Lexus LS430

Lexus LS430 Lexus LS430

Lexus LS430

— 04.03.2002

Das leiseste Auto der Welt

Fast lautlos, trotzdem ein echter Paukenschlag. Der neue Lexus LS430 dringt ganz leise in neue Dimensionen des automobilen Luxus vor. Fährt die japanische S-Klasse jetzt Mercedes um die Ohren?

Innen eine Klasse für sich

"Auto 1", "Auto des Jahres", "Goldenes Lenkrad", mittlerweile gibt es eine schöne Anzahl wichtiger Auto-Auszeichnungen. Trotzdem könnte demnächst noch eine hinzukommen: der Preis für das leiseste Auto der Welt. Gestiftet vom Verband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Für diese Wahl wäre der Lexus LS430 - Elektromobile mal ausgenommen - der heißeste Kandidat. Denn der japanische Luxus-Liner läuft so leise, dass den Fahrer Zweifel an seinem Hörvermögen überkommen und er den Arzt aufsucht.

Spaß beiseite. Akustisch ist der neue LS430, der ab 25. November 2000 auf ganz leisen Sohlen zu den Händlern rollt, wirklich ein besonderer Ohrenschmaus. An der dezenten, beinahe schon langweiligen Karosserie (wie gehabt 5,01 Meter lang) bleibt neben dem Auge auch der Wind kaum hängen. Dazu fasste Lexus die Scheiben bündig ein, reduzierte die Spaltmaße und glättete den Unterboden. Ergebnis: äußerlich ein cW-Wert von 0,25 und innen ein leises Säuseln. Nur wer das künftig unterbietet, darf über das einfallslose Design auch weiterhin meckern.

Der Schlüssel in der Hosentasche reicht, um den Lexus zu entern und per (nicht wirklich eleganten) Dreh am Zündschloss zu starten. Smart Key nennt Lexus die serienmäßige Sesam-öffne-dich-Technik, die bei Mercedes Keyless Go heißt und 2262 Mark kostet. Ohne extra zu kassieren, spendieren die Japaner außerdem elektrisch verstellbare und klimatisierte Ledersitze (hinten nur heizbar), getrennt regelbare Klimaautomatik mit oszillierenden Lüfterdüsen, Radio mit CD-Wechsler und reichlich Walnuss-Wurzelholz.

Technische Leckerbissen

Einziges Extra, das unbedingt sein muss: das DVD-gestützte Navigationssystem (eine DVD fasst ganz Europa, eine CD meist nur ein Land) mit Touchscreen-Monitor. Einfach auf den Bildschirm patschen, schon lassen sich Route sowie Klima und Musik unseren Wünschen anpassen. Der Haken dabei: Die nicht wirklich notwendige Audioanlage von Mark Levinson gehört automatisch dazu und treibt den Preis für dieses Paket auf stattliche 10.073 Mark.

Neben solchen technischen Leckerbissen besticht das Lexus-Interieur aber auch durch tadellose Verarbeitung, hohe Funktionalität und viel Platz. Der im Vergleich zum Vorgänger um acht Zentimeter auf 2,93 Meter gestreckte Radstand (S-Klasse 2,97 m) lässt die Gäste auf allen Plätzen entspannt die Glieder strecken. Dazu passt der gigantische Kofferraum von 552 Litern, der mit der President-Line (Navigation, Audio Mark Levinson, Fond mit seitlichen Sonnenschutzrollos, elektrisch verstellbaren Massagesitzen, Kühlfach und Bedienkonsole) für 16.625 Mark allerdings auf 475 Liter schrumpft. Was angesichts der viel zu geringen Zuladung von 355 bis 445 Kilo aber durchaus reicht.

Technische Daten Achtzylinder-V-Motor • vier Ventile pro Zylinder • vier oben liegende Nockenwellen • Hubraum 4293 cm3 • Leistung 207 kW (282 PS) bei 5600/min • max. Drehmoment 417 Nm bei 3500/min • Heckantrieb • Fünfstufenautomatik • Einzelradaufhängung • innenbelüftete Scheibenbremsen • Kofferraum 552 Liter • Tank 84 Liter • Länge/Breite/Höhe 5005/1830/1470 mm • Radstand 2925 mm • Reifen 225/55 R 17 W • Leergewicht 1905 kg • Anhängelast 2000 kg • Spitze 250 km/h • 0-100 km/h in 6,7 s • Verbrauch (EU-Mix) 12,0 l S/100 km (Werksangaben).

Motor und technische Daten

Als völlig ausreichend darf auch der Motor gelten. Der um 3,5 Millimeter aufgebohrte V8 schöpft aus 4,3 Liter Hubraum jetzt 282 PS und 417 Newtonmeter Drehmoment (Vorgänger LS 400: 276 PS/387 Nm). Der Vierventiler beeindruckt dabei weniger mit der schieren Kraft, von der eigentlich immer genügend zur Verfügung steht, als viel mehr mit der Entfaltung dieser Gewalt. Mit variabler Ventilsteuerung auf der Einlassseite (VVT-i) und einem zweistufigen Schaltsaugrohr zeigt sich der Alumotor dabei technisch gut gerüstet.

Fast ohne dem Fahrer die gewaltige Anstrengung mitzuteilen, jagt der Motor seine Kraft an die Hinterräder und das 1,9-Tonnen-Schiff in 6,7 Sekunden auf Tempo 100. Das alles geschieht spontan und gleichmäßig, nur bei Annäherung an den Drehzahlbegrenzer (6500 Touren) von kernigem Knurren untermalt und erst bei 250 km/h elektronisch eingebremst. Wie in dieser Klasse üblich, sorgt eine Fünfstufenautomatik (Serie) dabei für die stets richtige Übersetzung. Auch davon erfährt der Fahrer, dem die Wahl zwischen Sport-, Normal- und Winterprogramm bleibt, nur das Nötigste. Schnell und ruckfrei werden die Fahrstufen gewechselt, die "intelligente" Steuerung erkennt Steigungen, Gefälle oder Kurven und reagiert entsprechend.

Beim Abgas und an der Tankstelle verspricht Lexus die sprichwörtliche japanische Zurückhaltung. Der LS430 atmet immerhin im Rahmen der D4-Norm und kassiert dafür 600 Mark Steuerbefreiung, soll mit zwölf Liter Super 100 Kilometer weit kommen - was aber wohl nur bei eher gemütlicher Fahrweise klappt.

Ein Auto zum Verreisen

Entspanntes Reisen passt ohnehin viel besser zum Lexus als hektisches Rasen - das verdeutlicht schon die leichtgängige, etwas gefühllose Lenkung. Wie bei der S-Klasse sorgen Luftpolster statt Stahlfedern für weich gespülten Komfort und dafür, dass den Insassen trotz üppiger Bereifung (225/55 R 17) kaum ein Fahrbahnfehler mitgeteilt wird. Weiteres Plus des luftigen Fahrwerks: Wer abseits asphaltierter Straßen wohnt, kann den LS 20 Millimeter höher pumpen. Die Kehrseite der weichen Welle zeigt sich in schnellen Kurven, wenn die Karosserie wie ein Ozeandampfer rollt und sich deutlich verneigt.

Immerhin lässt sich per Knopfdruck eine sportliche Dämpferkennnung aktivieren, die der Schaukelei mit mehr (Luft-)Druck entgegenwirkt. Wer es trotzdem zu forsch angeht, darf sich auf eine komplette Sicherheitsmannschaft verlassen. Airbag zum Abschalten, Bremsassistent, sechs Airbags und das zuverlässig regelnde, dabei hektisch piepende Stabilitätsprogramm VSC verhindern das Schlimmste. Selbst regennasse, verschlammte Serpentinen in den Seealpen bringen den Lexus nicht aus der Ruhe.

Sein Preis dürfte da schon mehr Unruhe auslösen - vor allem in Stuttgart. Mit mutigen 136.908 Mark überbietet der LS430 den S 430 zwar um 144 Mark - vergleichbar ausgestattet rollt der Benz aber nicht unter 152.000 Mark an den Start. Und das kann man selbst beim leisesten Auto ruhig laut sagen.

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