Lexus RX 300 im Gebrauchtwagen-Test

Gebrauchtwagen-Test Lexus RX 300 I/II Gebrauchtwagen-Test Lexus RX 300 I/II

Lexus RX 300 im Gebrauchtwagen-Test

— 05.10.2006

Besser geht's nicht

Endlich mal ein Auto, das man als Gebrauchtwagen sozusagen blind am Telefon kaufen kann. Der Lexus RX 300 hat einfach keine Schwachstellen.

Eine Probefahrt ist fast überflüssig

Die Amerikaner sind in diesem Punkt schlauer als wir Europäer: Sie haben die Qualitäten der Fahrzeuge von Toyotas Nobelmarke Lexus schon Ende der 80er Jahre erkannt – und fleißig gekauft. Seit 1990 versucht Toyota, auch in Deutschland seine 1988 geschaffene Luxusmarke bekannt zu machen. Bis 2005 mit mäßigem Erfolg. Die Deutschen greifen ab 40.000 Euro Kaufpreis lieber zu Mercedes, BMW, neuerdings auch Audi.

Dann erschien 2005 der Hybrid-Lexus RX 400h auf dem deutschen Markt. Plötzlich war die japanische Marke zumindest bei Autofans in aller Munde. Im Fahrwasser dieses technischen Wunderwerks zieht das Interesse an den konventionell angetriebenen Lexus-Autos spürbar an. Merke: Kaum vergehen 16 Jahre, schon hat man es hierzulande geschafft.

Vollgasfest: Der Dreiliter-V6 hat sich als äußerst langlebig erwiesen.

Wunderdinge über die Zuverlässigkeit und Problemlosigkeit des RX 300 erzählt man sich seit Jahren in den USA, wo der Allrad-Lexus bereits seit 1998 in respektablen Stückzahlen an den Mann gebracht werden konnte. Trotzdem steht dieser Typ als Gebrauchtwagen zumindest in Deutschland bislang wie Blei. Kaum einer kennt ihn, erst recht keiner will ihn. Wie eine Fragebogen-Aktion von AUTO BILD ALLES ALLRAD zeigt, kommt der außergewöhnlich komfortable und leise RX 300 aber auch mit europäischen Bedingungen bestens zurecht und präsentiert sich als einer der empfehlenswertesten Gebrauchtwagen überhaupt. Besichtigung und Probefahrt erübrigen sich fast.

Jedenfalls, wenn es um die Kontrolle typischer Schwachstellen geht. Es gibt schlicht und einfach keine. Selbst Exemplare, die in Leserhand bereits deutlich über 150.000 Kilometer abgespult haben, erfreuen mit vorbildlicher Zuverlässigkeit. Der nur milde belastete Dreiliter-V6-Benziner erwies sich genau wie das Automatikgetriebe als vollgasfest. Das Höchsttempo wird ab Werk elektronisch begrenzt: bei der ersten Generation bis 2003 bei echten 180 km/h, bei der zweiten Generation bei echten 199 km/h.

Luxuriöser Lexus: Die Ausstattung ist vollständig, der Komfort vorbildlich.

Auch der Verbrauch hält sich – vernünftige Fahrweise vorausgesetzt – in Grenzen. Im Schnitt kommt man mit 12 bis 13 Liter/100 km aus. Sparfüchse schaffen sogar notfalls neun Liter. ABS, ESP und mindestens vier Airbags gehörten schon bei der ersten Generation zur Serienausstattung, genau wie Klimaautomatik, Tempomat und CD-Wechsler. Die großzügige Serienausstattung passt naturgemäß bestens zum komfortorientierten Gesamtcharakter des Lexus RX 300.

Einer seiner wenigen Nachteile ist die auf 2000 Kilo begrenzte Anhängelast. Dies wird auch von 31 Prozent der Lexus-fahrenden Leser kritisiert. In der gleichen Größenordnung bewegt sich die Kritik an der knappen Bodenfreiheit von 175 Millimeter. Der durch die asymmetrisch geteilte und zudem längs verschiebbare Rücksitzbank sehr variable Innen- und Gepäckraum wird dagegen sehr gelobt. Der Kofferraum fällt zwar vergleichsweise niedrig aus, dafür aber lang (bis zu 1820 Millimeter bei Generation 1, bei Generation 2 immerhin 50 Millimeter mehr).

Lieber Hybrid? Fast die Hälfte der RX-Fahrer liebäugelt mit dem 400h.

Große Zufriedenheit läßt sich auch bei der Beurteilung der Vertragswerkstätten erkennen. Die Toyota/Lexus-Händler erhalten die herausragende Zufriedenheitsquote von 96 Prozent. Zumindest ansehnlich ist die Wiederkaufsquote, wenn nach der Wahl des nächsten Fahrzeugs gefragt wird. 71 Prozent der Lexus-Fahrer geben an, wieder einen RX nehmen zu wollen. Fast die Hälfte von ihnen liebäugelt dabei mit der vor allem im Innerortsverkehr sparsameren Hybrid-Version RX 400h. Weitere elf Prozent sind dagegen fest entschlossen, die Marke zu wechseln, teilweise schweren Herzens, wie diverse Zuschriften auf Beiblättern zeigen. Der Hintergrund scheint immer der gleiche: Diese RX 300-Fahrer wollen einen Diesel, den es aber nicht gibt und auf absehbare Zeit im RX auch nicht geben wird. Typisch für das Jahr 2006: 18 Prozent wissen gar nicht, wann sie welches Auto als nächstes kaufen.

Checkliste Lexus RX 300

Weil der RX 300 keine typischen Schwachstellen hat, beschränkt sich die Prüfung bei Besichtigung und Probefahrt auf die üblichen Punkte, die bei Gebrauchtwagen untersucht werden sollten. Zudem:
• Betrachten Sie soweit wie möglich die Unterseite und fahnden Sie dabei nach verräterischen Spuren von übertriebenen Geländeeinsätzen. Besonders die teure Auspuffanlage sollte man genau prüfen. Lassen Sie dabei auch den Motor im Leerlauf laufen, um durch blasende Auspuffnebengeräusche eventuelle Risse oder Undichtigkeiten erkennen zu können.
• Ein RX 300 ist praktisch völlig frei von mechanischen Laufgeräuschen aus dem Allradantrieb. Schon ein leichtes Singen oder Heulen aus dem Antriebsstrang deutet auf überstrapazierte Baugruppen hin. Dies kann sich beispielsweise aus zu tiefen Wasserdurchfahrten ergeben (Wattiefe nur 300 Millimeter). Überschreitet man die zulässige Wattiefe, kann Wasser in Differenziale und Getriebe eindringen, sich dort mit dem Öl vermengen und die Schmierwirkung drastisch herabsetzen, was für rasanten Verschleiß sorgt.

Historie, Schwächen, Kosten, Urteil

MODELLGESCHICHTE

1998 Präsentation des RX 300 für USA • 2000 Verkaufsstart in Deutschland; 3,0-Liter-V6-Zylinder-Benziner mit 201 PS; 4-Gang-Automatikgetriebe; LxBxH 4,58x1,82x1,70m • 2003 Die zweite, völlig neu konstruierte Generation des Lexus RX löst die erste Generation ab; 3,0-Liter-V6-Benziner mit 204 PS; 5-Gang-Automatikgetriebe; LxBxH 4,74x1,85x1,70m • 2005 Verkaufsstart des RX 400h mit Hybridantrieb in Deutschland; 3,3-Liter-V6-Benziner mit 211 PS, dazu ein Elektromotor vorne mit 167 PS, ein Elektromotor hinten mit 68 PS, 288-Volt-Batterie • 2006 RX 350 mit 3.5-V6-Direkteinspritzer-Benziner (276 PS) löst RX 300 ab.

SCHWACHSTELLEN

Die vorderen Bremsscheiben halten je nach Fahrweise zwischen 30.000 und 80.000 Kilometer. Die ungeschützte Unterseite des RX 300 nimmt allzu waghalsige Ausflüge ins Gelände schnell übel. Gerade die teure Auspuffanlage kann man sich bei solchen Aktionen schnell abreißen. Beide RX-Generationen haben nur 175 Millimeter Bodenfreiheit. Nur die Luxury-Version des RX 300 II kommt dank höhenverstellbarer Luftfederung auf bis zu 200 Millimeter. Undichtigkeiten gibt es so gut wie nie. Weder läuft Öl oder Kühlflüssigkeit aus, noch dringt Regenwasser in den Innenraum ein. Die Zuverlässigkeit ist mit null Pannen auf freier Strecke sowie einer Startversagerquote von weniger als zwei Prozent hervorragend. Es gibt keine signifikanten Schwachstellen oder typischen Störungen bei den Leserautos.

REPARATURKOSTEN

Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Lexus RX 300, Baujahr 2001. Gut, dass der sündteure Motor robust ist. Teuer kommt der Auspuff. Verschleißteile wie Bremsen bleiben dagegen auf günstigem Niveau.

TECHNIK

Unbedingt empfehlenswert: Tester Martin Braun war begeistert.

Allradantrieb Permanent mit Zentraldifferenzial mit Viskobremse (RX 300 I) bzw. ohne Viskobremse (RX 300 II); v:h 50:50; elektronisch gesteuerte Schlupfregelung durch Bremseneingriff; keine Geländereduktion
Aufbauweise selbsttragende Stahlblech-Karosserie
Verbrauch RX300I: 13,5l/100 km Super; RX300 II: 13l/100 km Super
Höchstgeschwindigkeit RX300I: 180 km/h; RX300 II: 199 km/h

Urteil

Ohne jede Einschränkung kann man den Lexus als Gebrauchtwagen empfehlen. Pannen und Probleme sind extrem selten. Alle Aggregate halten lang. Inzwischen haben dies auch einige Interessenten bemerkt, weshalb die früher sehr günstigen Gebrauchtpreise langsam anziehen.

Autor: Martin Braun

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