten befasst er sich mit geschichtlichen Hintergründen und arbeitet jede Epoche gezielt auf. Dabei kommen stets ehemalige Spitzenmanager und bekannte Fahrerpersönlichkeiten wie Walter Röhrl zu Wort. Von Wegner untermalt seine Geschichten mit mehr als 400 überwiegend farbigen Bildern und Grafiken. Zudem widmet sich der Verfasser detailliert sämtlichen Rennfahrzeugen der Marke mit den vier Ringen und rundet seine Publikation mit einem ausführlichen Statistikteil ab. Das Buch ist sowohl auf deutsch als auch in englisch im Buchhandel oder im Internet erhältlich. Der Preis beläuft sich auf 29,90 Euro. Nachfolgend finden Sie eine kurze Leseprobe. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Reise in die Motorsporthistorie der Marke Audi.

Leseprobe: "Das ist der Gipfel"

1984 startete Audi erstmals werksseitig am Pikes Peak, dem härtesten Bergrennen der Welt (im Bild: S1 von 1987).

 Race to the clouds – das Rennen zu den Wolken am Pikes Peak: seit 1916 einmal im Jahr, von 2.862 auf 4.301 Höhenmeter. Von 1982 bis 1983 stellt sich Audi of America dem berühmtesten Bergrennen der Welt, von 1984 bis 1987 kommt das Werksteam aus Ingolstadt. Beim letzten Einsatz stellt Audi mit dem verrücktesten Sport quattro, der je gebaut wird, einen neuen Rekord auf: Walter Röhrl stürmt als erster Fahrer in unter elf Minuten zum Gipfel.

Unser-Familienclan stürmt den Pikes Peak

1987 bringen die Ingolstädter eine neue Ausbaustufe des S1 in Colorado an den Start. Walter Röhrl gewinnt mit neuem Rekord.

Die Geschichte von Audi am Berg beginnt ganz harmlos: John Buffum, auf amerikanischen Rallyepisten 1982 zum ersten Mal mit dem quattro unterwegs, wagt im gleichen Jahr einen Ausflug auf den Berg. 12.20,52 Minuten reichen für den Klassensieg in der Kategorie "Open Rally", sind aber kein Rekord. Die Bestmarke steht in jenen Tagen bei 11.44,82 Minuten, aufgestellt von Bill Brister im "Open Wheeler", einem Monoposto mit Schotterreifen. 1984 wagt sich Audi werksseitig mit dem Sport quattro und Michèle Mouton nach Colorado und belegt nach 12.10,38 Minuten Platz zwei. Die neue Messlatte hatte Al Unser junior im Einsitzer mit 11.38,30 Minuten gelegt. Doch das Jahr darauf ist das Jahr der Französin. Sie gewinnt mit Audi und setzt in 11.25,39 Minuten eine neue Bestzeit mit dem Sport quattro. Noch eindrucksvoller gerät der Auftritt von Bobby Unser im Jahr 1986. Was europäische Fans kaum wissen: Der Pikes Peak ist eine der großen Veranstaltungen in der Unser-Familiengeschichte. Sie vereinigt die meisten Siege auf sich, und seit dem ersten Start der Brüder Louis, Jerry und Joe in einem Motorrad mit Beiwagen anno 1926 sind drei Generationen an den Start gegangen. Bobby Unser erhält die zweite Evolutionsversion des Audi Sport quattro. Zwölf Jahre war er dem Pikes Peak ferngeblieben, dann reizt es ihn wieder. Auf dem Testgelände von Michelin in Clermont-Ferrand lernt er seinen Rennwagen kennen. Seine Idee, ein Spezialreifenmuster zu konstruieren, lehnen die Franzosen ab. Und es reicht auch so sehr deutlich. In 11.09,22 Minuten erklimmt er den Berg – 16 Sekunden schneller als der alte Bestwert. Familienintern hat er die Nase jetzt wieder vorn: Mit seinem zehnten Sieg liegt er nun vor dem neunmaligen Gewinner, seinem Onkel Louis.

Röhrl bricht Rekord

Zu einem Gipfeltreffen der besonderen Art aber wird der letzte Einsatz von Audi am Berg: 1987 trifft die Marke auf Peugeot, den alten Gegner aus der Gruppe B. Und dafür entsteht in Ingolstadt die wildeste Version eines Rallyeautos, die es je gab. Die ohnehin schon alles andere als zahme letzte Ausbaustufe wird in vielen Bereichen weiterentwickelt. Als die Konkurrenz in der Veranstaltungswoche den aerodynamisch extremsten Sport quattro aller Zeiten erblickt, zücken die Ingenieure den Notizblock. Dem Peugeot wachsen von Trainingstag zu Trainingstag mehr Flügel… Ausgerechnet im Qualifying aber tritt am Auto von Walter Röhrl ein Defekt an der Elektronik für das Umluftsystem auf, das auf die dünne Höhenluft abgestimmt ist. Sieben Sekunden fehlen Röhrl auf Unsers Vorjahres-Bestzeit, Ari Vatanen im Peugeot ist Schnellster. Audi nutzt einen freien Tag zur Fehlersuche. Eine Chance, den neu programmierten Chip in der Höhenluft auszuprobieren, hat Röhrl vor dem Rennen jedoch nicht mehr. Die Anspannung wächst. Damit auch der Konkurrenz nicht langweilig wird, denkt sich Sportkoordinator Hans-Joachim Nowak einen Trick aus, über den er noch heute schmunzelt: Er lässt vor dem Start Reifenheizdecken aufziehen, auch wenn sie völlig nutzlos sind. Die Psychologie wirkt: Peugeot erstarrt. Röhrl schießt den Berg hinauf, das Umluftsystem funktioniert, 10.47,85 Minuten sind eine Sensation: erstmals unter elf Minuten, ganze 21 Sekunden schneller als ein Jahr davor.
Auch wenn dieser Rekord später gebrochen wird: Niemand mehr fährt mit einem Auto mit Frontmotor so schnell. Die Zeiten von einst am Pikes Peak sind übrigens für die Ewigkeit. Ein immer größerer Teil der Strecke ist inzwischen asphaltiert, die heute gefahrenen Werte sind also nicht mehr mit denen von damals vergleichbar.

Audi sammelt Titel in der Rallye-Weltmeisterschaft

Zwischen 1983 und 1986 setzt Audi den Sport Quattro S1 werksseitig in der Rallye-WM ein.

1983 wird das Jahr des Hannu Mikkola mit Siegen in Schweden, Portugal, Argentinien und Finnland. Zweite Plätze in Kenia, an der Elfenbeinküste und in Großbritannien komplettieren seine schöne Bilanz. Verdient wird der Finne mit 41 Jahren Weltmeister – 20 Jahre nach seinem Debüt.
1984 tut es ihm Stig Blomqvist in der Tabelle gleich und stellt mit fünf Einzelsiegen einen neuen Rekord auf. Zwei weitere Male wird gefeiert: Hannu Mikkola gewinnt in Portugal. Und Neuverpflichtung Walter Röhrl, dessen Fahrstil vor Saisonbeginn noch nicht zum quattro passt, besiegt auf Schnee in Monte Carlo ausgerechnet seine Teamkollegen Stig Blomqvist und Hannu Mikkola. So darf Audi am Jahresende neben dem Titel von Blomqvist auch den Gewinn der Marken-WM feiern. Technisch steht die Saison im Zeichen eines Umstiegs: Der bewährte quattro wird seit der Rallye Korsika sukzessive durch den neuen Sport quattro ersetzt. An der Elfenbeinküste siegt der Neuling zum ersten Mal.
Dass der Sport quattro in der Saison 1985 nicht nahtlos an die Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen kann, liegt an erdrutschartigen Verschiebungen im Sport. Noch immer vertraut Audi auf ein modifiziertes Serienfahrzeug. Die Konkurrenz liest das Regelwerk genau anders herum: Wie darf man ein Auto konstruieren, damit es noch ins Reglement passt? Peugeot, Lancia, Ford und Austin Rover erfinden Mittelmotor-Fahrzeuge mit reinrassiger Renntechnik. Zweite Plätze von Walter Röhrl in Monte Carlo und von Stig Blomqvist in Schweden und Griechenland sind die besten Ergebnisse. Audi konzentriert sich auf die nächste Baustufe: Im Juli debütiert in Argentinien der Sport quattro S1 mit den spektakulären Flügeln. In Finnland wird Stig Blomqvist damit Zweiter. Den Saisonhöhepunkt erlebt Audi bei der Rallye San Remo. 6.29 Minuten beträgt der Vorsprung von Walter Röhrl im Ziel auf den neuen Weltmeister Timo Salonen.
1986 startet Audi in Monte Carlo und belegt die Plätze drei und vier mit Hannu Mikkola und Walter Röhrl. Doch der Sport wird zu gefährlich, die Zuschauermassen sind vor allem in Südeuropa unkontrolliert. Als in Portugal im März ein einheimischer Fahrer in die Zuschauermenge schleudert und drei Todesfälle zu beklagen sind, zieht sich Audi wie alle anderen Werksteams von der Rallye zurück. Im Mai beendet der deutsche Allradpionier sein Programm nach vier WM-Titeln im Gruppe-B-Rallyesport.

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