Liberalisierung des Automarkts beschlossen

Liberalisierung des Automarkts beschlossen

— 17.07.2002

Monti gewinnt gegen Deutschland

Der EU-Kommissar hat es geschafft: Spätestens ab 2005 verlieren Autokonzerne ihre exklusiven Händlernetze, die Markenbindung entfällt.

Gegen heftigen Widerstand Deutschlands und der Automobilindustrie hat die Europäische Kommission die Liberalisierung des Automarkts vom kommenden Jahr an in einer neuen Gruppen-Freistellungsverordnung (GVO) beschlossen. Die Kommission habe den von Wettbewerbskommissar Mario Monti vorgelegten Plänen zugestimmt, sagte eine Sprecherin von Monti in Brüssel. Allerdings gewährte die Europäische Kommission den Autohändlern ein Jahr mehr Übergangsfrist, als Monti vorgeschlagen hatte: Der Gebietsschutz soll erst zum 1. Januar 2005 entfallen.

Solange dürfen europäische Autokonzerne exklusive Händlernetze in fest vorgeschriebenen Regionen unterhalten. Danach ist der Markt offen, sprich es gibt eine Niederlassungsfreiheit für Autohändler und keine angestammten Vertriebsgebiete mehr. Bedeutet: Autohändler aus anderen EU-Ländern dürfen in Deutschland Autos verkaufen. Außerdem können Supermärkte als Zwischenhändler Autos anbieten. Von der Neuregelung erhofft sich die Kommission mehr Wettbewerb und günstigere Preise für Autokunden. Denn nach Montis Recherchen haben 41 Automodelle in Deutschland den EU-weit höchsten Preis. Bundesregierung und Autoindustrie befürchteten dagegen Qualitätseinbußen. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels begrüßte die Brüsseler Verordnung. Die Verbraucher sollten selbst entscheiden, wo sie ein Auto kaufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bedauerte, dass Standortbindung aufgehoben und der Mehrmarkenhandel erlaubt wird. "Die Automobilindustrie wird an ihrer Strategie der Kundenorientierung und Profilierung der Marken festhalte", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Flächendeckend sinkende Preise hält der Verband für unrealistisch. VW und Mercedes-Benz reagierten auf die EU-Entscheidung gelassen. Die Konzerne wollen auch unter veränderten Bedingungen auf das System des Vertragshandels setzen.

Die übrigen Bestimmungen der GVO-Neuregelung für die Liberalisierung des Automarkts werden aber wie geplant nach Ablauf einer einjährigen Übergangsfrist zum 1. Oktober 2003 greifen. Darunter fällt der Verkauf mehrerer Automarken unter einem Dach sowie der Wegfall des Herstellerzwangs, alle Modelle einer Marke anzubieten. Damit sollen die Konzerne gezwungen, mehr als bisher auf die Konkurrenzfähigkeit ihrer Produkte zu achten. Günstig für die Verbraucher dürfte auch die Regelung sein, dass Vertragshändler und Markenwerkstatt künftig getrennt agieren können. Zudem erhalten freie Werkstätten einen besseren Zugang zu technischen Informationen der Hersteller. Das bedeutet mehr Konkurrenz im Service. Das Europäische Parlament und mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten längere Übergangszeiten für den Gebietsschutz gefordert. Eine Neuregelung wurde nötig, weil die alten Regeln Ende September auslaufen. Die Kommission kann über die neue GVO allein entscheiden. Die Zustimmung der EU-Staaten ist nicht erforderlich. Die GVO erfasst sowohl den Autovertrieb als auch die Wartung.

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