Fahrbericht Lexus ES 300h

Lexus ES 300h: Fahrbericht

Großes Maul, viel dahinter

Lexus zeigt der deutschen Oberklasse den bösen Blick: Der ES Hybrid soll vor allem beim Verbrauch punkten. Hat er hierzulande eine Chance?
Premium ist prima, nur blöd, wenn es kaum einer sieht. Im Heimatland von Mercedes, BMW und Audi bekommt Toyotas Luxustochter Lexus seit Jahren nur schwer einen Reifen auf den Boden. Gerade einmal 3002 Neuzulassungen in 2017! Aber aufgeben ist nicht. Im Gegenteil: Ab Januar 2019 schicken die Japaner erstmals ihre Erfolgslimousine ES 300h nach Deutschland. Die war bislang vor allem in den USA ein Bestseller und soll nun bei uns wohl bald den GS ablösen.

Mit Zurückhaltung hat das Lexus-Design wenig zu tun

Dominant: Ein Großteil der ES-Front besteht aus Kühlergrill – das kann man durchaus mögen.

Mit dem Gardemaß von 4,98 Metern fährt der Japaner in siebter Generation direkt ins Haifischbecken hinein. A6, E-Klasse und 5er – all die Dienstwagenklassiker tummeln sich hier. Die Köder, die Lexus auslegt, sind bekannt: Fast die gesamte Front verschlingt der Haifischmaul-Grill. Dazwischen eine hübsche coupé-hafte Figur, im Innenraum reichlich Wohlfühl-Luxus. Unterm Blech arbeitet Toyotas bewährter Hybridantrieb. Die Batterie ist im Vergleich zur letzten Generation um zehn Prozent geschrumpft und passt jetzt unter die Rückbank. Statt eines Sechszylinders übernimmt ein neuer, auf Effizienz getrimmter 2,5-Liter-Vierzylinder die Arbeit. Der bringt es zusammen mit dem Elektromotor auf eine Gesamtleistung von 218 PS, was angesichts eines molligen Gewichts von rund 1,7 Tonnen nicht nach verschwenderisch viel klingt.

Das Verbrauchsversprechen löst Lexus halbwegs ein

Sparsam: Lexus gibt den Verbrauch des ES 300h mit 4,7 l/100 km an – wir haben sechs Liter geschafft.

Allerdings will der ES im Sprint auch keine Rennen gewinnen (Spitze nur 180 km/h), sondern viel lieber Primus im Verbrauch werden. Sparsame 4,7 Liter gibt Lexus im Mix an, bei unserer ersten, nicht gerade langsamen Testrunde waren es knapp sechs. Immer noch gut. Wer sich für Luxus im Lexus und gegen eine German Oberklasse entscheidet, muss auf wenig verzichten. Ausstattung, Material, Sitze und Verarbeitung sind top. Erst recht die neue Mark-Levinson-Anlage, die im Konzert der besten Audiosysteme locker mitspielen kann. Und wie schwimmt der Fisch im Verkehr? Fahrwerk und Lenkung sind gelungen. Verstellbare Dämpfer lassen einem die Wahl zwischen Komfort und Sport. Der Fisch ist geputzt, jetzt müssen ihn sich die deutschen Kunden nur noch angeln. Preis: voraussichtlich nicht unter 42.000 Euro.
Technische Daten Lexus ES 300hMotor: Vierzylinder, vorn quer • Hubraum: 2487 cm³ • Leistung: 160 kW (218 PS) • max. Drehmoment: 221 Nm bei 3600–5200/min • Antrieb: Frontantrieb • Länge/Breite/Höhe: 4975/1865/1445 mm • Leergewicht: 1740 kg • Kofferraum: 454 l • 0–100 km/h: 8,9 s • Vmax: 180 km/h • Verbrauch: 4,7 l • Abgas CO2: 106 g/km.

Maximilian Bitter

Fazit

Reisen statt rasen. Wer sich davon angesprochen fühlt, sollte über den 300h nachdenken. Die Wohnzimmeratmosphäre im Innenraum, das extravagante Exterieur und der niedrige Verbrauch sprechen für sich.

Stichworte:

Hybrid

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