Lexus LS 460 gegen Mercedes S 500

Lexus LS 460 gegen Mercedes S 500

— 21.12.2006

Wer hat den besseren Schutzengel?

Als sicherstes Auto der Welt galt bislang die S-Klasse. Jetzt kommt Lexus mit dem LS 460 und will dem Ganzen die Krone aufsetzen. Mit Sicherheit ein spannender Vergleich.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hieen die Schutzengel im Auto Knautschzone, Sicherheitsgurt und ABS. Das ist lngst Standard. Selbst Kleinwagen haben jetzt schon ausgetftelte Gurtsysteme, dazu eine Armada von Airbags und jede Menge Elektronik, die uns auf Kurs hlt. Tag fr Tag tfteln Ingenieure immer aufwendigere Sicherheitssysteme aus.

Das Beste wre natrlich, einen Unfall ganz zu verhten, ihn erst gar nicht geschehen zu lassen. Und in diesem Bestreben liefern sich Mercedes und Lexus jetzt ein Wettrennen auf hchstem Niveau. Ein erster Vergleich der beiden Luxus-Dampfer S 500 und LS 460 soll zeigen, wer seine Hausaufgaben besser erledigt hat. Dafr haben wir auf Mallorca, wo der Lexus gerade der Presse vorgestellt wird, eine Teststrecke gemietet.

Lexus fhrt mit zehn Airbags vor

Extra-Sicherheit bieten beide nicht etwa gratis. Zu den 82.000 Euro Grundpreis eines Lexus LS 460 kommen noch einmal 14.600 Euro Aufschlag fr das komplette Sicherheitspaket. Beim Mercedes S 500 landen wir inklusive Rundum-Schutz bei mehr als 100.000 Euro. Sicher angelegtes Geld. So hlt Lexus zum Beispiel mit zehn Luftscken ein rekordverdchtiges Airbag-Sortiment bereit. Wie effektiv die allerdings im Falle eines Unfalls schtzen, muss erst ein spterer Crash-Test zeigen. Keine Zweifel gibt es ber das Fahrverhalten. Und zwar bei beiden Luxus-Limousinen. Sie berzeugen mit einem durchweg souvernen Auftritt. Sauber abgestimmte Fahrwerke und die jeweils rigoros und fehlerfrei untersttzenden Anti-Schleuderhilfen halten die Schiffe auf sicherem Kurs. Bis hierhin herrscht also annhernd Gleichstand. Richtig spannend wird es, wenn wir die Assistenzsysteme vergleichen. Frage: Welches Auto hilft besser, einen Unfall zu vermeiden? Oder: In welchem Auto ist es leichter, eine Gefahrensituation zu umfahren?

Punkt eins: Ausweichen

Bereits vor einem Hindernis verhärten die Luftfedern des Lexus.

Bei Mercedes greift das ESP ins Bremssystem und in die Motor-/Getriebesteuerung ein. Dabei hilft die Wankstabilisierung ABC, dass die Karosserie weniger in die Federn eintaucht. Lexus geht einen wichtigen Schritt weiter. Neben den gleichen ESP-Funktionen werden Lenkkraft, Lenkbersetzung und das Fahrwerk verndert. Bereits vor einem eventuellen Hindernis (bei Mercedes erst whrend des Ausweichens!) verhrten die Luftfedern, so wird die Karosserieneigung minimiert. Der wichtigste Aspekt: Das System verkleinert die Lenkbersetzung. So ist mit deutlich weniger Lenkbewegung ein schnellerer Richtungswechsel mglich.

Ein 42-Volt-Elektromotor garantiert selbst bei extrem harten Impulsen gleichbleibend geringe Bedienkrfte. Im Ausweichversuch reagiert der LS dadurch extrem spontan, lsst sich spielend leicht dirigieren. Ein weiterer Vorteil der aktiven Lenkung: Auch nach pltzlichem Ausweichen gelingt es leichter, wieder in die richtige Spur zu kommen. In instabilen Fahrsituationen kompensiert die Technik mit korrigierenden Lenkimpulsen mgliche Fahrfehler. So reagiert der LS 460 beispielsweise beim Ausbrechen des Hecks mit leichten Lenkkorrekturen.

Punkt zwei: Radartechnik

Erkennt der Mercedes ber sein Radarauge im Khlergrill ein Hindernis, warnt er den Fahrer. Fllt dessen Reaktion zu zaghaft aus, wirft sich der Bremsassistent energisch ins Zeug. Reagiert der Fahrer gar nicht, bremst die S-Klasse automatisch mit maximal 40 Prozent ihrer Bremsleistung. Noch ausgeklgelter der Lexus. Neben Radartechnik sucht im LS zustzlich eine Infrarotkamera nach Objekten auf der Strae. Im Infrarotbereich fallen so auch "weiche" Hindernisse (z. B. Tiere) auf. Der Radarstrahl selbst tastet zudem in feiner definierten Teilbereichen ab als beim Mercedes. Damit identifiziert das Lexus-System auch schmale Objekte wie ein Motorrad eindeutig.

Wie bei der S-Klasse geht auch beim LS frh eine Warnung an den Fahrer. Bremst er nicht, schreitet das System mit 60 Prozent maximal mglicher Verzgerung ein. Das sprt man dann heftiger als im Mercedes. Sollte es unter identischen Bedingungen zu einem Aufprall kommen, so wrde der Japaner mit deutlich geringerer Geschwindigkeit auf das Hindernis treffen.

Punkt drei: Fahrerberwachung

Big Brother: Infrarot-Sensoren kontrollieren, wo der Fahrer hinblickt.

Im Lexus wird auch der Fahrer gecheckt. Infrarotlinsen auf der Lenksule prfen die Aufmerksamkeit des Chauffeurs. Ist er eventuell abgelenkt? Dreht er gerade den Kopf zur Seite? Wenn ja, dann erfolgt bei drohender Gefahr akustisch oder per kurzem Bremsimpuls ein Hinweis. Selbst bei Dunkelheit tastet das Lexus-Auge die Gesichtszge des Fahrers ab.

Punkt vier: Spurhaltekontrolle

Noch ein Lexus-Plus. Bei gefhrlichem Sekundenschlaf greift die Elektronik ein. Beim berfahren von seitlichen Fahrbahnmarkierungen wird die elektromechanische Lenkung selbst aktiv, lenkt das Fahrzeug zurck auf die Fahrbahn. Das funktioniert recht gut, solange eine Hand am Lenkrad bleibt. Was brigens fr all die Sicherheits-Wundertechnik gilt: Sie ersetzt nicht den Fahrer. Seine Aufmerksamkeit ist nach wie vor die beste Unfallverhtung. Das war frher so, und das wird wohl auch noch eine ganze Zeit so bleiben.

Fazit von Dierk Mller-Sonntag und Jan Horn

1:0 für die Japaner: Der Lexus LS legt die Messlatte höher.

Das erste Treffen der sichersten Autos der Welt hat noch keinen klaren Sieger hervorgebracht. Denn bei unseren Testfahrten auf Mallorca konnten wir keine Bremswege messen, keinen VDA-Spurwechsel (Elchtest) fahren und natrlich keine Crashversuche machen. Aber: Der Vergleich hat gezeigt, dass die Japaner mit dem Lexus die Sicherheits-Messlatte bei den aktiven Systemen zur Unfall-Verhtung auf ein neues Niveau gelegt haben. Die Lexus-Philosophie ist dabei eine andere als bei Mercedes. Weniger routinierten Fahrern wird mehr Arbeit abgenommen, sie kommen mit gefhrlichen Situationen besser klar. So steht es jetzt 1:0 fr Lexus Fortsetzung folgt. Wie sieht es aus mit Bremse, Airbag, Licht oder Sehhilfen? Einen Vergleich der Sicherheitssysteme knnen Sie hier kostenlos herunterladen. Einfach klicken!

Lexikon: Das bedeuten die Abkrzungen

Distronic Plus: So heißt der Abstandsregeltempomat bei Mercedes.

AVS Adaptive Variable Suspension, variables Luftfederfahrwerk bei Lexus BA und BAS Bremsassistent ACC Adaptive Cruise Control, Temporegler mit Abstandsregelung (Lexus) Distronic Plus Abstandsregeltempomat mit Radartechnik bei Mercedes ESA Emergency Steering Assist, im Notfall direkter bersetzte Lenkung des Lexus EBS Emergency Brake Signal, Notbremslicht bei Lexus Driver Monitoring System Fahrer-Gesichtsfeldberwachung bei Lexus LKA Lane Keeping Assist, Spurhaltewarnung und -kontrolle bei Lexus Neck-Pro Aktives Kopfsttzensystem bei Mercedes PCS und Pre-Safe Precrash Safety System, Prventiv-System zur Unfallerkennung undSchadenminimierung Advanced PCS Erweiterte Stufe des PCS, fasst unter anderem Driver Monitoring System, Heck-PCS, LKA und ESA zusammen (Lexus) RDK Reifendruck-Kontrollsystem, berwacht den Luftdruck, zeigt Werte im Display an (Mercedes) TPWS Tire Pressure Warning System, berwacht bei Lexus den Reifendruck VGRS Variable Gear Ratio Steering, bersetzungsvariable Lenkung des Lexus VDIM Vehicle Dynamics Integrated Management, fasst Fahrhilfen wie VSC, VGRS etc. zusammen VSC Vehicle Stability Control, Stabilittsprogramm des Lexus. Heit bei Mercedes ESP WIL Whiplash Injury Lessening, Schleudertrauma-Schutzsystem bei Lexus VGRS verndert das Verhltnis zwischen Lenkbewegungen und Radeinschlag

Autoren: Dierk Mller, Jan Horn

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