Limousinen für 2002

Opel Vectra C GTS Opel Vectra C GTS

Limousinen für 2002

— 12.02.2002

Mehr Mut in der Mittelklasse

Langeweile in der Mittelklasse? Das war einmal. Die neue Generation von Vectra & Co. räumt auf mit alten Vorurteilen. Und fährt vor in absoluter Bestform.

Die neue Mittelklasse

Wir sind mit ihr groß geworden, sie ist ein Teil von uns: die gute alte Mittelklasse. Rekord, Taunus, 626 oder Passat waren immer gute Kumpel. Nichts fürs Herz, aber kreuzbrav und zuverlässig. Ganz gleich ob auf einsamer Dienstfahrt oder auf beschaulicher Urlaubsreise - schlappmachen galt nicht.

Okay, oft war sie nicht viel aufregender als ein Wochenende im Harz. Aber immer so verlässlich und wirtschaftlich wie das Konto beim freundlichen Herrn von der Sparkasse. Um ihr Aussehen haben wir uns da weniger gekümmert - wozu auch? Doch die Zeiten haben sich geändert. Überall geht es nur noch um Lifestyle und all das, was sich dahinter verbergen mag. Ergo: Auch das Auto muss attraktiv sein. Motto: Erst die Form, dann die Funktion.

Niemand weiß das so genau wie Opel. Nachdem sogar die einstigen Bestseller Corsa und Astra schwächeln, müssen die Rüsselsheimer jetzt alles auf eine Karte setzen: auf den neuen Vectra. Wird er ein Flop, steht Opel als Marke auf dem Spiel. Mit einer grauen Maus hätten sie ab März nächsten Jahres keine Chance. Sogar der Nissan Primera, heute noch so unauffällig wie das Reihenhaus am Rande der Stadt, schockt im März mit Raumkapsel-Design und radikalem Innenraum-Konzept. Treue Nissan-Fahrer werden bei der Premiere argwöhnen, sie seien statt in den Verkaufsraum in ein geheimes Design-Labor geraten.

Linienführung wie bei Sportwagen

Ganz ähnlich die Aufbruchsstimmung bei Mazda: Für den konservativen 626 galten - klassentypisch - Prioritäten wie Preiswürdigkeit, Zuverlässigkeit und Platzangebot. Möglich, dass es dabei bleibt. Aber der Nachfolger 6 riskiert eine so dynamische Linie, als wäre er auch gerne als Sportwagen auf die Welt gekommen. Auch vom Coupé-artigen Peugeot 407, der im Herbst nächsten Jahres präsentiert und 2003 ausgeliefert wird, ist keine Zurückhaltung zu erwarten. Wenn der so einschlägt wie derzeit der 307, kann er den Maßstab der Klasse neu definieren. Das Motto bei Peugeot: Aufbruch in neue Dimensionen - die Mittelklasse schließt zur Oberklasse auf.

Der Vectra C ist da gut gewappnet. Er streckt sich über 4,6 Meter, zehn Zentimeter mehr als der Vectra B. Trotzdem erscheint der neue Opel kompakt und gedrungen. Mit der breitschultrigen Statur wirkt er stämmig und kräftig - eine ehrliche Haut, die Vertrauen einflößt. Stolz prangt der Chromblitz am typischen Kühlergrill - kein Zweifel, hier steht ein Opel, ein Vectra. Einer mit Mut zu Ecken und Kanten. Seine Väter geben sich ganz bescheiden: "Wir wollten nicht alle Brücken hinter uns abbrechen", erklärt Chef-Designer Hans Seer. "Wir hoffen natürlich auf Eroberungen. Aber das Wichtigste ist, unsere alten Kunden zu behalten."

Die Chancen stehen gut: Der neue Vectra glänzt mit neuen Stärken, ohne alte aufzugeben. Er bietet jede Menge Platz für die ganze Familie und ein Kofferraumvolumen von 500 Litern - Mercedes-S-Klasse-Format. Das auf Wunsch zweifarbige Armaturenbrett mit Holzdekor-Leisten wirkt edler, aufgeräumter und großzügiger als zuvor. Unschöne Nebenwirkung für Opel: Wer braucht bei so einer Mittelklasse noch den Omega?

Luxus wie in der S-Klasse

Eine funktionelle, vertraute Bedienung ist im Vectra ebenso selbstverständlich wie das jetzt zweifach verstellbare Lenkrad. Unscheinbare Vorzüge wie bequeme Sitze oder das riesige Handschuhfach entzünden keine Leidenschaft, aber stille Zufriedenheit im Alltag. Auf effekthaschende Gimmicks wie eine Rückfahrkamera (Primera) verzichtet Opel ganz. Nützliche Details wie automatisch abblendende Innen- und Außenspiegel oder Reifendruckkontrolle wird es geben, sie kosten jedoch Aufpreis. Genau wie der Stolz der Opelaner, die aufwendige Klimaautomatik mit sonnenstandabhängiger Regelung und Luftgütesensor wie in der Luxusklasse: Wenn draußen dicke Luft herrscht, macht die Smogschaltung automatisch dicht.

Die Marketingstrategen sollten noch mal genau überlegen, ob solche Extras nicht in die Basisausstattung gehören - nicht nur wegen der drohenden Konkurrenz im nächsten Jahr. Der Hightech-Revoluzzer Renault Laguna hat das meiste davon schon jetzt serienmäßig.

Extras und Platzangebot wie in der Oberklasse fordern ihren Preis: Neue Rekorde beim Kraftstoffverbrauch sind nicht zu erwarten, trotz des niedrigen cW-Werts von 0,28. Weniger als 1,3 Tonnen wiegt kein Vectra. Und beim Antrieb werden keine neuen Register gezogen: Die Benziner mit 1,8 Liter (122 PS) und 2,2 Liter (147 PS) Hubraum sind genauso bekannt wie die beiden Diesel mit 2,0 und 2,2 Liter (100 bzw. 125 PS).

Topmotor im Vectra: 3,2-Liter-V6, 211 PS

Der bisherige 1.6 mit wirtschaftlichen 100 PS ist derzeit noch nicht eingeplant, steht aber bereit. "Wenn die Kunden ihn wollen, können wir sofort reagieren", sagt Chef-Konstrukteur Karl-Heinz Zimmermann. Bei der Frage nach einem modernen Common-Rail-Diesel wird er wortkarg - Opel hat keine. Wahrscheinlich müssen Konzernbrüder aushelfen: Man überlegt noch, ob der 3,0-Liter-Diesel von Isuzu oder der 2,4- JTD aus dem Fiat-Konzern zum Einsatz kommen soll.

Den neuen Topmotor steuern die Rüsselsheimer selbst bei: den 3,2-Liter-V6 mit 211 PS aus dem Omega. Der soll aber der Schrägheck-Version GTS vorbehalten bleiben, die Opel im Juli nachschiebt. Schon das knackige Kürzel lässt ahnen, dass es bei dem Heckklappen-Vectra nicht zuerst um Variabilität und Zusatznutzen geht: Die Coupé-ähnlich auslaufende Dachpartie, große Lufteinlässe an der Frontschürze, sichtbare Auspuffendrohre und Tieferlegung erinnern an selige GSi-Zeiten. Das Fahrwerk dürfte mit sportlichen Herausforderungen fertig werden - das Vorbild für die Opel-Entwickler hieß schließlich Ford Mondeo. Außerdem kommt ein besonders raffiniertes ESP zum Einsatz.

Fazit: Für spannendes Kräftemessen in der Mittelklasse ist im nächsten Jahr gesorgt. Die Autohersteller sind bestens in Form.

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