Lexus IS 220D im Vergleich

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Lexus IS 220D im Vergleich

— 26.05.2006

Der große Lauschangriff

Das sind ja ganz neue Töne: Erstmals bringt Lexus mit dem IS 220D einen Diesel. Ist er besser als BMW 320d oder Mercedes C 220 CDI?

Der erste Diesel der Toyota-Luxusmarke

Keine Panik! Anders als 1998 geht mit dem jüngsten großen Lauschangriff keine Grundgesetzänderung einher. Hier muß niemand das Abhören seiner Wohnung befürchten. Diesmal kommt die Attacke auch nicht vom deutschen Nachrichtendienst, sondern aus Japan. Sie gilt neben der C-Klasse von Mercedes vor allem dem 3er von BMW.

An sich nichts Neues, werden Sie sagen. Was aber nicht ganz stimmt. Denn beim IS 220D handelt es sich um den ersten Diesel von Toyotas Edelmarke Lexus. Er soll die einheimischen Verkaufsschlager 320d und C 220 CDI mit neuen Tönen ausbremsen.

Wir haben mal genau hingehört. Bringt beim Lexus gar nicht viel. Denn sein 2,2-Liter-Diesel läuft so leise, daß zumindest innen nur ein entferntes Grummeln hörbar wird. Der ebenfalls mit sanfter Stimme antretende 3er läßt sich akustisch nur wenig leichter orten, Mercedes verpaßt seiner C-Klasse dagegen schon waschechten Taxi-Sound. Das überrascht, denn so was gehört in dieser Liga nicht zum guten Ton. Schließlich verfügen alle drei Aggregate über Common-Rail-Technik, bei der alle Zylinder über eine gemeinsame Hochdruckleitung mit Kraftstoff versorgt werden. Und diese Technik gilt als leise.

Schalten, schalten, schalten – trotz 177 PS

Beim Auto-Quartett hätte der Lexus mit 2,2 Litern Hubraum, 177 PS und 400 Nm Drehmoment immer die schöne Nase vorn. Auf der Straße ergibt sich ein anderes Bild. Aus Avensis, RAV4 und Corolla Verso kennen wir den D-CAT-Motor. Und schätzen ihn. Wegen seiner flotten Gangart und der sauberen Abgastechnik mit NOX-Speicherkat. Sauber geht es auch im IS zu, das Temperament scheint aber irgendwie abhanden gekommen zu sein. Unterhalb von 2000 Touren fehlen dem Lexus Druck, Dynamik und Duchsetzungsvermögen. Von Elastizität kann im lang übersetzten sechsten Gang keine Rede mehr sein – außer einem unwilligen Brummeln erntet der Fahrer bei untertouriger Fahrweise wenig.

Da hat jeder 140-PS-TDI mehr zu bieten. So heißt es schalten, schalten, schalten. Was angesichts einer Sechsgang-Box mit kurzen Wegen, aber unpräziser Führung nicht wirklich Vergnügen bereitet. Das Empfinden wir dann beim Gleiten auf der Autobahn. Leise dieselt der Lexus durchs Land, verheimlicht uns sein Dieselherz so gut es eben geht und reagiert flüssig auf Zwischenspurts – immer vorausgesetzt, die Drehzahl fällt nicht allzuweit in den Keller.

Trotz des deutlichen PS-Defizits läßt sich der Mercedes vom Lexus nicht abschütteln. Im Gegenteil. Seine 150 PS klingen nicht nur kernig – und zuweilen sogar aufdringlich –, sie beißen auch entsprechend. Bis 100 km/h liegt der C 220 CDI sogar noch knapp vor dem Lexus, erst obenraus muß sich der Benz geschlagen geben. Dabei behindert den 2,1-Liter vor allem seine geringe Drehfreude – hier heißt es frühzeitig zur eher schlaksigen Sechsgangschaltung greifen. So oder so glänzt der Mercedes mit erfreulich zurückhaltenden Trinksitten. 6,7 Liter reichen für 100 Kilometer – das macht Hamburg - München ohne Tankstopp. Noch ein Zehntel weniger nimmt sich der BMW, Lexus verlangt dagegen 0,2 Liter mehr.

Werksangaben und Testwerte

So wie wir es von früher kennen, entpuppt sich der BMW als der wahre Sportler in diesem Vergleich. Sein Zweiliter überfällt die Hinterräder mit 163 munteren PS, die zu jeder Zeit Freude am Fahren erkennen lassen. Nach kurzem Luftschnappen zieht der 320d gleichmäßig und gelassen davon. Bis Tempo 100 liegt er schon eine Sekunde vor der Konkurrenz, bis 160 km/h vergrößert sich der Abstand zusehends. Wegen der etwas längeren Getriebeübersetzung muß BMW sich beim Überholen allerdings hinter dem Mercedes einreihen.

Egal, der BMW 320d begeistert auch so. Vor allem die enorme Drehfreude, die erst bei fast 5000 Umdrehungen ein Ende findet, macht den BMW zur Fahrmaschine in diesem Feld. Und ganz nebenbei läuft der 320d auch noch angenehm geschmeidig – nicht ganz so leise wie der Lexus, aber hörbar kultivierter als der Mercedes.

Extrem sportlicher Auftritt des BMW

Auf der Straße benimmt sich der BMW dagegen eher halbstark. Die straffe Fahrwerkauslegung bringt zusammen mit den steifen Notlauf-Reifen ziemlich viel Unruhe ins 3er-Abteil. Außerdem leidet der Geradeauslauf, in der Stadt heißt es bei Längsrillen aufpassen und ständig korrigieren. Dem mäßigen Komforteindruck steht allerdings ein exzellentes Handling gegenüber. Keiner schrubbt so satt und souverän ums Eck wie der 320d – wo, bitte, geht es zur nächsten Kurve?

Der Lexus, der wie seine deutschen Mitstreiter auf optionalen 17-Zoll-Rädern antritt, orientiert sich offensichtlich klar am sportlichen BMW-Auftritt. Steif ansprechend und mitunter etwas unbeholfen abrollend, quittiert er schlechte Pisten mit deutlichem Poltern.

Okay, der erste IS mit 18-Zoll-Sportfahrwerk war noch schlimmer, wirklich überzeugend tritt aber auch der Diesel nicht auf. Erst auf glatter Fahrbahn kehrt Ruhe ein, dann zeigt sich der IS von seiner angenehmen Seite. Die elektrische Servolenkung arbeitet ausreichend direkt, das Handling läßt Sportgeist erkennen, der feine (aber kleine) Innenraum liefert die passende Wohlfühl-Atmosphäre.

Kosten und Ausstattungen

Für Gleiter und Genießer kann es ohnehin nur der Mercedes sein. Weich gedämpft bügelt er souverän über Fahrbahnschäden, verliert sich dennoch nicht in hilflosem Schaukeln. Selbst die sportliche Gangart beherrscht die C-Klasse – wenn auch gegenüber Lexus und BMW klar wird, daß Mercedes den Schwerpunkt eher beim Komfort setzt.

Und beim Geldverdienen. Mit 32.596 Euro verlangen die Stuttgarter mit Abstand den höchsten Preis, ohne ihre C-Klasse dabei besonders üppig auszustatten. Ähnliches gilt für den BMW 320d für 30.950 Euro. Beim Preis schlägt eindeutig die Stunde des Lexus. Für 29.600 Euro stecken im IS 220D bereits ein CD-Wechsler, Klimaautomatik, Knieairbags vorn und das schlüssellose Zugangssystem "Smart-Entry". Gute Gründe für BMW und Mercedes, diesen Lauschangriff ernst zu nehmen.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: "Ganz ehrlich, ich hatte vom Lexus IS 220D deutlich mehr erwartet. Der elegante Mittelkläßler mit dem bärenstarken 2.2-D-CAT-Motor – das klang nach einem äußerst schmackhaften Menü. Und dann erweist sich der Lexus im Test als zu fade gewürzt. Die viel zu lange Achsübersetzung des Basis-IS raubt dem Diesel das Temperament, läßt ihn im Turboloch verhungern. Schade – aber so läßt sich gegen die starke Konkurrenz aus Deutschland nicht gewinnen.

Der Mercedes zeigt trotz 27 PS weniger Leistung vergleichbare oder sogar bessere Fahrleistungen, kann zusätzlich als Komfort-König punkten. Nur der unangenehm hohe Preis stört nachhaltig. Der 3er erweist sich als agilster Vertreter in diesem Feld, er bereitet den größten Fahrspaß und überspielt so geschickt die Schwächen beim Komfort sowie die geizige Gewährleistung."

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für BMW 320d, Lexus IS 220D und Mercedes-Benz C 220 CDI Classic. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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